Tickernews

Folgende Artikel sind von mir ausgesuchte News, die mir in der täglichen Newsflut persönlich bemerkenswert erschienen. Wer möge, kann sie sich gelegentlich mal anschauen.


  Meldungen vom 19.06.2001:

   Weizenbaum kontra Chat-Kultur
   Der Computerwissenschaftler Joseph Weizenbaum hat den Einsatz von
   digitalen Medien an den Schulen scharf kritisiert. Dadurch komme es
   zum Verlust von Sprache und Leitbildern, erklärte er im Rahmen einer
   Veranstaltung des gestern zu Ende gegangenen 29. Evangelischen
   Kirchentags in Frankfurt. Die "Comic-Sprache" der Chat-Kultur werde
   auf Dauer festgeschrieben. "Das Internet", so Weizenbaum, "wird das
   Buch nie ersetzen".

   In einem heute erschienenen Interview mit der [30]Basler Zeitung
   beklagt Weizenbaum, dass Kinder mit ihren Computern mehr Zeit
   verbringen als mit Büchern. Da baue sich eine Katastrophe auf. Man
   habe eine ganze Generation von Schulkindern als Versuchstiere
   rekrutiert. Die allerhöchste Priorität müsse die Sprache haben.
   Zumindest in den USA sei es gerade die Sprache, die weggeworfen werde.
   Am Massachusetts Institute of Technology (MIT), einer der führenden
   Universitäten der Welt, könne ein Drittel der Studenten keine Seite
   Englisch schreiben, ohne grobe Fehler zu machen. Ebenfalls ein Drittel
   der amerikanischen Jugend könne zwar Comic-Books und Straßenschilder
   lesen, verstehe aber eine kleine Stellenanzeige nicht und könne sich
   erst recht nicht darauf bewerben. Weizenbaum: "Das ist eine Tragödie
   und eine Katastrophe, die wir aufhalten müssen. Langsam wird es dafür
   zu spät. Die Zeit läuft uns davon."

   Der in Berlin geborene 77-jährige Computerpionier Joseph Weizenbaum
   wirkt seit 1963 am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Er
   arbeitete Ende der 60er Jahre an der Entwicklung des Arpanet mit, dem
   militärischen Vorläufer des heutigen Internet. ([31]fm/c't)
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   Matrox-Chip lässt Köpfe sprechen
   Der kanadische Grafik- und Video-Anbieter Matrox wendet sich auch mit
   seinem neuen Grafkchip nicht an Spieleenthusiasten. Trotzdem hat der
   G550 im Vergleich zu seinem Vorgänger bei den 3D-Eigenschaften kräftig
   zugelegt. Während die beiden Pixelpipelines des G450 noch mit einer
   Textur-Einheit auskommen mussten, verfügt der G550 über zwei
   Textur-Engines pro Pipeline. Und wie bei den Konkurrenten Nvidia und
   ATI entlastet der Chip die CPU von den Geometrieberechnungen mit einer
   T&L-Unit (Transform and Lighting), die als programmierbarer Vertex
   Shader nach DirectX 8 ausgelegt ist. Der wieder in 0,18 µm gefertigte
   Chip ist voraussichtlich nicht wesentlich höher getaktet als der
   Vorgänger. Die genauen Werte gibt Matrox wie immer nicht bekannt. Das
   Speicherinterface ist mit dem des G450 identisch und steuert maximal
   32 MByte DDR-DRAM über einen 64 Bit breiten Bus an.

   Da der G550 mit diesen Merkmalen allein wenig Chancen hätte, hat
   Matrox sich noch etwas einfallen lassen. Die Software-Ausstattung
   ermöglicht es, den eigenen Kopf als 3D-Modell in Anwendungen
   einzusetzen und lippensynchron und in Echtzeit zu beliebigen Texten zu
   animieren. Matrox will damit der Kommunikation über Netze eine
   persönliche Note verleihen, was nach Herstellerangaben besonders in
   der Geschäftswelt gefragt sein soll.

   Der G550 unterstützt diese Anwendung durch so genanntes "Matrix
   Palette Skinning". Darunter versteht man die Fähigkeit, ein
   Polygon-Netz auf die gleiche Weise zu bewegen wie Gesichtsmuskeln. Der
   G550 kann mit seinem Vertex Shader gleichzeitig bis zu vier "Muskeln"
   auf jeden 3D-Punkt einwirken lassen, was technisch durch
   Matrizenoperationen geschieht. Der Vertex Shader des G550 ("Head
   Casting Engine") ist dabei besonders leistungsfähig, weil er sich dank
   seiner 256 Konstanten-Register mit 32 Matrizen programmieren lässt.
   Nvidias GeForce3 bringt es nur auf 96 Register, womit die
   Lippenbewegungen weniger natürlich ausfallen sollen.

   Die Software zur Millennium G550 enthält alles, was man für "Head
   Casting" benötigt. Um ein Modell seines eigenen Kopfes zu erhalten,
   genügt es, zwei Portrait-Ansichten mit der mitgelieferten Software von
   [35]Digimask zu bearbeiten und zu verschicken. Innerhalb kurzer Frist
   findet man das entsprechende 3D-Modell dann in seinem Posteingang. Mit
   HeadFone der Firma [36]Lipsinc lässt sich der eigene oder auch ein
   beliebiger anderer Kopf, etwa der einer Comic-Figur, an eine
   Gegenstelle schicken und dort synchron zur eigenen Stimme animieren.
   Da man nur wenige Positionsdaten übertragen muss, funktioniert
   HeadCasting über gewöhnliche 56K- oder ISDN-Verbindungen. Falls die
   Gegenstelle keine G550-Hardware besitzt, wird der Kopf nur mit
   niedriger Polygon-Auflösung dargestellt und per Software animiert. Die
   dritte Zugabe ist ein Add-on zu Microsoft PowerPoint, das auch
   Präsentationen mit einem Talking Head versieht.

   So interessant HeadCasting auch sein mag, Matrox wird noch reichlich
   Überzeugungsarbeit leisten müssen. Chiphersteller versuchen schon seit
   Jahren, 3D-Grafikanwendungen im Corporate-Markt zu etablieren - und
   waren dabei weitgehend erfolglos. Dagegen werden Heimanwender die
   Millennium G550 zuallererst an ihrer Spieleeignung messen und sich
   wieder über das Environment Mapped Bump Mapping (EMBM) freuen. Das
   flexiblere Dot-Product3-Bump-Mapping und das Cubed Environment Mapping
   für perfekte Spiegelungen fehlen allerdings. Mit ihrem 64-Bit-Bus
   kommt sie zudem nicht über die Leistung der 128bittigen
   SDR-DRAM-Karten hinaus (GeForce2 MX). Ihr Preis von 349 Mark ist wegen
   ihres ausgereiften Zweischirm-Konzeptes (DualHead) jedenfalls
   gerechtfertigt. Die Millennium G550 soll im Zeitraum August bis
   September zu kaufen sein. (Manfred Bertuch) ([37]em/c't)

References

  30. http://www.baz.ch/
  31. mailto:fm@ct.heise.de
  32. http://www.heise.de/newsticker/data/wst-04.05.01-001/
  33. mailto:dwi@ct.heise.de

  35. http://www.digimask.com/
  36. http://www.lipsinc.com/
  37. mailto:em@ct.heise.de


Meldungen vom 18.06.2001: IDE-Festplatte mit 100 GByte [16]Maxtor bietet mit der DiamondMax D536X jetzt eine IDE-Platte mit 100 GByte an. Das mit 5400 U/min drehende Laufwerk bringt diese Kapazität auf nur drei Magnetscheiben unter, erzielt also eine Datendichte von etwa 33 GByte pro Scheibe. Sogar 40 GByte pro Scheibe speichert die ebenfalls angekündigte Familie DiamondMax D540X, die in Varianten mit bis zu zwei Scheiben und somit bis zu 80 GByte angeboten wird und ebenfalls mit 5400 U/min dreht. Maxtor hat nach eigenen Angaben mit der Massenproduktion beider Familien begonnen; die 100-GByte-Platte ist bereits jetzt bei [17]Vobis erhältlich. ([18]bo/c't) ==================================================================== Milde Strafe für israelischen Hacker Relativ glimpflich davon gekommen ist "Analyzer" oder Ehud Tenenbaum, der 1998, damals 18 Jahre alt, als der Kopf hinter einem zwei Wochen dauerenden [43]Angriff auf viele Rechner des Pentagon identifiziert wurde. Die Attacke wurde vom FBI als der "bislang am besten organisierte und systematischste Angriff" bezeichnet - der Angriff geschah zu der Zeit, als die Krise zwischen den USA und Großbritannien und dem Irak wegen der Waffeninspektionen auf dem Höhepunkt war. Weil einige Spuren der Angriffe in den Nahen Osten zurückführten, nahm man im Pentagon an, dass der Irak dafür verantwortlich sein könnte ([44]Hacker und der Staat). Aus Anlass der Angriffe wurde das dem FBI angegliederte National Infrastructure Protection Center (NIPC) gegründet und eine konzertierte Aktion mit dem Namen "Solar Sunrise" gestartet, um die Täter dingfest zu machen. Schon bald stieß man auf zwei kalifornische Teenager, die in die Computer des Militärs eingedrungen waren. Den durch "Solar Sunrise" entstandene Medienrummel wollte "Analyzer" benutzen, um sich selbst als Lehrer der beiden Jugendlichen und als gewieften Hacker darzustellen. Dadurch konnte der "Pentagon-Hacker" schließlich als Tenenbaum aus Tel Aviv identifiziert werden. Er wurde unter Hausarrest gestellt, aber nicht in die USA ausgeliefert, gründete eine Sicherheitsfirma und wurde 1999 nach dem israelischen Gesetz für Computerkriminalität angeklagt. Ende 2000 bekannte sich der Cracker, der damals vom israelischen Premierminister als "verdammt gut ... und sehr gefährlich" gelobt wurde und weltweit Beachtung fand, der Verschwörung, des unerlaubten Eindringens in Computer, der Störung von Computersystemen und der Zerstörung von Beweisen für schuldig. Dafür muss er nun nach dem Urteil des Gerichts in Tel Aviv ein halbes Jahr unbezahlt einer gemeinnützigen Tätigkeit nachgehen. Für die amerikanischen Sicherheitsbehörden gilt "Solar Sunrise" als vorbildliche Aktion. Beim National Counterintelligence Center wird daher sogar ein 18-minütige Video "Solar Sunrise: Dawn of a New Threat" angeboten. Mehr in Telepolis: [45]Glimpflicher Ausgang einer Crackerkarriere. ([46]fr/tp) References 16. http://www.maxtor.com/ 17. http://web.vobis.de/is-bin/INTERSHOP.enfinity/eCS/Store/de/-/DEM/DisplayProductInformation-Start;%24sid%24OzOyJTsuBFAyzWNItVY-2x9pkCOhyGpM?ProductID=UZg%2eGiSFAHMAAADnc3uwphHu&XXX= 18. mailto:bo@ct.heise.de 43. http://www.heise.de/newsticker/data/fr-25.02.98-000 44. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/1420/1.html 45. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/info/7910/1.html 46. mailto:fr@tp.heise.de
Meldungen vom 17.06.2001: Hohes Gefahrenpotential durch "Virenbasteln für Dummies" Mit einer einfachen Software und wenigen Mausklicks kann jeder Windows-Nutzer seinen eigenen Computervirus basteln. Tests der c't-Redaktion zeigen, dass Antivirenprogramme für solche Baukasten-Schädlinge oft blind sind. In Zukunft droht eine wahre Virenepedemie. Der [23]Baukasten-Wurm Kournikova war Anfang des Jahres ein Vorbote: Eine E-Mail versprach dem Empfänger ein Foto der Tennisspielerin im Anhang. Wer es betrachten wollte, hatte mit einem Doppelklick auf den Anhang nicht nur seinen eigenen Rechner infiziert, sondern den E-Mail-Wurm auch an sämtliche gespeicherten E-Mail-Adressen weiter verschickt. Eine kinderleichte Sache: Mit Hilfe so genannter Virus Construction Kits kann sich ein Anwender ohne jegliche Programmierpraxis im Handumdrehen seinen eigenen Virus bauen und über das Internet unzählige Computer damit anstecken. Je nachdem, welche Schadfunktion der "Konstrukteur" für seinen Virus vorsieht, werden die Besitzer der befallenen Computer vielleicht nur mit einer harmlosen Meldung auf dem Bildschirm oder auch mit dem Verlust aller Daten auf der Festplatte konfrontiert. Mehr als 50 solcher Virenbaukästen stehen in einschlägigen Internet-Archiven zum Download bereit. c't-Redakteur Jürgen Schmidt warnt allerdings davor, sie aus Neugier einfach auszuprobieren: "Solche Versuche sind äußerst gefährlich und sollten keinesfalls auf einem Rechner mit Netzwerkverbindung erfolgen. Neben hohen Schadenersatzforderungen drohen dem Verursacher einer Virenepedemie auch strafrechtliche Konsequenzen." Obwohl solche Viren aus immer denselben Bausteinen bestehen, hat nur eines von sieben Antivirenprogrammen die Schädlinge im c't-Test alle erkannt - manche fanden gar keinen. Das liegt daran, dass die neueren Construction Kits bereits Verschlüsselungsfunktionen enthalten. Schmidt: "Es ist keine Frage mehr, ob demnächst ein neuer Virus auftauchen wird, den das eingesetzte Antivirenprogramm nicht erkennt, sondern nur noch, wann er kommt, und was er anrichtet." Lesen Sie den ausführlichen Bericht in der [24]aktuellen c't-Ausgabe 13/01. ([25]cp/c't) References 23. http://www.heise.de/newsticker/data/vza-13.02.01-000/ 24. http://www.heise.de/ct/inhalt.shtml 25. mailto:cp@ct.heise.de
Meldungen vom 16.06.2001: Bergfest bei distributed.net Nach über dreieinhalb Jahren Rechenzeit haben die Teilnehmer des [2]Bovine RC5-Projekts schließlich die magische 50-Prozent-Marke beim Durchsuchen des Schlüsselraums erreicht. Bei diesem Projekt handelt es sich um den Versuch, einen RSA-Schlüssel mit 64 Bit mittels "Bruce Force" zu knacken - dazu werden schlicht alle möglichen Schlüssel einzeln überprüft. Nach 1311 Tagen mit derzeit knapp 300.000 Teilnehmern wurden laut dem gestrigen Statistik-Update 9.225.283.403.065.065.472 Schlüssel überprüft - etwas mehr als die Hälfte der über 18 Trillionen möglichen Schlüssel. Die Schlüsselrate ist in den vergangenen dreieinhalb Jahren allerdings ständig gestiegen; bei der augenblicklichen Rate von 127 Gigakeys pro Sekunde würde es noch etwas über 500 Tage dauern, bis der gesamte Schlüsselraum abgegrast wurde. Das Projekt ist dann beendet, wenn ein Teilnehmer den richtigen Schlüssel an den distributed.net-Keyserver zurücksendet - nachdem die Hälfte aller möglichen Schlüssel bereits untersucht wurde, ist die Wahrscheinlichkeit mittlerweile groß, dass das Projekt ein baldiges Ende findet. Dass die Methode funktioniert, hat distributed.net bereits 1997 bewiesen: Innerhalb von 250 Tagen hatten die Teilnehmer einen 56-Bittigen RSA-Schlüssel mittels Brute Force geknackt, RC5-64 wurde anschließend als Nachfolgeprojekt gestartet. Die Projekte sollen zeigen, dass es prinzipiell möglich ist, mit verteilter Rechenleistung komplizierte Algorithmen sehr schnell durchzurechnen - dabei geht es nicht nur um das Knacken von Schlüsseln, sondern auch um grundsätzliche mathematische Probleme: Bei der Suche nach dem [3]optimalen Golemb-Maßstab geht es darum, innerhalb einer kürzmöglichsten Strecke Markierungen unterzubringen, deren Abstände einzigartig sind. ([4]pab) / ([5]em/c't) References 2. http://www.distributed.net/rc5/index.html.de 3. http://www.distributed.net/ogr/index.html.de 4. mailto:pab@ct.heise.de
Meldungen vom 15.06.2001: Pilze kompostieren CDs Spanische Wissenschaftler des [20]Centro de Investigaciones Biológicas, einer Einrichtung der spanischen Forschungsgemeinschaft [21]CSIC (Consejo Superior de Investigaciones Científicas), wollen einen Pilz entdeckt haben, der CDs zersetzt. Das meldet das spanische Online-Wissenschaftsmagazin [22]Ciencia digital. Der Pilz der Art Geotrichum ernähre sich vom im Polycarbonat enthaltenen Kohlen- und Stickstoff und zersetze so den durchsichtigen Kunststoff. Experten sehen darin eine erstaunliche Entdeckung, denn bislang galt Polycarbonat als recht unverwüstlich. Gezielt eingesetzt, könnten die Pilze so zum Kompostieren von nicht mehr benötigten CDs genutzt werden. Andere sehen in diesem Pilz aber eine Bedrohung, denn durch die Zersetzung des Polycarbonats leidet natürlich auch die datentragende Schicht der CD. In ihren Augen ist der Pilz ein garstiger CD-Fresser, der etlichen Backups und Datensammlungen den Garaus machen könnte. Hierzulande hat man vor ihm allerdings wenig zu befürchten: Ein Experiment hat gezeigt, dass der Pilz erst ab 30 Grad Celsius und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 90 Prozent Appetit auf CDs bekommt. ([23]mst/c't) ==================================================================== Prototyp speichert 150 GByte auf einer CD Die Physiker der Laser Group der [44]Technischen Universität Berlin haben eine neue Technik zum Beschreiben von CDs entwickelt, die es ermöglichen soll, bis zu 150 GByte pro Scheibe speichern zu können. Im so genannten mikroholografischen Verfahren sollen die Informationen nicht nur wie bisher nebeneinander, sondern durch Ausnutzung des Volumens auch dreidimensional gespeichert werden. Dabei erzeugt man zunächst mit Hilfe eines Laserstrahls kleine Gitter auf der Reflexionsschicht der CD. Nach Angaben der Forscher der Universität kann man durch den Einsatz von Lasern mit unterschiedlichen Wellenlängen auch mehrere solcher Gitter überlappend in einer Ebene erzeugen. Trotzdem seien sie anschließend separat auslesbar. Um die Speicherdichte weiter zu erhöhen könne man auch mehrere Datenebenen übereinander legen - eine ähnliche Technik kommt zurzeit bei gepressten DVDs zum Einsatz. Auf der diesjährigen Fachmesse [45]LASER 2001 (18. bis 22. Juni) in München soll das Projekt vorgestellt werden. Erste Prototypen der 150-GByte-CD und entsprechender Laufwerke seien zwar im Labor bereits funktionsfähig, sollen aber nicht präsentiert werden, erläuterte Susanna Orlic von der TU Berlin gegenüber heise online. Wann aus den Forschungen ein marktreifes Produkt entstehe, ist laut der Physikerin schwer einzuschätzen. Vor allem mangele es derzeit noch an interssierten Industriefirmen, die das nötige Kleingeld für eine Vermarktung mitbringen. Einige Firmen, beispielsweise [46]Imation, forschen aber auch an eigenen holografischen Speicherverfahren, die bald zu einem fertigen Produkt gereift sein sollen. ([47]mst/c't) References 20. http://www.cib.csic.es/ 21. http://www.csic.es/ 22. http://www.cienciadigital.net/ 23. mailto:mst@ct.heise.de 44. http://moebius.physik.tu-berlin.de/lasergrp 45. http://www.laser.de/ 46. http://www.heise.de/newsticker/data/wst-25.02.00-000/default.shtml 47. mailto:mst@ct.heise.de
Meldungen vom 10.06.2001: Winteranfang auf Saturn Die [28]NASA hat aufschlussreiche Bilder vom Saturn ins Internet gestellt. Die Aufnahmen vom Weltraumteleskop Hubble zeigen den zweitgrößten Planeten unseres Sonnensystems in den Jahren 1996 bis 2000. Sie enthüllen in dieser Zusammenstellung einen Abschnitt des 29 Erdenjahre dauernden Saturnjahres von der herbstlichen Tag-und Nachtgleiche bis zur Wintersonnenwende, jeweils bezogen auf die nördliche Saturn-Hemisphäre. Die erst jetzt auf der [29]Hubble-Webseite erschienenen Bilder lassen auf den Saturnringen eine lachsrosa Färbung erkennen. Wissenschafler erklären sich den Farbschimmer durch Spuren organischer Substanzen auf den unzähligen Brocken aus Eis und Staub, die den Planeten als Bestandteile nur zehn Meter dicker Ringe umkreisen. ([30]hps)/ ([31]cp/c't) References 28. http://www.nasa.gov/ 29. http://hubble.stsci.edu/ 30. mailto:hps@ct.heise.de
Meldungen vom 09.06.2001: Dünn, leicht, billig: Displays aus Plastik Organische Displays waren die Stars der Show auf der "[29]CeBIT der Displayindustrie", der SID 2001, die gestern in San Jose zu Ende ging. Etliche Hersteller mit Rang und Namen präsentierten die Leuchtanzeigen teils "pur", teils in Handys, Videobrillen oder Flachbidschirmen eingebaut. Zwei recht unterschiedliche Techniken bestimmen die Szene: Auf der einen Seite die von Kodak entwickelten Small Molecule OLEDs, auf der anderen die von Cambridge Display Technology entwickelten Polymer-LEDs, die sich sehr billig fertigen lassen. Zu den Herstellern von OLED-Displays zählen eMagin, Sanyo, Sony, Tohoku Pioneer und UDC. Tohoku Pioneer setzt seine organischen Displays bereits seit 1999 in Autoradios ein, seit 2000 findet man sie auch in einem Timeport-Handy von Motorola. Im Februar gründete Pioneer zusammen mit Sharp und SEL (Semiconductor Energy Laboratoy) das Joint Venture ELDis. Der Dreierverbund will TFT-Substrate in Sharps Continious Grain Silicon-Technik (CGS) für organische Displays mit Aktivmatrix-Ansteuerung herstellen und vermarkten. CGS hat eine sehr hohe Elektronenbeweglichkeit; das Substrat kann deshalb neben den Pixeltransistoren die Treiberlogik und weitere Displayelektronik aufnehmen. Auf der SID zeigt Pioneer ein erstes ELDis-Resultat: Das dreizöllige Aktivmatrix-OLED in CGS-Technik stellt auf 5,4 x 5,4 Zentimeter vollfarbige Bilder mit einer Auflösung von 320 x 320 Bildpunkten dar; die Pixel haben eine Kantenlänge von nur 0,168 Millimeter. Mit wenig mehr als zwei Millimetern ist das Display verblüffend dünn. Sony erregte Aufsehen mit einem 13-Zoll-OLED. Das unter der Bezeichnung "Organic EL" laufende Display zeigt 800 x 600 Bildpunkte mit einer Kantenlänge von 0,33 Millimeter (zum Vergleich: bei 15-zölligen LCD beträgt die Pixelgröße 0,3 Millimeter). Es leuchtet laut Sony mit 300 cd/m2 und weist einen Kontrast von 200:1 auf. In Konkurrenz zu dieser Technik zeigte Sony aber auch ein 13,2-zölliges Feldemissionsdisplay (FED) gleicher Auflösung, das durch sehr hohe Leuchtdichte (800 cd/m2), sehr hohen Kontrast von 800:1 und ausgezeichnete Farbsättigung besticht. eMagin nutzt die OLED-Technik von Kodak in hochauflösenden Mikrodisplays. Die Firma bringt die organische Leuchtschicht direkt auf einkristalline Siliziumchips auf. Jedes Pixel auf der 12,8 x 9 Millimeter kleinen Displayfläche hat eine Kantenlänge von 0,015 Millimetern. Mit seiner Auflösung von 852 x 600 Bildpunkten (SVGA+) kann das Display PC-kompatibles VGA anzeigen, aber auch das HDTV-kompatible 16:9-Format. eMagin hatte zwei Displays in eine EyeTrek-Brille von Olympus eingebaut. Angeschlossen an die Playstation 2 überzeugte die so ausgestattete Videobrille durch leuchtende Farben und extrem kurze Schaltzeiten. Die Massenproduktion der organischen Mikrodisplays soll Ende des Jahres in Hopewell Junction starten, Entwicklungskits mit OLED-Display und Ansteuerlogik sind ab sofort für 6500 Dollar zu haben. Die Alternative zu organischen Leuchtanzeigen aus so genannten Small Molecules sind die von Cambridge Display Technology (CDT) entwickelten Polymer-LEDs. Die Bildqualität hinkt derzeit etwas hinterher, doch erhofft man sich von Light Emitting Polymers (LEP) deutlich geringere Fertigungskosten. Während die organischen Leuchtstoffe der SMOLEDs im Vakuum auf das Substrat aufgedampft werden müssen, kann man das organische Material der LEPs in Flüssigkeit auflösen und anschließend wahlweise per Spin Coating - also durch Auftröpfeln auf die schnell drehende Substratfläche - oder im Inkjet-Druckverfahren aufbringen. Toshiba überraschte die Branche mit der Präsentation eines vollfarbigen Polymerdisplays. Der Newcomer im Bereich der Plastikanzeigen druckt sein LEP (Light Emitting Polymer) auf ein TFT-Substrat aus Low Temperature Polysilizium (LTPS). Das 2,85-zöllige Display unterstützt 260.000 Farben und 64 Graustufen. Auch wenn das gezeigte Display noch etwas blass wirkte, markiert es doch die Position von Toshiba im LEP-Business. Die Firma will organische Displays bereits im April 2002 in Serie produzieren. Epson zeigte ebenfalls ein vollfarbiges 2,8-Zoll-LEP-Display mit 250 x 150 Pixel und 64 Graustufen, das im Inkjet-Verfahren auf Polysilizium hergestellt wurde. Als Dritter im Bunde führte Philips auf der SID "gedruckte" LEP-Displays vor. Vor kurzem hat auch ein deutsches Unternehmen von CDT die Lizenz zur LEP-Fertigung erworben: Osram Semiconductor, ein Gemeinschaftsuntenehmen von Osram und Infineon, will kleine LEP-Displays zum Einbau in Handys und Autos herstellen. Die Firma besitzt bereits eine Pilotanlage in San Jose und will noch dieses Jahr eine LEP-Fab in Penang, Malaysia, in Betrieb nehmen. Der Markt der organischen Leuchtanzeigen wird nach Ansicht des Marktforschungsinstituts DisplaySearch von 24 Millionen Dollar im Jahr 2000 auf 3,3 Milliarden Dollar im Jahr 2005 anwachsen. Eine konservativere Schätzung liefert Mitbewerber Stanford Ressources, nämlich 1,6 Milliarden Dollar im Jahr 2007, erwartet aber für dieses Jahr bereits ein Wachstum auf 84 Millionen Dollar. Die Hauptanwendungen für organische Displays sieht Stanford Resources bei den mobile Appliances und im Automobilsektor. ([30]uk)/ ([31]cp/c't) References 29. http://www.heise.de/newsticker/data/wst-07.06.01-000/ 30. mailto:uk@ct.heeise.de
Meldungen vom 07.06.2001: Grüne Dächer schützen vor Elektrosmog Für Gegner von Mobilfunksendeanlagen, die vor Gericht mit ihrer Klage scheitern, bieten jetzt Wissenschaftler des Forschungslabors für Experimentelles Bauen der Universität Gesamthochschule Kassel ([29]GhK) bauliche Möglichkeiten, sich vor den möglichen Auswirkungen elektromagnetischer Wellen zu schützen. Sie fanden heraus, dass begrünte Dächer und Hauswände aus Lehm einen effektiven Schutz gegen solche Strahlen bieten. Durchgeführt wurden die Messungen am Institut für Hochfrequenz-, Mikrowellen- und Radartechnik der [30]Universität der Bundeswehr in München. "Wer sich gegen hochfrequente Strahlungen von außen schützen will, ist unter einem Lehmtonnengewölbe mit Grasdachabdeckung ideal abgeschirmt", erklärt Professor Gernot Minke, der das Kasseler Forschungslabor für Experimentelles Bauen leitet und als international anerkannter Fachmann für Lehmbauten und experimentelles Bauen gilt. Bei seinen Messungen konnte der Wissenschaftler eine fast hundertprozentige Abschirmung des Hausinneren gegen Mobilfunkstrahlung [31]belegen. Bereits Gründächer mit einer Schicht von 15 cm Leichtsubstrat erbringen für die Frequenzbereiche von 1,8 bis 1,9 GHz des Mobilfunk-E-Netzes und der schnurlosen DECT-Telefone eine Strahlungsdämpfung von ca. 22 dB, was einer Strahlungsreduktion von 99,4 Prozent entspricht. Für den künftigen Mobilfunkstandard UMTS, der im Frequenzbereich von 1,92 bis 2,17 GHz arbeitet, soll laut Minkes Messungen die Abschirmung noch bessere Werte erreichen. Einen optimalen Reduktionswert von 49 dB erreichte der Kasseler Architektur-Professor durch die Kombination aus Lehmgewölbe mit Grasabdeckung. Ein herkömmliches Ziegeldach hingegen reduziere die Strahlen im Frequenzbereich für das E-Netz und UMTS nur um 50 Prozent. Um nicht nur von oben, sondern auch von der Seite gegen die Strahlen gewappnet zu sein, empfiehlt Minke künftigen Bauherren, dass möglichst keine Türöffnungen zu bestehenden Basisstationen hin ausgerichtet werden beziehungsweise dass diese mit einer metallischen Beschichtung oder einer metallischen Fliegengitterdoppeltür - wie aus den USA bekannt - versehen sein sollten. Fenster mit einer einfachen Isolierverglasung oder Holzrahmen sind ebenso ein Schwachpunkt. Eine moderne Wärmedämmverglasung erreiche dagegen aufgrund ihrer Edelmetallbedampfung eine Abschirmung von 30 dB (99,9 Prozent). Für Dachflächenfenster eignet sich ein Reflektor-Sonnenrollo, das in allen Frequenzbereichen eine Abschirmung von 99,98 Prozent erbrachte. Allerdings sei zu berücksichtigen, dass damit die niederfrequenten Strahlungsquellen, wie sie im Hausinneren durch Elektrogeräte auftreten, nicht vermindert würden. (Andreas Grote) / ([32]wst/c't) ==================================================================== Gates spendet Milliarden für Gesundheitsprojekte Während die internationale Presse nahezu täglich auf das Urteil in der Berufungsinstanz des Kartellverfahrens gegen Microsft wartet, präsentiert der Gründer des Software-Konzerns sich erneut als großer Philanthrop. Nach einem Bericht des Wall Street Journal will Gates das Kapital der [35]Bill und Melinda Gates-Stiftung um zwei Milliarden US-Dollar aufstocken. Die Spende erhöht das Kapital der Stiftung, die insbesondere Gesundheitsprojekte in der dritten Welt unterstüzt, auf insgesamt 23 Millarden US-Dollar. In ihrer ersten großen gesundheitspolitischen Rede hatte Melinda Gates vergangene Woche die USA und andere reiche Nationen aufgefordert, ihre Bemühungen im Kampf gegen AIDS "dramatisch" zu verstärken. Auf der jährlichen Konferenz des Global Health Council erklärte Melinda Gates, sie und ihr Ehemann wären empört darüber, dass neue Impfstoffe in der Regel in den USA einige Jahre früher verfügbar wären als in unterentwickelten Ländern. "Wenn es einen AIDS-Impfstoff gibt, dann wollen wir ihn überall verfügbar machen", erklärte sie. ([36]wst/c't) References 29. http://www.uni-kassel.de/ 30. http://www.unibw-muenchen.de/ 31. http://www.uni-kassel.de/presse/pm/jun01-01.ghk 32. mailto:wst@ct.heise.de 35. http://www.gatesfoundation.org/ 36. mailto:wst@ct.heise.de
Meldungen vom 06.06.2001: 2050 sollen Fußball-Roboter gegen den Weltmeister antreten In fünfzig Jahren, so die ehrgeizige Vorgabe der Roboter-Fußball-Weltmeisterschaft RoboCup, sollen humanoide Roboter nach den offiziellen Regeln der FIFA gegen den amtierenden menschlichen Fußballweltmeister antreten und gewinnen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, was man auch bei dem ersten [33]RoboCup German Open vom 8. bis 10. Juni sehen können wird. Veranstaltet wird RoboCup GermanOpen vom Institut für Autonome intelligente Systeme der GMD in Sankt Augustin. Im [34]Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn werden am Wochenende 30 Teams aus neun Ländern in fünf Klassen um den Titel kämpfen. Das ist auch ein letzter Test, bevor es dann zur Weltmeisterschaft geht, die seit 1997 jährlich veranstaltet wird und dieses Mal vom 2. bis 10. August in Seattle stattfindet. Beim RoboCup wird in unterschiedlichen Ligen gespielt. Bei der "Simulation League" spielen jeweils 11 Agentenprogramme auf einem virtuellen Spielfeld. Mit dem Verzicht auf den Körper ist hier die Perfektion natürlich am weitesten gediehen. Bei der Middle Size League sind die völlig autonom agierenden und über Funk kommunizierenden Spieler (drei Feldspieler und ein Torwart) bis zu 80 cm groß und treten auf einem 5 x 9 Meter großen Spielfeld gegeneinander an. In der Middle Size League kämpfen jeweils 5 Spieler, die in einen 18 cm großen Zylinder passen müssen, auf einem Spielfeld von der Größe 152,5 x 274 cm gegeneinander. Hier darf eine Kamera über dem Spielfeld als gemeinsames Auge mit verwendet werden. Seit 1999 gibt es auch die Sony Legged Robot League, bei der die bekannten Sony-Hunde zum Einsatz kommen. Jeweils drei Vierbeiner spielen in einer Mannschaft. Und in der Junior League können Kinder selbst gebaute Roboter vorführen. Die Fußballmeisterschaften der Roboter spiegeln in erster Linie den technischen und wissenschaftlichen Stand wieder und sollen die Forschung im Bereich KI und mobile autonome Roboter fördern. Aber es gibt auch immer wieder etwas zu lachen, wenn etwa die Roboterhündchen sich hinsetzen und einfach zuschauen, wie der Ball an ihnen vorbei rollt, oder ein Torwart höflich den gegnerischen Stürmern Platz macht. Natürlich werden die Spiele in Paderborn live über das Internet [35]übertragen. Siehe auch in Telepolis: [36]Noch 50 Jahre bis zum Entscheidungsspiel. ([37]fr/tp) References 33. http://ais.gmd.de/GermanOpen/ 34. http://www.hnf.de/ 35. http://ais.gmd.de/GermanOpen/live_de_content.html 36. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/robo/7814/1.html
Vom Dotcom-Großverdiener zum Entwicklungshelfer Die Pleite- und Entlassungswelle unter den Dotcom-Firmen in San Francisco und im Silicon Valley hat dem amerikanischen Friedenskorps zu einem unerwarteten Aufschwung verholfen. Bei der Regierungsorganisation, die freiwillige Helfer in Entwicklungsländer und Katastrophengebiete schickt, ist die Zahl der Bewerbungen im Raum San Francisco seit Jahresbeginn um 55 Prozent gestiegen. Die meisten Anfragen kämen von ehemaligen Dotcom-Mitarbeitern, die ihren Job verloren haben und eine neue Lebensaufgabe suchten, sagt Harris Bostic, Leiter des Peace Corps in San Francisco. Viele fänden es "sexy", spannende Aufgaben im Ausland zu übernehmen, statt in der Internet-Branche erneut auf Arbeitssuche zu gehen. Bostic beschreibt einen typischen Fall einer Ex-Dotcom-Angestellten, die ihre Aktien einlöste und es sich leisten kann, unbezahlt zwei Jahre als Freiwillige im Ausland zu arbeiten. Peace-Corps-Helfer verdienen kein Geld. Die Organisation, die 1961 von Präsident John F. Kennedy ins Leben gerufen wurde, kommt für den Lebensunterhalt, das Berufs- und Sprachtraining und die Reisekosten auf. Derzeit sind 7300 Helfer in 76 Ländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa stationiert. Ex-Dotcomer Jessica Hsu tauscht ihren gut bezahlten aber unsicheren Computerjob bei einer Online-Werbefirma gegen einen zweijährigen Aufenthalt in Haiti ein. Nach stressigen langen Arbeitstagen in der High-Tech-Welt freut sich die 25-Jährige auf ein "einfaches" Leben. Wie viele andere hätte auch sie sich gefragt, ob sie den Rest ihres Lebens auf einen Computer starren wollte. Der größte Unterschied ist der Verlust eines 5-stelligen Gehalts, doch Harry Bostic sieht Ähnlichkeiten zwischen dem Einsatz beim Peace Corps und dem Job in der Dotcom-Branche. In beiden Bereichen seien Risikobereitschaft, Abenteuerlust und ein großer Tatendrang gefragt. Nach jahrelangem Geldverdienen und einem Luxusleben sei es jetzt wieder "cool", zu helfen und sich auf andere Werte zu besinnen. Waren früher handwerkliche und landwirtschaftliche Kenntnisse beim Einsatz in den Drittweltländern gefragt, sind jetzt Erfahrung mit Computern und dem Internet begehrt. 13 Prozent der Peace-Corps- Dienste haben mit Geschäftsgründungen und Unternehmensberatung zu tun. Kürzlich wurde das erste Team von IT-Helfern mit Computern, Modem und Druckern nach Belize entsandt. (Barbara Munker) / ([8]mw/c't)
Meldungen vom 01.06.2001: Bundestag erwägt Umstieg auf Linux Eine elfköpfige Abgeordneten-Kommission sucht nach einem neuen Betriebssystem für den Bundestag. Die Entscheidung wird zwischen Linux und Windows 2000 fallen. Auf den rund 5000 Arbeitsplatzrechnern von Abgeordneten, Fraktionsmitgliedern und der Verwaltung ist derzeit noch Windows NT installiert. In drei bis vier Monaten will die Kommission des Ältestenrates für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken und -medien (IuK-Kommission unter dem Vorsitz von Uwe Küster (SPD) ihre Erkenntnisse in schriftlicher Form dem Ältestenrat vorlegen, der dann seine Entscheidung trifft. Bis dahin müssen Zuverlässigkeit, Ergonomie sowie die Kosten beider Alternativen gegeneinander abgewogen werden. Noch ist keine Vorentscheidung gefallen. Sicher ist jedoch, dass es eine eindeutige Empfehlung geben wird. Die Möglichkeit, jedem einzelnen Anwender die Entscheidung zu überlassen, schließt Küster aus, denn man wolle Support nicht für zwei Systeme anbieten. Vor zwei Monaten hatten Vertreter von Microsoft und SuSE auf Einladung der Kommission die künftigen Entwicklungen in der Windows- und Linux-Welt vorgestellt. Dies diente einem "ersten, groben Vergleich", so Kommisions-Chef Küster. Um weitere Informationen zu sammeln, fuhren sechs Kommissionsmitglieder in der vergangenen Woche nach Amerika. Dort führten sie Gespräche mit Firmenvertretern von Microsoft, Red Hat, Caldera, Oracle und, so Küsters, "mit Anwendern vor Ort". Der Abwägung von Vor- und Nachteilen müsse nun eine Phase der praktischen Erprobung folgen, sagte Küster. Deshalb schlägt er vor, unter den Fraktionsmitgliedern Freiwillige zu suchen, die innerhalb der bestehenden IT-Infrastruktur des Bundestages den Einsatz von Linux und Windows 2000 erproben. Auf diesem Wege erhalte man Angaben "von ganz normalen Anwendern". Innerhalb seiner Fraktion ließen sich leicht etwa 30 Kandidaten für einen Test mit Linux finden. Eckart von Klaeden sitzt für die CDU in der IuK-Kommision. Er äußerte im Gespräch mit einem Internet-Newsdienst einige Bedenken gegen den Umstieg auf Linux. Nach Ansicht von Kommisionsmitglied Josef Hollerith (CSU) bleibt auch die Arbeit der Kommision nicht verschont von einer gewissen "Lagerbildung die durch die ganze Computerwelt geht". Im Gespräch mit heise online bezeichnete sich Hollerith als Fan von Linux, das er als "offenes und funktionierendes System" sieht. Nach seiner Meinung stehen die Chancen gut, dass der Abschlußbericht zu Gunsten von Linux ausfällt. Der finanzielle Aspekt spiele bei der endgültigen Entscheidung sicherlich auch eine Rolle; erste Priorität habe allerdings eindeutig die Zuverlässigkeit. Generell sei er gegen Monopole. Zur Microsoft-Strategie [2]gegen Linux sagte Hollerith: "Die haben da einen eingekauft, der gegen Linux agiert." Im Server-Bereich treffen die Fraktionen ihre Entscheidungen selbständig. Sie haben unabhängige Rechenzentren mit eigenen Systemen der Kommunikation, sogenannte "Vertrauensinsel". In der SPD-Fraktion hat man seit 1995 die Umstellung auf Linux-Derivate betrieben. Mittlerweile ist Linux dort auf allen Servern installiert. Der Bundestag ist dagegen noch in einer Phase der Erprobung. Als erster Netzknoten wurde der Mailserver von Windows NT auf Linux umgestellt. Seitdem funktioniere der Mailversand einwandfrei, so Küster. Vorher sei der Rechner beim Massenversand von E-Mails immer abgestürzt. Wieviele der rund 100 Server in den Fraktionen und der Verwaltung unter Linux laufen, konnte Küster nicht sagen. ([3]dwi/c't) ==================================================================== US-Richter: FBI-Hack war legal Die Methoden, mit denen das FBI im Mai zwei mutmaßliche russische Cracker ausspioniert und in die USA [23]gelockt hat, verstoßen nicht gegen die Verfassung. FBI-Fahnder hatten die Beschuldigten mit einem fiktiven Job-Angebot geködert und nach der Einreise in die USA verhaftet. Dem 20-jährigen Alexej Ivanov und dem 25-jährigen Vasilij Gorshkov werden Einbrüche in Banken-Netzwerke und bei Internet-Providern vorgeworfen. US-Richter John C. Coughenour hat nach US-Medienberichten nun den Antrag des Anwaltes von Gorshkov abgewiesen, der erreichen wollte, dass vom FBI beschaffte Dateien nicht als Beweismittel zugelassen werden. Um Beweise gegen die beiden Cracker zu bekommen, bediente sich das FBI [24]umstrittener Methoden: Die Ermittler gründeten eine Scheinfirma namens "Invita Security" und luden die Verdächtigen ein, persönlich ihre Fähigkeiten als Sicherheitsberater zu demonstrieren. Die Computer, mit denen sie bei Invita arbeiten sollten, waren allerdings vom FBI präpariert. Über mitgeloggte Passwörter verschafften sich die Fahnder Zugang zu den in Russland befindlichen Computern, von denen sie umfangreiches Datenmaterial herunterluden. Gorshkovs Anwalt argumetierte nun, das FBI habe gegen den [25]vierten Verfassungszusatz verstoßen. Der Richer hielt dagegen, die Computer der Verdächtigen hätten sich nicht in den USA befunden und wären auch nicht das Eigentum von US-Bürgern. Aus diesem Grund sei der vierte Verfassungszusatz nicht anwendbar. Außerdem hätten die FBI-Ermittler zwar die umstrittenen Daten ohne richterliche Genehmigung heruntergeladen, vor der Analyse der 250 Gigabyte Beweismittel hätten sie sich allerdings einen Durchsuchungsbeschluss besorgt. Der Prozess soll am 17. September beginnen. ([26]wst/c't) ==================================================================== Internetpionier kritisiert Enfopol-Pläne ICANN-Direktor Vinton Cerf hat die EU mit Nachdruck davor gewarnt, die Direktive zum Datenschutz auszuhebeln. Die EU-Pläne [34]zur Bekämpfung von Cybercrime in neu aufgetauchten Enfopol-Dokumenten stünden in direktem Widerspruch zur EU-Datenschutzrichtlinie, sagte Cerf , der maßgeblich an der Erarbeitung des TCP/IP-Standards beteiligt war, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Die von der EU geforderte, jahrelange Speicherung so genannter Verbindungsdaten stelle eine unzumutbare Belastung für die Provider dar. Auch nur einen geringen Prozentsatz der täglich anfallenden Daten lange Zeit zu speichern sei in der Praxis äußerst schwierig. Statt der Speicherung von Verbindungsdaten gebe es genügend andere Methoden, um "zu beobachten, was im Netz vor sich geht", erklärte Cerf. "Wenn jemand explizit anordnet, dass ich Informationen speichern soll, tue ich mein Bestes, um diese Informationen zu speichern". ([35]wst/c't)
Meldungen vom 30.05.2001: Europäisches Parlament: Es gibt das globale Lauschsystem Echelon In dem [26]vorläufigen Bericht des nichtständigen Ausschusses des Europäischen Parlaments wird bestätigt, dass es das globale Lauschsystem Echelon gibt, das von den Geheimdiensten der USA, Kanadas, Großbritanniens, Australiens und Neuseelands betrieben wird, aber wahrscheinlich nicht mehr unter diesem Namen läuft. Gesagt wird allerdings auch, dass dessen Kapazitäten überschätzt wurden, vor allem was das Abhören der Internetkommunikation angeht, und dass man keinen Beweis für Wirtschaftsspionage gefunden habe. Duncan Campbell, dessen Berichte die Diskussion über Echelon ausgelöst haben, weist allerdings in den jetzt exklusiv von Telepolis veröffentlichten [27]Dokumenten darauf hin, dass es dafür unübersehbare Hinweise gibt. Nach dem vorläufigen Abschlussbericht des nichtständigen Ausschusses werden Deutschland - weil sich hier in Bad Aibling eine NSA-Station befindet - und England dazu aufgerufen, geheimdienstliche Aktivitäten der USA auf ihrem Gebiet von der Einhaltung des Europäischen Abkommens zum Schutz der Menschenrechte abhängig zu machen und dies auch zu überprüfen. Empfohlen wird den EU-Bürgern, vertrauliche E-Mails auf jeden Fall zu verschlüsseln. Wie weit die Bundesregierung weiß, was in Bad Aibling geschieht, ist bislang trotz einer Anfrage im letzten Jahr weitgehend unbekannt geblieben. Es habe zwar ein solches Lauschsystem nach dem Krieg gegeben, aber man habe, so die [28]Auskunft der Bundesregierung damals, über den aktuellen Stand der Dinge "keine genauen Erkenntnisse". Die Bundesregierung wisse auch nicht, ob die Privatsphäre von Bürgern oder die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft dadurch gefährdet sei. Die NSA-Station in Bad Aibling erfasse nur militärische Hochfrequenz- und Satellitenverkehre, nicht aber die private Telekommunikation. Deren Arbeit geschehe im Rahmen der NATO, ein "missbräuchliches Vorgehen" gegen Deutschland sei ausgeschlossen, weil "unzulässig". [29]Letztes Jahr hatte Ilka Schröder, grüne Abgeordnete des Europäischen Parlaments und Mitglied des nichtständigen Ausschusses für Echelon, Strafanzeige beim Generalbundesanwalt, bei der Staatsanwaltschaft Traunstein und der Staatsanwaltschaft Berlin gegen unbekannte Tatverdächtige und die deutsche Bundesregierung wegen Betrieb und Tolerierung des Spionagesystems Echelon gestellt. Die Stadtratsfraktion der grünen Liste in Erlangen hatte dann zur Unterstützung am 12. 3. 2001 dieselbe Strafanzeige noch einmal gestellt. Die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe und die Staatsanwaltschaft Berlin antworteten der grünen Liste, dass sie das Ermittlungsverfahren wegen mangelnder Belege eingestellt haben. Die Staatsanwaltschaft München II lehnte in ihrem Schreiben vom 15. 5. aus denselben Gründen ein Ermittlungsverfahren ab: "Bloße Vermutungen rechtfertigen es nicht, jemanden eine Tat zur Last zu legen." Die Strafanzeige enthalte nur "allgemeine Behauptungen", sage aber nicht, welche Firma beispielsweise mit Echelon abgehört und welches Patent dabei an Konkurrenten verraten worden sei. Interessant aber ist die Einschätzung der Rechtmäßigkeit von Echelon: "Ferner ist davon auszugehen, dass die Tätigkeiten von Echelon von der Bundesregierung völkerrechtlich gestattet worden ist, so dass auch von diesem Aspekt aus ein rechtswidriges Handeln nicht erkennbar ist." Mehr in Telepolis: [30]Gerichte weisen Echelon-Strafanzeige gegen die Bundesregierung wegen fehlender Beweise ab ([31]fr/tp) References 26. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ech/7736/1.html 27. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ech/7754/1.html 28. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ech/6748/1.html 29. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ech/6998/1.html 30. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ech/7736/1.html 31. mailto:fr@tp.heise.de
Meldungen vom 29.05.2001: Intels Schlachtschiff Itanium läuft vom Stapel Fast genau sieben Jahre nach der Vertragsschließung zwischen Intel und HP hat Intel heute den Itanium (Merced) als ersten Repräsentanten der neuen, gemeinsamen IA64-Architektur vorgestellt. Er kam jetzt mit rund zweijährigen Verspätung auf den Markt und musste in der Zwischenzeit miterleben, wie sich auf Grund massiver AMD-Konkurrenz die 32-Bit-Desktop-Prozessoren eine Performance-Schlacht lieferten und sich taktmäßig weit an ihm vorbei in die Höhe schraubten. Mit seinen maximal 800 MHz Takt bleibt der Itanium im vorgesehenen Rahmen, wobei er bei etlichen klassischen Benchmarks hinter den schnellen Desktop-Sprintern, aber auch hinter verbreiteten Serverprozessoren zurückbleibt. Mit einem SPECint2000-Wert von 345 (base) liegt er unter den Erwartungen etwa auf Pentium-III-800-Niveau, und damit weit hinter Pentium 4-1,7GHz, Athlon 1,33 GHz, UltraSparc-III-900, Alpha 21264B-833, Mips R14k-500 oder HP PA8700-750. Im Gleitkommabereich jedoch hält die neue Architektur, was sie versprach. Dank der als "Drei-Adress-Maschine" organisierten 128 FPU-Register hängt der Itanium als Numbercruncher alles ab was im Mikroprozessorbereich bislang Rang und Namen hat. Mit einem Specfp2000-Basiswert von 700 übernimmt er die Spitzenposition klar vor dem (lästigen) Hauskonkurrenten Pentium 4, der bei 1,7 GHz einen SPECfp2000 von 595 erzielt. Erzgegner Sun erzielt hier mit der UltraSparc III-900 nur 427 Punkte. Ähnlich gut sieht es bei den Supercomputer-Benchmarks Linpack-1000 und Cactus für den Itanium aus, wo er sich nur den gigantischen, enorm teuren Vektorprozessoren von Fujitsu und NEC geschlagen geben muss. Besonders teuer ist der Neuling indes nicht, zwischen 1177 (733 MHz, 2 MByte L3) und 4227 Dollar (800 MHz, 4 MByte L3) kostet ein Prozessormodul (OEM-Preis); ein Klacks in der Serverszene. Das musste man vor kurzem noch für einen Xeon-500 mit großen Caches auf den Tisch legen. Intel verhehlt nicht, dass der Itanium noch nicht richtig ausgereift ist und sich die Software (Betriebssysteme, Compiler, Applikationen) noch zumeist im Betastadium befindet. Die jetzt verkauften Systeme setzten gewissermaßen die schon seit einem halben Jahr laufende Pilotphase öffentlich fort. Der Itanium soll nur als "Enabler" für die 64bittige Architektur IA64 dienen. IBM bietet hierfür die IntelliStation Z Pro als Workstation mit zwei Prozessoren ab etwa 17 000 Dollar an (ab 29. Juni im Handel). Dabei handelt es sich weitgehend um Intels "White Box", die auch diverse anderen OEMs mehr oder weniger leicht verändert offerieren. Ähnliches gilt für den Vierfach-Server (Codename Lion). Der ein oder andere OEM (Dell, Compaq) hat größere eigene Variationen davon entwickelt. Hitachi und NEC werfen gar ihre Supercomputer-Erfahrung in die Waagschale und haben 8fach- und 16-fach-Itanium-Server mit eigenen Chipsätzen und Crossbars entwickelt. Bull, HP, Siemens Fujitsu, SGI, Mitsubishi und Fujitsu - all jene OEM die neben den oben genannten mit ihren Systemen schon seit Jahren von IDF zu IDF, von CeBit zu CeBit "tingeln", wollen etwa ab Juli/August endlich mit ihren Itanium-Systemen auf den Markt. Sie müssen sich auch sputen, denn am Jahresende soll bereits der Itanium-Merced-Nachfolger McKinley in die Pilotphase eintreten. Und dem wird ein ganz erheblich höheres Performance-Potential zugeschrieben. Näheres zu Intels Itanium finden Sie in c't 12/2001 (am 5. Juni am Kiosk). ([49]as/c't) ==================================================================== Mozilla 1.0 kommt erst Ende des Jahres Mozilla-Fans, die nach den schnell aufeinanderfolgenden letzten so genannten Milestones mit den Nummern 0.8 und [60]0.9 darauf gehofft hatten, der Browser würde bald in einer endgültigen Version 1.0 verfügbar sein, werden enttäuscht sein: Das Mozilla Project, das die Entwicklung des Open-Source-Browsers organisiert, plant, die endgültige Version nicht vor dem letzten Quartal des Jahres fertigzustellen. Dies geht aus einer Roadmap hervor, die die Mozilla-Entwicklergemeinde auf ihrer Homepage [61]veröffentlicht hat. Bis zum Erscheinen der endgültigen Version sollen noch diverse Milestones mit den Versionsnummern 0.9.x veröffentlicht werden. In der [62]Roadmap vom Ende des vergangenen Jahres waren die Mozilla-Entwickler noch davon ausgegangen, Mozilla 1.0 bis Mitte 2001 veröffentlichen zu können. Ein kleiner Trost für Mozilla-Freunde: Auch die bisherigen Versionen laufen bereits stabil und flott, so dass man sich bereits ein gutes Bild des Browsers machen kann. Sie stehen auf der Mozilla-Homepage [63]zum Herunterladen bereit. ([64]jo/c't) ==================================================================== Sorge um Datenmissbrauch bremst E-Commerce Sicherheitsbedenken halten immer noch viele Verbraucher von Einkaufstouren im Internet ab. "Wir haben Akzeptanzprobleme beim E-Commerce, der Datenschutz ist dabei ein zentrales Thema", sagt Rolf Bender, Regierungsdirektor für Medienrecht im Bundeswirtschaftsministerium. Voraussichtlich Anfang Juni berät der Bundestag eine Neufassung des Teledienstdatenschutzgesetzes, das den Datenschutz im Internet regelt. "Mit der Novelle erwarten wir einen Push für den elektronischen Handel", sagt Bender. Das Internet ist zwar längst zu einem riesigen Warenhaus geworden, aber der Boom im E-Commerce ist hier zu Lande bislang ausgeblieben. Weltweit erreichte der Umsatz im Handel via Datennetz laut Studien im vergangenen Jahr 285,9 Milliarden US-Dollar (derzeit rund 650 Milliarden Mark). Deutschland hatte daran nur einen Anteil von 9,1 Milliarden US-Dollar. Einzelhändler erreichten im vergangenen Jahr nach Schätzung ihres Verbands einen Online-Umsatz von fünf Milliarden Mark - damit steuern sie lediglich 0,5 Prozent zum gesamten Einzelhandelsumsatz bei. Internet-Shopper sorgen sich zu Recht um den Missbrauch ihrer persönlichen Daten: In einer Untersuchung hat die TÜV Nord Security GmbH Hamburg Ende vergangenen Jahres festgestellt, dass beim Datenschutz mehr als 70 Prozent der Anbieter im grauen Bereich operieren. So holten 86 Prozent nicht das Einverständnis der Käufer ein, wenn sie deren Daten an Dritte vermittelten. Die Löschung von Kundendaten garantierten 91 Prozent nicht ausdrücklich, 79 Prozent belehrten ihre Nutzer nicht oder kaum über den Datenschutz. "Die Regeln des Datenschutzes im Internet sind nicht schlecht, sie werden nur nicht befolgt", sagt Werner Schmidt, Vize-Sprecher des Bundesbeauftragten für Datenschutz. "Die Anwender sorgen für erhebliches Misstrauen und schaden dem Marktplatz E-Commerce, der deutlich hinter seinen wirtschaftlichen Möglichkeiten bleibt." Auch das Bezahlen übers Netz und die vielen unterschiedlichen Systeme verunsichern die Surfer. So nutzten nach einer Untersuchung der Hamburger Unternehmensberatung Mummert + Partner bisher nur 1,5 Prozent der Online-Kunden so genannte elektronische Geldbörsen. Drei viertel der Internet-Nutzer bevorzugten wegen Sicherheitsbedenken bei ihren ersten Einkäufen per Mausklick eine gewöhnliche Rechnung. 64 Prozent der Verbraucher gaben an, dass eine sichere und verschlüsselte Übertragung den Online-Einkauf attraktiver machen würde. Nach dem Teledienstdatenschutzgesetz ist ein E-Commerce-Anbieter verpflichtet, möglichst wenig personenbezogene Daten zu erheben und diese nur so lange zu speichern, wie es zur Geschäftsabwicklung nötig ist. Kunden müssen schriftlich einwilligen, wenn ihre Angaben für Werbung verwendet werden sollen. Diese Zustimmung ist auch bisher schon auf elektronischem Weg erlaubt. Die Novelle soll diese Möglichkeit noch erleichtern und sie an weniger strenge Voraussetzungen koppeln. Bei Verstößen sollen künftig Bußgelder bis zu 100.000 Mark erhoben werden können. "Ziel der Novelle ist es, das Gesetz anwendungsfreundlicher und transparenter zu machen", erklärt Bender. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (BITKOM) und die Initiative D21 fordern ein Gütesiegel,um den E-Commerce anzukurbeln. "Wir brauchen eine Art TÜV-Siegel wie beim Auto, eine Marke, die das Vertrauen des Verbrauchers hat", sagt BITKOM-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. (Iris Auding, dpa) / ([70]wst/c't) References 49. mailto:as@ct.heise.de 60. http://www.heise.de/newsticker/data/ghi-08.05.01-000/default.shtml 61. http://www.mozilla.org/roadmap.html 62. http://www.mozilla.org/roadmap/roadmap-25-Sep-2000.html 63. http://www.mozilla.org/releases/ 64. mailto:jo@ct.heise.de 70. mailto:wst@ct.heise.de
Meldungen vom 28.05.2001: Voyager landete vor Serienende im Internet Amerikanische Fernsehsender beklagen sich über den zunehmenden Handel mit noch nicht gesendeten Episoden von TV-Serien, die bei der Übertragung zur lokalen Fernsehstation "abgefangen" wurden. Nach einem Bericht des US-Nachrichtenservices CNET setzen die Piraten den Hebel auf der Strecke vom Satelliten zur Empfangsstation der lokalen Fernsehsender an, an die die Filme und Serien einige Tage vor der Ausstrahlung geschickt werden. Benötig werden hierfür Satellitenschüsseln mit circa drei Metern Durchmesser, weshalb vor allem die Wüstenregionen von Nevada ein beliebtes Einsatzgebiet sind. Da die Übertragungszeiten natürlich nicht öffentlich bekannt gegeben werden, müssen sich die Videopiraten zudem regelrecht auf die Lauer legen. Aufgrund der geringen Einwohnerzahl in diesen Gebieten wurden diese "Mitschnitte" von den amerikanischen TV-Sender bislang geduldet. Mittlerweile ist der Internet-Handel mit noch nicht ausgestrahlten Episoden allerdings sprunghaft angestiegen. Ganz oben auf der Beliebtheitsskale standen zuletzt die finale Episode der SF-Serie "Star Trek: Voyager" sowie die Season Finales von "Frasier" und "The Simpsons". Daher ist nun davon auszugehen, dass die Sender den Handel mit den so genannten "TVRips" gerne unterbinden würden - allerdings ist die Rechtslage nach Expertenmeinung nicht eindeutig. Die größte Vorteile der "TVRips" liegen einerseits in der guten Bild- und Tonqualität, andererseits werden die Sendungen werbefrei übertragen. Dafür sind die Datenmengen, die über das Internet verbreitet werden, nicht gerade klein: Eine Video-Datei mit einer halbstündige Episode ist schon mal mehrere hundert MByte groß. Neben den "TV-Serien-Piraten" zapft noch eine zweite Gruppe die Übertragungen ab, denen es aber nicht um Fernsehserien geht, sondern um ungeschnittenes Material für Nachrichtensendungen mit Blut, Gewalt und Toten. Bereits 1996 wurden entsprechende Mitschnitte sichergestellt, die ein Videopirat veröffentlichen wollte. ([13]nij/c't) ==================================================================== Linux-Superrechner auf dem Vormarsch Superrechner, die mit Linux betrieben werden, finden sowohl in Forschungseinrichtungen als auch bei kommerziellen Anwendungen immer mehr Interesse: An der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg wurde heute der Beowulf-Cluster Tina offiziell eingeweiht, und auch beim jüngsten Supercomputer-Deal zwischen IBM und WesternGeco geht es um einen Linux-Rechner. Für Uni-Institute haben die Linux-Cluster neben technischen Details den Vorteil, vergleichsweise billig zu sein. Die Magdeburger Physiker bauten ihren Rechner aus 72 handelsüblichen PCs zusammen. Dadurch ist er mit 452.000 Mark viel preisgünstiger als herkömmliche Hochleistungsrechner. "Mit seiner Leistung gehört er dennoch zur Weltelite der Supercomputer", sagt der Physiker Stephan Mertens, der den Rechner gemeinsam mit Kollegen entwickelte. Mit dem heutigen Tag ist die Testphase abgeschlossen und Tina ist offiziell am Netz. Schon während der Probephase hatten die Magdeburger Forscher den Rechner präsentiert, so auch im Februar [14]auf der CeBIT. In der internationalen [15]Rangliste der Superrechner steht das Magdeburger Projekt mit seiner Leistung von 118 GFlops auf Platz 31, in Deutschland auf Platz vier. Leistungsfähigere Rechner dieser Art stehen in der Bundesrepublik laut Mertens nur in [16]Chemnitz (422 GFlops), Wuppertal und Tübingen. [17]IBM hatte bereits Anfang des Jahres [18]angekündigt, in Zukunft verstärkt auf Linux zu setzten. Nach dem Supercomputer für [19]Shell bekam IBM nun einen weiteren Auftrag dieser Art von [20]WesternGeco. Auch dieses Unternehmen, das ein joint venture zwischen Schlumberger und Baker Hughes ist und seismische Messungen durchführt, setzt auf ein Linux-Cluster zur Datenanalyse. Der neue Rechner wird aus 256 eServer aus der xSerie von IBM bestehen, die mit einen Pentium III Prozessor mit 933 MHz ausgerüstet sind. ([21]dwi/c't) ==================================================================== Wieder Installationsschlüssel auf Microsoft-Webseiten [22]Microsoft hebelt den selbst entworfenen Software-Kopierschutz aus, der das Installieren eines Programms erst nach Eingabe eines so genannten Product Key erlauben soll. Schon [23]vor einem Jahr hatte c't solche Schlüssel auf den öffentlich zugänglichen Webseiten des Microsoft Developers' Network MSDN gefunden. Dort hatten die Redmonder für einige Produkte neben den Inhaltsangaben der MSDN-CDs freundlicherweise auch gleich die passenden Keys mit veröffentlicht. Diese funktionierten auch zusammen mit anderen Releases der jeweiligen Programme, etwa von handelsüblichen Microsoft-CDs. Hatte der Softwarekonzern die unfreiwillige Raubkopier-Hilfe im vergangenen Jahr noch als Versehen bezeichnet und auch gleich von den damals aufgefallenen Webseiten entfernt, so zeigt sich jetzt bei [24]neueren Verzeichnissen, dass Microsoft aus diesem Fehler nicht viel gelernt hat: Erneut finden sich dort einige der Installations-Hilfen, die man mit der Suchphrase "key" auf der Webseite ausfindig machen kann. Das Benutzen dieser Zeichenketten ist zwar illegal, aber es funktioniert. Allerdings sind nur einige wenige Programme betroffen, noch dazu meist veraltete, etwa verschiedene Versionen von Windows 95. ([25]hps/c't) ==================================================================== Windows NT treibt Versicherungsprämie hoch Der IT-Versicherer [26]Wurzler bringt ein ganz neues Moment in die leidige Diskussion, ob Windows oder Linux unterm Strich mehr kosten. Nach einem Bericht der Interactive Week zahlen Kunden bei Wurzler für eine Versicherung gegen Cracker-Angriffe fünf bis 15 Prozent höhere Prämien, wenn ihre Systeme auf Windows NT statt unter Linux laufen. Laut Wurzler sind die Administratoren von Open-Source-Systemen fitter und eifriger darin, Bugfixes einzuspielen und Sicherheitslücken zu schließen, sodass es dort zu geringeren Schäden durch Rechnereinbrüche kommt. Wurzler gehört zu den Großen der Branche und steht beispielsweise hinter einer Cracker-Versicherung, die HP den Anwendern von HP-UX-Systemen anbietet. Andere Firmen, die ähnliche Versicherungen anbieten, wollen sich diesem Schritt allerdings nicht anschließen. Ihr Argument: Der Einsatz von Windows sei lediglich ein Faktor in der gesamten Risikobewertung - auch wenn der Windows-Einsatz möglicherweise mit anderen Risikofaktoren zusammenhänge. Wurzler allerdings ist mit Microsoft-Produkten noch nicht fertig: Zurzeit schaue man sich den Internet Information Server (IIS) genauer an, so John Wurzler. ([27]odi/c't) ==================================================================== Echelon verstößt gegen Menschenrechte Ein umfangreicher Bericht des Echelon-Ausschusses des Europaparlaments, der in dieser Woche veröffentlicht werden soll, kommt zu dem Ergebnis, dass elektronische Überwachungsmaßnahmen von US-Geheimdiensten gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstoßen, auch wenn sie, so wie behauptet wird, zu Strafverfolgungszwecken erfolgen. Vier neue Studien über "Abhörkapazitäten - Auswirkungen und Ausnutzung" hatte der nicht ständige Untersuchungsausschuss über das Echelon-Abhörsystem im Dezember 2000 bei dem britischen Journalisten Duncan Campbell in Auftrag gegeben. Die neuen Studien brachten den bisherigen Bericht [40]"Interception Capabilities 2000" auf den aktuellsten Stand und erweiterten das Untersuchungsgebiet vor allem auf die so genannte "communications intelligence" (COMINT) und deren Implikationen für Wirtschaft und internationalen Handel. Die Studien eins bis drei wurden mit Erlaubnis des Ausschusses in Telepolis veröffentlicht (siehe [41]"Echelon Special"). In Bericht 2, [42]"COMINT impact on international trade", erläutert Campbell anhand einer detaillierten Dokumentation überwiegend amerikanischer Medienquellen die erklärte Politik der US-Regierung in den neunziger Jahren, elektronische Aufklärung für wirtschaftliche Zwecke zu nutzen. Dabei beriefen sich Regierungsvertreter wie der Ex-CIA-Direktor James Woolsey immer wieder darauf, die Geheimdienste zur Spionage gegen europäische Unternehmen nur deshalb zu benutzen, weil diese mit Bestechung und anderen unfairen Handelspraktiken arbeiten würden. Diese von amerikanischer Seite als "Einebnung des Spielfeldes" bezeichnete Politik führte zur Schaffung eines neuen Gremiums zur Förderung des Außenhandels, das Trade Promotion Coordination Commitee (TPCC) - mit direktem Input geheimdienstlicher Information vom CIA und direkten Verbindungen zur US-Wirtschaft durch ein so genanntes "Advocacy Center". Dem US-Kongress wurde kürzlich mitgeteilt, dass als Ergebnis der "Einebnung des Spielfeldes" amerikanische Firmen Verträge im Wert von 145 Milliarden US-$ im Laufe der neunziger Jahre erhielten. Laut vom Advocacy Center veröffentlicher Berichte über "Erfolgs-Stories" haben europäische Firmen dramatische Einbußen hinnehmen müssen. Frankreich entgingen Exporte im Wert von nahezu US-$ 17 Milliarden, Deutschland US-$ 4 Milliarden. Der Echelon-Ausschuss kommt nun zu der Schlussfolgerung, dass es gar nicht nötig ist, zu entscheiden, ob in allen diesen Fällen wirklich Bestechung oder andere unfaire Praktiken im Spiel waren, wie von den USA behauptet wird. In dem Bericht werden die USA darauf hingewiesen, "dass alle EU-Staaten über funktionierende Strafrechtssysteme verfügen." Lägen Verdachtsmomente vor, so habe "die USA die Strafverfolgung den Gastländern zu überlassen. Liegen keine Verdachtsmomente vor, so ist eine Überwachung als unverhältnismäßig einzustufen, folglich menschenrechtswidrig und daher unzulässig", heißt es in der Vorabversion des Berichts. Insbesondere für Deutschland und das Vereinigte Königreich könnten die politischen Implikationen des Berichts noch problematisch werden. Denn zwei der größten elektronischen Abhörstationen der USA befinden sich in Bad Aibling, Bayern, sowie Menwith Hill, England. In den Empfehlungen am Schluss des Berichts heißt es daher, "dass es guten Grund zu geben scheint ... an Deutschland und das Vereinigte Königreich zu appellieren, ihre Verpflichtungen unter der Europäischen Menschenrechtskonvention ernst zu nehmen und die Genehmigung weiterer Geheimdienstaktivitäten der NSA auf ihrem Staatsgebiet davon abhängig zu machen, ob diese mit der Europäischen Menschenrechtskonvention in Einklang zu bringen sind." Mehr in Telepolis: [43]Deutschland und Vereinigtes Königreich verstoßen mit NSA-Spionageverbindungen gegen Menschenrechte (Duncan Campbell ([44]ame/tp) ==================================================================== Datenschützer Jacob gegen Lauschangriff im Internet Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Joachim Jacob, hat vor einer umfassenden Überwachung des Internet gewarnt. Er wende sich entschieden gegen die von der Bundesregierung geplante Schaffung einer technischen Infrastruktur, die die Überwachung des Internet-Verkehrs "entscheidend erkleichtern könnte", sagte Jacob der Leipziger Volkszeitung. Eine derartige Überwachung "würde einen unverhältnismäßigen Eingriff in das Grundrecht auf Persönlichkeitsschutz darstellen", warnte Jacob in dem heute veröffentlichten [47]Interview. Hintergrund ist die [48]Telekommunikations-Überwachungsverordnung (TKÜV), deren [49]neuester Entwurf zur Zeit vom Bundeswirtschaftsministerium erstellt wird. Im Prinzip solle dabei nachverfolgt werden können, wer welche Internet-Geschäfte mache und wer welche E-Mail-Kontakte habe, heißt es in dem Bericht. Das Bundeswirtschaftsministerium habe diese Vorwürfe zurückgewiesen, hieß es weiter. Die Ermittlungsbehörden von Bund und Ländern hätten eine mögliche Überwachung als unverzichtbares Mittel für die Verbrechensbekämpfung bezeichnet, sagte ein Sprecher der Zeitung. Die Vermutung, es gehe um eine großflächige Beschneidung der Privatsphäre, habe mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Es handele sich immer nur um gerichtlich angeordnete Einzelfälle. (dpa)/ ([50]cp/c't) References 13. mailto:nij@ct.heise.de 14. http://www.heise.de/newsticker/data/wst-07.02.01-001/ 15. http://www.top500.org/ 16. http://www.heise.de/newsticker/data/axv-25.07.00-002/ 17. http://www.ibm.com/ 18. http://www.heise.de/newsticker/data/jk-05.02.01-002/ 19. http://www.heise.de/newsticker/data/odi-12.12.00-001/ 20. http://www.westerngeco.com/ 21. mailto:dwi@ct.heise.de 22. http://www.microsoft.com/germany/ 23. http://www.heise.de/newsticker/data/hps-02.05.00-000/ 24. http://msdn.microsoft.com/subscriptions/index/cdtable.asp 25. mailto:hps@ct.heise.de 26. http://www.jswum.com/ 27. mailto:odi@ct.heise.de 40. file://localhost/export/homes/dippel/heisenews/www.europarl.eu.int/stoa/publi/pdf/98-14-01-2en_en.pdf 41. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ech/default.html 42. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ech/7752/1.html 43. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ech/7754/1.html 44. mailto:ame@tp.heise.de 47. http://www.lvz-online.de/lvz/zeitung/news/73129.html 48. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/4954/1.html 49. http://www.heise.de/newsticker/data/fr-18.02.01-000/ 50. mailto:cp@ct.heise.de
Meldungen vom 21.05.2001: Kreditkartenmissbrauch im Internet nimmt zu Das Kreditkartenunternehmen Visa legte heute die aktuellen Zahlen zum Kreditkartenmissbrauch vor. Fast um das dreifache gestiegen sind alle Betrugsfälle, in denen die Karte beim Einkauf nicht wirklich vorlag, wozu neben Post und Telefon auch das Internet gehört. Der Anteil stieg von fünf Prozent (1998) auf dreizehn Prozent der Schäden. Die Abschreibungen durch Missbrauch im Internet bezifferte Visa auf 1,4 Millionen Mark jährlich - etwa fünf Mark pro Karte und Jahr. Insgesamt ist das Schadensvolumen jedoch zum ersten Mal nach zwei Jahren im IV. Quartal 2000 um 0,01 Prozentpunkte zurückgegangen. Anfang des Jahres hatte Visa-Sprecherin Christina Horn noch [2]erklärt, im vergangenen Jahr habe es "keine signifikanten Steigerungen" von Betrugsfällen im Internet gegeben. Die Höhe des Schadens, der durch Betrug mit Visa-Karten im Internet entstehe, bezifferte die Sprecherin auf rund "drei Prozent vom Gesamtumsatz". Häufigste und am schnellsten wachsende Betrugsart ist das Fälschen von Karten. Rund 47 Prozent der Schäden führt Visa darauf zurück. Im Vergleichszeitraum für das Jahr 1998 waren es noch 33 Prozent. Gestohlene Karten sind mit 25 Prozent immer noch die zweitgrößte Schadensursache, stellt Visa fest. Allerdings mit sinkender Tendenz, im Abrechnungsjahr 1998 lag der Anteil noch bei 32 Prozent. Obwohl deutsche Visa-Karten zu 69 Prozent im Inland verwendet werden, geschehen 80 Prozent der Schäden im Ausland. Die Länder, in denen Missbrauch mit deutschen Karten am häufigsten vorkommt, sind laut Visa die USA und Spanien, gefolgt von Italien und Frankreich. Um dem Kartenbetrug wirkungsvoller zu begegnen will Visa in Europa bis zum Jahr 2005 von Magnetstreifen auf Chips umstellen. Als Teile eines Neun-Punkte-Sofortprogramms sollen verstärkt Händler identifiziert und verfolgt werden, bei denen der Verdacht besteht, das Kartendaten kopiert werden. Visa will darüberhinaus stärker in IT-gestützte Frühwarnsysteme investieren, etwa das schon 1995 vorgestellte Cardholder Risk Identification System ([3]CRIS). Damit will Visa automatisch sämtliche Zahlungen, die mit einer Kreditkarte getätigt werden überwachen und bei Auffälligkeiten Alarm schlagen. Das System ist lernfähig und funktioniert wie ein neuronales Netzwerk - es würde beispielsweise ansprechen, falls ein Kunde, der nie Schmuck kauft plötzlich wiederholt für hohe Summen Schmuck einkauft. Der Account Generation Monitor ist ein weiteres Programm, mit dem Visa Betrügern vorbeugen will. Damit werden automatisch generierte Kreditkarten-Nummern erkannt, wenn sie in einem bestimmten Zahlenbereich räumlich und zeitlich gehäuft gebraucht werden. Wird bei einer Transaktion ein erhöhtes Missbrauchsrisiko bemerkt, will Visa innerhalb von zehn Minuten die Bank benachrichtigen. Die Bank soll dann die Rechtmäßigkeit der Transaktion überprüfen und gegebenenfalls den Kunden informieren oder das Konto sperren. ([4]fro/c't) ==================================================================== Neue Speichertechnik für größere Festplatten Ende März hat IBM eine neue Familie von [54]Notebook-Festplatten mit bis zu 48 GByte angekündigt - erst jetzt verriet der Hersteller etwas über die Technik, die darin zum Einsatz kommt. Bis zu 25,7 Millarden Bit pro Quadratzoll (ein halbes Gigabyte pro Quadratzentimeter) bringt die neue Travelstar auf ihren Magnetscheiben unter, anderthalb mal so viel wie die vorige Generation. Noch vor wenigen Jahren glaubte man, in dieser Größenordnung läge eine prinzipielle Grenze magnetischer Speichermedien, die eine weitere Steigerung der Datendichte unmöglich machen würde. Sie resultiert daraus, dass man die magnetischen "Körner", aus denen die Informationsschicht besteht, nicht beliebig klein machen kann. Zu kleine magnetische Partikel verlieren nämlich ihre ferromagnetischen Eigenschaften und werden oberhalb einer spezifischen Temperatur "superparamagnetisch". Das bedeutet, dass die magnetische Orientierung und somit die gespeicherten Informationen im Laufe der Zeit verloren gehen. Mit einer neuartigen Beschichtung der Speichermedien gelang es den Forschern bei IBM, eine höhere thermische Langzeitstabilität zu erzielen, ohne dafür eine höhere Koerzitivität und somit schwierigere Beschreibbarkeit der Medien in Kauf nehmen zu müssen. AFC-Medien (antiferromagnetically coupled) bestehen aus drei Schichten: Zwischen zwei magnetischen Lagen, die aus einer komplexen Kobalt-Platin-Chrom-Bor-Legierung bestehen, befindet sich eine nur drei Atomlagen dicke Schicht aus dem nichtmagnetischen Metall Ruthenium. Bei genau dieser Dicke sorgt die Ruthenium-Schicht dafür, dass die Magnetisierungsrichtungen der beiden anderen Schichten antiparallel gekoppelt sind, das heißt die untere Schicht ist stets anders herum magnetisiert als die obere. Bereits seit 1990 erforscht IBM die AFC-Beschichtung mit Ruthenium. Die neue Travelstar ist das erste Produkt, in dem sie zum praktischen Einsatz gelangt. Später will IBM die Technik in allen Produktlinien einsetzen. Man erwartet, in Zukunft mit AFC-Medien Daten zuverlässig mit 100 Gigabit pro Quadratzoll speichern zu können, möglicherweise mehr. Für eine Desktop-Festplatte würde dies eine Kapazität von 400 GByte bedeuten, Notebook-Platten könnten 100 GByte speichern, und das Zweimarkstück-große Microdrive hätte eine Kapazität von 6 GByte. ([55]bo/c't) References 1. http://www.heise.de/ 2. http://www.heise.de/newsticker/data/em-29.01.01-000/ 3. http://www-s2.visa.com/av/news/PRfraud112697.vhtml 4. mailto:fro@ct.heise.de 54. http://www.heise.de/newsticker/data/bo-03.04.01-000/ 55. mailto:bo@ct.heise.de
Meldungen vom 19.05.2001: Europäische Strafverfolger fordern noch weitergehende Überwachung Die britische Organisation [11]Statewatch hat auf ihren Webseiten die Kampagne [12]SOS Europa gestartet, um vor den Wünschen der europäischen Polizeistellen und Geheimdienste nach immer weitergehender Überwachung zu warnen. Nach den Vorstellungen der europäischen Strafverfolger sollen in Zukunft Telefongespräche - aus dem Festnetz genauso wie vom Handy -, Faxe, E-Mail, die Inhalte aller Webseiten sowie der gesamte Netztraffic aufgezeichnet und "für mindestens sieben Jahre" archiviert sowie den "Bedarfsträgern" zugänglich gemacht werden. Hinter der exorbitanten Forderung steht die europäische Arbeitsgruppe für polizeiliche Zusammenarbeit, besser bekannt unter dem Kürzel Enfopol. Telepolis hatte das Treiben der jahrelang außerhalb jeglicher Kontrolle agierenden Truppe 1998 aufgedeckt ([13]Telepolis Special Echelon). Der damals geplante "Lauschangriff" wurde nicht zuletzt aufgrund der von den Telepolis-Berichten ausgelösten Medienschelte zunächst auf Eis gelegt, beziehungsweise teilweise in das Europäische Rechtshilfeabkommen [14]eingebaut. Die neuen Enfopol-Dokumente, die Statewatch teilweise bereits vom zuständigen Rat der Europäischen Union ausgehändigt bekommen und auf der SOS-Europa-Seite veröffentlicht hat, knüpfen weitgehend an die alten Leitlinien an. Wie bisher stellen die Strafverfolger klar, dass es ihnen um die lückenlose Überwachung aller Formen von Telekommunikation geht, also neben dem "klassischen" Telefonverkehr auch um E-Mail, Mobil- und Satellitenfunk sowie die Webnutzung. "Kennungen", zu den die Europolizisten Zugang haben wollen, umfassen Nutzeradressen, Gerätenummern, Passwörter oder Email-Accounts. Im Papier Enfopol 38 vom 24. April, das Telepolis vorliegt, verdeutlicht die französische Delegation der beim Rat der EU angesiedelten Polizei-Arbeitsgruppe die Hintergründe der neuen Forderung: Verbindungsdaten werden darin als "eines der Fundamente der Verfolgung von Computerverbrechen" bezeichnet. Allein diese technischen Daten könnten Kriminalbeamte auf die Spur von Cybergangstern oder zur Quelle eines Verbrechens führen. Sie seien daher der "unverzichtbare Startpunkt jeder Ermittlung im Bereich der Informationstechnologie". Ebenfalls erforderlich sei es, "dass eine Lösung für die mit den verschiedenen Formen der Anonymität im World Wide Web verbundenen Probleme gefunden werden". Als Beispiel nennt das Papier Internetcafés, die bereits in vielen Fällen für Betrügereien genutzt worden seien. Das Beispiel Bombay könnte einen Weg zeigen, wie derartige Verbrechen verhindert werden können: In der indischen Großstadt soll das Surfen in öffentlichen Internetcafés bald nur noch mit Ausweis möglich sein ([15]Ausweise für Internetcafes). In einer ersten Reaktion zeigte sich Andy Müller-Maguhn, Sprecher des Chaos Computer Clubs im Gespräch mit Telepolis "irritiert von der anhaltenden Ignoranz" des Enfopol-Gremiums gegenüber Datenschutzaspekten. Harald Summa, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Internet-Wirtschaft eco hält die Planung angesichts der anfallenden Speichermengen für "vollkommen unmöglich". (Stefan Krempl) Mehr in Telepolis: [16]Europäische Strafverfolger fordern die totale Telekommunikations-Überwachung. ([17]fr/tp) References 11. http://www.statewatch.org/ 12. file://localhost/export/homes/dippel/heisenews/www.statewatch.org/soseurope.htm 13. file://localhost/export/homes/dippel/heisenews/www.heise.de/tp/deutsch/special/enfo/default.html 14. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/enfo/6515/1.html 15. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/7677/1.html 16. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/enfo/7684/1.html 17. mailto:fr@tp.heise.de
Meldungen vom 18.05.2001: Trojaner spioniert E-Payment aus Ein neues Trojanisches Pferd namens "Eurosol" droht, ernsthafte Schäden anzurichten: Eurosol sucht und stiehlt geheime Account-Informationen des Internet-Bezahlsystems [7]WebMoney. Wie der russische Antiviren-Hersteller [8]Kaspersky Labs berichtet, handelt es sich bei Eurosol um einen extrem gefährlichen Schädling. Zwar seien momentan noch keine Fälle bekannt, in denen Opfer tatsächlich um Geldbeträge betrogen wurden, aber nach Schätzungen von Kaspersky dürften schon rund 300 WebMoney-Nutzer ihre geheimen Konto-Informationen unwissentlich preisgegeben haben. Das Trojanische Pferd klinkt sich in die Software des WebMoney-Systems "CC-Bank" ein und spioniert dann systematisch eingegebene Daten aus. Außerdem durchsucht Eurosol den Rechner nach vorhandenen Schlüsseln für WebMoney. Hat das Programm die relevanten Informationen, so verschickt es sie verschlüsselt an einen FTP-Server. Ein besonderer Clou dabei: Hat der Anwender die Personal Firewall AtGuard installiert und glaubt deswegen gegen Trojanische Pferde gefeit zu sein, befindet er sich auf dem Irrweg - Eurosol setzt AtGuard ausser Gefecht, bevor er die Daten an den FTP-Server schickt. Dazu ändert es die Einstellungen des Firewalls so ab, dass er TCP/IP-Verbindungen zu dem FTP-Server erlaubt. Kaspersky empfiehlt allen WebMoney-Anwendern, Ihre Platten auf den Schädling zu scannen; Erkennungs- und Entfernungs-Routinen für Eurosol bietet Kaspersky auf seiner [9]Website. Allgemeine Informationen zu Trojanischen Pferden und Links zu Antiviren-Herstellern finden sie auf der [10]Antiviren-Seite von c't. ([11]pab/c't) ==================================================================== Linux vs. Microsoft: schneller, aber teurer In der [75]Top-Ten-Liste des TPC-H für 100-GB-Datenbanken führt seit neuestem IBMs DB2 auf einem unter Linux betriebenen Server von SGI. Bislang war Microsofts SQL Server unter Windows 2000 in dieser Liste unangefochtener Anführer und taucht nach wie vor auf den Plätzen zwei bis zehn auf. Der TPC-H-Benchmark soll die Fähigkeiten von Datenbanksystemen beim Verarbeiten komplexer Anfragen dokumentieren, wie sie typischerweise im Bereich Entscheidungsunterstützung auftreten. Allerdings schreibt das [76]Transaction Processing Performance Council nichts über die verwendete Hardware vor. Unter Kritikern gelten die Benchmark-Ergebnisse daher eher als Maß dafür, wie gut Server-Hersteller ihre Maschinen auf den Einsatz im Datenbankbereich optimieren können, als dass sie die Performance der verwendeten Software messen. Die beim TPC-H führenden Software-Anbieter hält das jedoch zumeist nicht davon ab, viel Lärm um die eigene Spitzenposition zu machen - so auch im aktuellen Fall, obwohl der Vergleich zwischen den Konkurrenten stark hinkt: Die besten Microsoft-Ergebnisse wurden auf Systemen von Unisys beziehungsweise Compaq mit jeweils acht Prozessoren erzielt, bei denen sich die Kosten des Gesamtsystems auf etwa 280 000 Dollar beliefen. Die jetzt führende Maschine von SGI besitzt dagegen 16 CPUs und kostet in der verwendeten Konfiguration knapp 950 000 Dollar. In der wichtigen Kategorie "Price / QphH", die die Performance ins Verhältnis zum Systempreis setzt, liegt das Linux-System damit abgeschlagen auf Platz zehn. Bleibt abzuwarten, welche Antwort die Microsoft-Strategen auf das vorliegende Ergebnis aushecken: Zunächst können sie sich wohl mit diesem Ergebnis zufrieden geben und es als weiteres Indiz für die kürzlich aufgestellte [77]Behauptung werten, Linux sei am Ende teurer als Windows. Wahrscheinlich wird man aber doch über kurz oder lang einen Hersteller finden, der bereit ist, eine noch größere und schnellere Maschine zu bauen, mit der dann der SQL Server wieder als Sieger dasteht. ([78]hos/c't) References 7. http://www.webmoney.ru/eng/index.htm 8. http://www.kaspersky.com/ 9. http://www.kaspersky.com/de/news.asp?tnews=0&nview=1&id=215&page=0 10. http://www.heise.de/ct/antivirus 11. mailto:pab@ct.heise.de 75. http://www.tpc.org/tpch/results/h-ttperf.idc 76. http://www.tpc.org/ 77. file://localhost/newsticker/data/odi-09.05.01-000/ 78. mailto:hos@ct.heise.de
Meldungen vom 17.05.2001: Werbung per E-Mail: Gerichte streiten über Zulässigkeit Lästige Werbung im Briefkasten lässt sich schon lange vermeiden: Gerichte haben den Verteilern von Prospekten und Anzeigenzeitungen deutliche Grenzen gesetzt. So müssen die Boten an Briefkästen mit dem Aufkleber "Keine Werbung" tatenlos vorbeigehen. Doch die Werbestrategen gehen mit der Zeit: Sie haben für die Verbreitung ihrer Konsumbotschaften die elektronische Post entdeckt. Während der Bundesgerichtshof (BGH) sogar Werbung per Brief eingeschränkt hat (Az.: I ZR 160/71), stehen Grundsatzurteile zum elektronischen Prospekt noch aus. Zu den bisher grundlegenden Entscheidungen zählt ein Beschluss des [70]Landgerichts Berlin vom Mai 1998. Die Richter hatten es dabei vor allem auf die Kosten der elektronischen Post abgesehen: Unaufgeforderte E-Mail-Werbung sei rechtswidrig, weil sie Kosten bei den Adressaten verursache. Schließlich müssen die je nach E-Mail-Zugang Telefon- und Internetgebühren für das Lesen der Werbebotschaft bezahlen. Dieser Schutz gelte auch für Freiberufler oder Unternehmer. Wenige Monate zuvor hatte bereits das Amtsgericht Brakel so entschieden. Für das [71]Landgericht Traunstein ist die neue Werbemethode sogar eine größere Belästigung als die herkömmlichen Werbebriefe und -prospekte. Schließlich könnten E-Mails "unvergleichlich billiger, schneller, arbeitssparender und gezielter" an viele Adressaten auf einmal verschickt werden können. Dem hat sich auch eine weitere Kammer des Landgerichts Berlin angeschlossen: E-Mail- Werbung ohne Zustimmung des Empfängers sei nicht nur unlauter im Sinne des Wettbewerbsrechts, sondern auch eine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts. Der virtuelle Briefkasten muss auch nicht mit einem Aufkleber "Keine Werbung" geschützt werden. Um den E-Mail-Briefkasten frei von Werbung zu halten, muss der Empfänger nach Ansicht des Landgerichtes der E-Mail-Werbung nicht ausdrücklich widersprechen. Strittig ist die Frage, ob der E-Mail-Briefkasten überlaufen kann. Die Traunsteiner Richter hielten das für kaum möglich. Das sah das Berliner Landgericht anders: Die Verteilung von Papierwerbung verursache hohe Kosten. Dieser Selbstregulierungsmechanismus fehle bei der E-Mail-Werbung. Es sei daher schlichtweg nicht abzusehen, mit welchen Mengen an E-Mail-Werbung der Verbraucher ohne gerichtlich gezogene Grenzen konfrontiert werde. Das Landgericht Braunschweig urteilte freundlicher über die vermeintliche Belästigung. Danach sei E-Mail-Werbung nur dann unzulässig, wenn der Empfänger diese Werbung "offenkundig abgelehnt hat". Noch einen Schritt weiter geht das Amtsgericht Kiel, das keine Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts sah. Außerdem gebe es keinen auf diese Form der Werbung bezogenen verfassungsrechtlich verbürgten Anspruch, "in Ruhe gelassen zu werden". Eine Grundsatzentscheidung des BGH zum virtuellen Angebotszettel steht bisher noch aus. Aus den früheren Entscheidungen wird allerdings deutlich, dass der BGH den Schutz der Privatsphäre der Verbraucher regelmäßig höher bewertet hat als die Werbe- und Wettbewerbsfreiheit. Jedenfalls hat er an dieser Rechtsprechung auch festgehalten, als er die Zulässigkeit der so genannten Telex-Werbung und die Werbung im Btx-Mitteilungsdienst zu beurteilen hatte. Rechtsexperten gehen daher davon aus, dass der BGH in Fortführung seiner bisherigen Rechtsprechung zumindest einer ausufernden E-Mail-Werbung Grenzen setzen werde. (Paul Glauben, dpa) / ([72]wst/c't) ==================================================================== Endlich offiziell: Service Pack 2 für Windows Jetzt ist das zweite Service Pack für Windows 2000 sowohl in deutscher als auch englischer Version offiziell erhältlich. Es ersetzt über 500 auf dem Microsoft-Server separat verfügbare Hotfixes. Microsoft behebt darin nicht nur Fehler und schließt Sicherheitslücken, sondern stellt mit der Installation des Service Pack eine Installation automatisch auch auf 128-Bit-Verschlüsselung um. Das war bisher nur durch die Installation spezieller, kurz nach der Markteinführung von Windows 2000 bereitgestellter Updates oder durch die Installation modernerer Varianten des Internet Explorers zu bewerkstelligen. Ferner enthält das Service Pack spezielle Korrekturen, die eine bessere Verträglichkeit mit bestehender Software für Windows 9x und NT gewährleisten sollen - letztlich eine Funktion, die auch in Windows XP Einzug halten wird. Eine ausführliche Liste, welche Korrekturen das Service Pack mitbringt, stellt Microsoft in seiner Knowledgebase bereit. Auf der Microsoft Website ist ein [94]Dokument erhältlich, das einen Überblick über die Installation der Korrekturen sowie Verweise auf die entsprechenden Meldungen in der Knowledgebase enthält. Ein erster Vergleich der deutschen endgültigen Version mit der seit einigen Tagen zum Download [95]erhältlichen rund 100 MByte großen Netzwerk-Version hat keine Unterschiede hervorgebracht. Wer es nicht abwarten konnte, hat also Glück gehabt - theoretisch hat immer noch die Gefahr bestanden, dass die zum Download zugängliche Variante nicht der endgültigen entspricht: Angeblich soll Microsoft die Download-Adressen seinen Support-Kunden letztlich als Versuchskaninchen schon vorab verraten haben, um Pannen wie beim sechsten und letzten Service Pack für NT 4 auszuschließen - damals hatten [96]Fehler im TCP/IP-Stack Lotus Notes torpediert, und Microsoft musste ein Service Pack fürs Service Pack nachliefern. ([97]ps/c't) References 70. http://www.berlin.de/home/Land/RBm-Just/Gerichte/Landgericht 71. http://www.justiz.bayern.de/justiz-traunstein/ 72. mailto:wst@ct.heise.de 94. http://www.microsoft.com/Windows2000/downloads/servicepacks/sp2/loc/readme_de.htm 95. http://www.heise.de/newsticker/data/ps-15.05.01-000/ 96. http://www.heise.de/newsticker/data/jk-12.11.99-000/ 97. mailto:ps@ct.heise.de
Meldungen vom 16.05.2001: Uneinigkeit in der Industrie über Urheberrecht Seit 1996 verhandeln 47 Staaten über die "Hague Convention on Jurisdiction and Foreign Judgements". Sie soll in Zeiten der Globalisierung und des E-Commerce die Grundlagen für eine transnationale Rechtsprechung im Wirtschafts- und Zivilrecht legen. Rechtsstreitigkeiten sollen jeweils prinzipiell in dem Land gelöst werden, in dem die betreffenden Personen wohnen, Firmen einen Sitz haben oder sich das unbewegliche Eigentum befindet, auf das sich der Rechtsstreit bezieht. Die Unterzeichnerstaaten würden also die jeweilige Rechtsprechung in den anderen Ländern anerkennen. Ob geistiges Eigentum wie Patente oder Urheberrechte auch in das Übereinkommen aufgenommen werden, ist noch nicht entschieden. Hierzu fand gestern in Washington eine Konferenz statt. Während die Vertreter der Urheberindustrieen das Vorhaben des internationalen Abkommens begrüßten, um die durch die unterschiedlichen nationalen Rechtsräume bestehenden Löcher bei der Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen zu schließen, sind große Telekommunikationsunternehmen wie AT&T oder Cable & Wireless nicht so begeistert davon und plädieren für eine Ausnahmeregelung. Sie fürchten, sie könnten für Verstöße gegen das Copyright rechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Aber es gibt auch ganz andere Bedenken. So befürchten Bürgerrechtsorganisationen wie die ACLU, dass durch das internationale Übereinkommen auch die in den USA sehr weitgehende Meinungsfreiheit beschnitten werden könnte. Verwiesen wird auf das Urteil des französischen Gerichts gegen Yahoo ([51]Yahoo zieht vor ein amerikanisches Gericht). Auch David Chiu von GILC warnte die Amerikaner, dass dieses Übereinkommen dazu führen könnte, die Rechtsprechung in Ländern wie China, Frankreich oder Deutschland zu akzeptieren. Mehr in Telepolis: [52]Uneinigkeit über internationales Abkommen. ([53]fr/tp) ==================================================================== IBM setzt auf Opera-Browser Netvista Internet Appliance Der kleine norwegische Browser-Hersteller Opera Software hat einen großen blauen Fisch an Land gezogen: IBM wird seine Webpad-ähnliche "Netvista Internet Appliance" mit Opera 5.0 ausliefern. Die [71]Netvista Internet Appliance soll in erster Linie als Browser und E-Mail-Client dienen, der über einen Server verwaltet wird. [72]Ein amerikanisches Kreuzfahrtschiff gehört zu den ersten Einsatzgebieten des Geräts. Das farbige Flachdisplay der Appliance ist etwas größer als eine Din-A-5-Seite; die Eingabe geschieht per Tastatur und Maus. Als Betriebssystem setzt IBM auf das Embedded-Betriebssystem QNX Neutrino. Für Opera bedeutet der QNX-Port die sechste Plattform für ihren Browser. Bisher ist der Browser für BeOS, EPOC, [73]Linux und [74]Windows verfügbar; eine Version für MacOS ist [75]in Arbeit. Im Laufe der nächsten Wochen will Opera die QNX-Version seines Browsers auch auf seiner [76]Website zum Download anbieten. ([77]ghi/c't)
Meldungen vom 10.05.2001: Waffenstillstand im Hacker-Krieg Der Schlagabtausch zwischen chinesischen und amerikanischen Hackern scheint sich nach intensiven Aktivitäten in den vergangenen Wochen [9]abzukühlen. Nach einem Bericht der New York Times haben chinesische Hacker am Mittwoch den Waffenstillstand erklärt. Auf der Site der so genannten Honker Union of China ([10]H.U.C.) wurde dem Bericht zufolge erklärt, das Ziel, 1000 amerikanische Web-Sites mit elektronischer Grafitti zu schädigen, sei jetzt erreicht. Sollte es weitere Attacken geben, so gingen diese nicht mehr auf das Konto der Honker. Web-Sites, die sich auf die Beobachtung und Kommentierung von Hack-Angriffen auf Web-Sites spezialisiert haben, verfügen inzwischen über eine umfangreiche Dokumentation gehackter Seiten. Tatsächlich gab es in der ersten Mai-Woche Hunderte Attacken, sowohl in den USA als auch in China. Allerdings werden die Ereignisse von den Beobachtern nicht eindeutig in einem politischen Zusammenhang gesehen. Auf der Site von [11]attrition.org findet sich sogar ein [12]Artikel, in dem der Cyberwar als Ergebnis einer "Self-fullfilling Phrophecy" bezeichnet wird. Auch unter der Adresse [13]alldas.de findet man eine stündlich aktualisierte Liste gehackter Seiten. Die Bewertung ist dort ähnlich zurückhaltend. In jedem Fall hat die Beachtung der Hacker-Aktivitäten in den Medien den Hackern selbst zu einiger Bekanntheit verholfen. "Pr0phet", Mitglied der US-Hackergruppe PoizonBOx hat sich in mehreren Interviews zu den Ereignissen der vergangenen Wochen [14]geäußert. ([15]dwi/c't) ==================================================================== Die nationale Sicherheit verlagert sich in den Weltraum US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld machte in seiner ersten großen Pressekonferenz vor zwei Tagen unmissverständlich klar, dass für die USA der Weltraum auch militärisch hohe Priorität einnimmt. Das geplante Raketenabwehrsystem NMD ist nur Vorreiter der Neuorientierung. "Stärker als jedes andere Land", so leitete der Verteidigungsminister seine Erklärung ein, "hängen die USA im Hinblick auf Sicherheit und Wohlergehen vom Weltraum ab. Unser tägliches Leben ist zunehmend enger mit dem Weltraum verbunden. Unsere Häuser, Schulen, Geschäfte und Krankenhäuser sind auf Satellitendienste angewiesen. Satelliten ermöglichen die globale Kommunikation, Fernsehsendungen, Wetterberichte, Navigation von Schiffen, Flugzeugen, Lastkraftwagen und Autos, die Synchronisierung von Computern, Kommunikation und Stromnetzen." Weil auch das Militär entscheidend auf die satellitengestützten Funktionen im Weltraum angewiesen ist - "Satelliten sind auch unsere globalen Augen und Ohren" -, seien die USA besonders gefährdet. Daher müssen "unsere Interessen im Weltraum" geschützt und vertreten werden. Die Geschichte habe gelehrt, so Rumsfeld, wie wichtig Abschreckung sei. Deswegen sei für die neue Sicherheitsstrategie nicht das Ziel primär, in einem Konflikt zu gewinnen, sondern andere durch Abschreckung davon abzuhalten, die nationalen Sicherheitsinteressen der USA zu verletzen. Zunächst kündigte Rumsfeld an, dass die Streitkräfte auch organisatorisch die neue Bedeutung des Weltraums widerspiegeln müssten. Die Luftwaffe soll für die neuen Aktivitäten vornehmlich zuständig sein, die von einem Vier-Sterne-General geleitet werden. Mit der CIA würde eng zusammengearbeitet werden müssen. Die Ausrichtung auf den Weltraum sei auch maßgeblich für die Umorientierung und Neuorganisation des gesamten Militärs. Natürlich wurde Rumsfeld während der Pressekonferenz auch gefragt, ob er neue Waffen in den Weltraum bringen wolle. Seine Antwort war ausweichend, aber nicht direkt verneinend. Mehr in Telepolis: [39]Militarisierung des Weltraums. ([40]fr/tp) ==================================================================== Der "Pons" kostenlos im Web Unter dem Namen "[41]PonsLine" gibt es jetzt eine kostenlose Online-Variante der Pons-Wörterbücher. Die englische und italienische Version steht bereits zur Verfügung, die französische, spanische und polnische soll bald folgen. Für jede Sprache sind rund 120.000 Stichwörter und Redewendungen gespeichert. Gesucht wird in einer kleinen Suchmaske, in der das unbekannte Wort und auch die Suchrichtung einzugeben sind. Wird das Stichwort gefunden, so erhält der Suchende genaue Angaben zu Bedeutung und Ausprache, teilweise ergänzt um Angaben zur Wortfamilie. Auch Sprichworte und Redewendungen werden angezeigt. ([42]dwi/c't) References 9. http://www.heise.de/tp/deutsch/html/result.xhtml?url=/tp/deutsch/special/info/7551/1.html 10. http://www.cnhonker.com/ 11. http://www.attrition.org/ 12. http://www.attrition.org/security/commentary/cn-us-war.html 13. http://www.alldas.de/ 14. http://security.alldas.de/interviews/?iv=3 15. mailto:dwi@ct.heise.de 39. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/raum/7591/1.html 40. mailto:fr@tp.heise.de 41. http://www.pons.de/ 42. mailto:dwi@ct.heise.de
Meldungen vom 09.05.2001: Überwachungssoftware "SpectorSoft" bereits im Einsatz Die umstrittene Schnüffelsoftware [32]SpectorSoft ist inzwischen auch in deutscher Sprache erhältlich. Offiziell kann das Tool seit 23. April für 149 Mark erworben werden. Der Spector-Client kann jeden Programmstart, jede besuchte Website sowie Chats aufzeichnen und funktioniert wie eine Überwachungskamera. Das Programm macht permanent Screenshots. Bekannt wurde SpectorSoft in den USA mit dem Einsatz im Privatbereich. (siehe [33]US-Datenschnüffler enttarnt geheime Liebschaften) Gehörnte Ehemänner und -frauen ersparen sich damit den kostspieligen Privatdetektiv. Zu den Kunden zählen aber auch Unternehmen, die ihre Mitarbeiter überwachen wollen. Noch vor dem offiziellen Vertriebsstart gab es zahlreiche Bestellungen. "Mit Stand 11. 4. 2001 wurden 300 Lizenzen für Österreich vergeben, davon 180 an Firmen. 1000 Lizenzen für Deutschland, davon rund 500 an Firmen", so der österreichische Journalist [34]Gerald Reischl im Telepolis-Gespräch. Carsten Rau, Geschäftsführer der [35]ProtectCom, die SpectorSoft hierzulande vertreibt, beziffert den Anteil von Firmen am Gesamtbestellvolumen inzwischen bereits auf 75 Prozent. "Spector wird unserer Erfahrung nach hauptsächlich von Firmen eingesetzt. Viele EDV-Firmen benutzen Spector für Schulungen und zur Protokollierung von Fernwartungsarbeiten. Spector wird dafür als Tätigkeitsnachweis und Qualitätskontrolle für die ausgeführten Tätigkeiten benutzt. Die restlichen 25 Prozent Privatkunden setzen Spector zur Kinder- oder Partnerüberwachung ein", erklärt Rau gegenüber heise online. Rechtliche Probleme sieht der ProtectCom-Chef nicht. Das Unternehmen sei auf "Datensicherheitslösungen spezialisiert" und würde "Hand in Hand mit Datenschützern" arbeiten. Tatsächlich findet sich auf der Firmenhomepage unter der Rubrik FAQ der Hinweis, dass mit der Lizenzvereinbarung auch die Verpflichtung eingegangen wird, Mitarbeiter über den Einsatz von Spector zu informieren. Carsten Rau betont: "Wir haben Spector bereits im Fernsehen vorgestellt - im Beisein von Juristen und staatlichen Datenschützern. Diese stehen dem Einsatz von Spector zwar aus moralischer Sicht skeptisch gegenüber, haben aber mehrfach bestätigt, dass es keine gesetzliche Handhabe gegen den Einsatz von Monitoring Software in Deutschland gibt." Rechtsexperte Stefan Jaeger hat hingegen nicht nur moralische Bedenken. Die Überwachung von Kindern sei rein rechtlich noch relativ unproblematisch. Die Partnerüberwachung wäre bereits wesentlich heikler, etwa in Bezug auf den 'Datenspionageparagraf' 202a im Strafgesetzbuch. Ein Unternehmer schließlich brauche nicht zu glauben, dass er das Programm aus "Spaß und Tollerei" einsetzen könne, um etwa zu prüfen, ob Mitarbeiter ihre Zeit beim "Spielen vertrödeln", wie es auf der SpectorSoft-Homepage marketingorientiert heißt. So weist Jaeger darauf hin, dass auch Überwachungskameras nicht willkürlich zur allgemeinen Büroraumüberwachung eingesetzt werden dürfen. "Zahlreiche arbeitsrechtliche Bestimmungen sind beim Einsatz von Spector zu berücksichtigen. Es wird sicher eine gewisse Anzahl von legalen Einsatzbereichen geben, aber auch viele illegale Einsatzmöglichkeiten. Ein Unternehmer, der Spector kauft, muss sich bewusst sein, dass er es ist, der letztendlich rechtliche Probleme bekommen kann, falls Arbeitnehmerrechte durch den Einsatz verletzt werden. ProtectCom als bloßer Verkäufer von Spector, wird kaum in Schwierigkeiten geraten, wäre aber grundsätzlich gut beraten, die Kunden über die Gesetzeslage vollumfänglich aufzuklären", meint Jaeger. Immerhin empfiehlt auch ProtectCom schlussendlich via Homepage eine Beratung mit dem jeweiligen Firmenanwalt. (Brigitte Zarzer) Mehr in Telepolis: [36]Spectorsoft und andere Mittel für Datensammler ([37]fr/tp) ==================================================================== Elektronisches Papier noch in diesem Jahr marktreif Jahrzehntelang haben die Forscher an der Entwicklung des elektronischen Papiers getüftelt. Die Erfindung sollte sogar nach Meinung mancher Enthusiasten eines Tages Zeitungen, Bücher und Notizen auf Papier verdrängen. Das Material ist dünn wie Papier, lässt sich wie eine Zeitung zusammenrollen und zeigt mit Hilfe seiner elektronischen Tinte jeden beliebigen Text an. Nun wollen zwei weltweit renommierte Forschungsinstitute endlich dem elektronischen Papier zum Durchbruch verhelfen. Nach jahrelanger Forschungsarbeit treten das Xerox Palo Alto Research Center (PARC) und das Massachusetts Institut of Technology (MIT) in einem Kopf-an- Kopf-Rennen um die ersten kommerziellen Erfolge ihrer Erfindungen gegeneinander an. "Erste Praxis-Einsätze unseres elektronischen Papiers wird es bereits 2001 geben", ist Patrick Mazeau vom [44]Xerox Research Center (XRCE) in Grenoble überzeugt. In einem Showroom kann er erste Prototypen mit der im legendären kalifornischen Forschungslabor Xerox PARC entwickelten Technologie präsentieren. Für die Kommerzialisierung der Technologie gründete Xerox Ende vergangenen Jahres eigens die Firma Gyricon Media. Noch 2001 will die Xerox-Tochter preiswerte, leichte und vor allem Strom sparende Dokumente herstellen, die zum Beispiel als Werbeflächen oder digitale Preisschilder in Supermärkten zum Einsatz kommen sollen. Doch Xerox arbeitet nicht allein am elektronischen Papier: Erst vor rund vier Wochen [45]präsentierte das Unternehmen [46]E Ink in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) erstmals ein flexibles, weniger als ein Millimeter dünnes Display. Der Prototyp lässt sich ähnlich wie die Xerox-Erfindung wie eine Zeitung zusammenrollen und kann auf einer Fläche von derzeit rund 12 mal 12 Zentimetern ein elektronisches Schwarzweiß-Bild anzeigen. Die Wissenschaftler der 1997 von den MIT-Forschern Barrett Cominskey und J.D. Albert gegründeten Firma druckten auf eine dünne Kunststofffolie insgesamt 256 kleine Transistoren, über der sich eine Schicht aus winzig kleinen Mikrokapseln befindet. Wird eine der kleinen Kapseln mit Strom versorgt, bewegt sie sich an die Oberfläche und erzeugt zusammen mit anderen Kapseln die programmierte Darstellung. "Wir haben bewiesen, dass E Ink in der Lage ist, mit den weltweit führenden Herstellern die nächste Generation von Displays für elektronische Geräte zu entwickeln", sagte E Ink-Chef Jim Juliano. Das elektronische Papier könne künftig als Buch oder Zeitung gebunden werden oder in den verschiedensten mobilen Geräten zum Einsatz kommen. Anders als elektronische Bücher soll sich das Medium fast wie Papier anfühlen und beim Leser den Eindruck vermeiden, er sitze vor einem Laptop. Ob als Tageszeitung, Handheld-Bildschirm oder als digitale Werbefläche - die Idee des elektronischen, unendlich wieder beschreibbaren Papiers ist bereits rund 25 Jahre alt und kann auf eine recht wechselvolle Geschichte zurückblicken. In den frühen 70er Jahren suchte erstmals Nick Sheridon, Forscher am Xerox PARC, nach Alternativen für Computerbildschirme, die damals mit starkem Flimmern und zu dunkler Darstellung äußerst augenunfreundlich waren. Sheridon entwickelte die Technik, die dem elektronischen Papier noch heute zu Grunde liegt. Mikroskopisch kleine Bällchen, die auf der einen Seite schwarz, auf der anderen Seite weiß sind, werden durch elektrische Ladung zum Rotieren gebracht. Je nachdem, ob ihre schwarze oder ihre weiße Seite nach oben zeigt, lässt sich beliebiger Text darstellen. Doch bei Xerox stieß Sheridons Erfindung lange Zeit auf wenig Begeisterung. Das elektronische Papier hätte fast das gleiche Schicksal ereilt wie so manch andere Entwicklung aus den Xerox- Forschungslabors. Der Druckerspezialist erfand in den frühen 80er Jahren die weltweit erste Maus und die grafische Benutzeroberfläche - zwei Dinge, über die heute jeder Personal Computer verfügt. Das Potenzial der Erfindungen erkannten jedoch erst Unternehmen wie Apple und Microsoft und vermarkteten sie mit riesigem Erfolg. Erst in den 90er Jahren propagierte Xerox das elektronische Papier wieder als Zukunftsperspektive, das sich zum Beispiel als endlos wiederbeschreibbare Zeitung einen Platz im Alltag der Menschen erobern sollte. Etwa seit dieser Zeit tüfteln aber auch die Forscher am MIT an ihrer Technologie und der Realisierung praxistauglicher Produkte. (Renate Grimming, dpa) / ([47]wst/c't) References 32. http://www.spectorsoft.de/ 33. http://www.heise.de/newsticker/data/hob-02.10.00-000/default.shtml 34. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/7580/1.html 35. http://www.protectcom.de/ 36. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/7580/1.html 37. mailto:fr@tp.heise.de 46. http://www.eink.com/ 47. mailto:wst@ct.heise.de
Meldungen vom 08.05.2001: Schlechte Noten für Suchmaschinen Deutsche Bibliothekare, Dokumentare und Archivare stellen Suchmaschinen im Internet ein schlechtes Zeugnis aus. Auf der noch bis Donnerstag in Frankfurt stattfindenden Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis ([6]DGI) beklagte DGI-Präsident Horst Neißer, dass auf dem Informationssektor im Internet eine Wildwest-Mentalität herrsche. "Beim Internet geht es meist um Technik, Leitungskapazitäten oder Webdesign, aber nicht darum, was mit der Technik eigentlich transportiert wird", kritisierte Neißer weiter. Dabei schaffe die Informationsflut ein riesiges Arbeitsfeld für Bibliothekare und Dokumentare. Bei Büchern gebe der Verlag Aufschluss über die Qualität - im Internet dagegen sei es viel schwerer, die Quellen zu bewerten. Neißer bedauerte, dass Informationsspezialisten oft im Schatten der Informatiker stünden: "Das liegt wohl an der Faszination des Internets, um die Inhalte aber manövrieren alle herum." "Das Internet hat sich zur Quasselbude entwickelt", sagte Arnoud de Kemp vom Heidelberger Springer-Verlag. Auch die Suchmaschinen könnten keine Schneisen in den Informationsdschungel schlagen: Wenn man die Ergebnisse aller Suchmaschinen zusammennehme, zeigten sie nur 32 Prozent der im Internet vorhandenen Fachinformationen. Auch der Informatik- Professor Jürgen Krause sieht noch viele Nachteile bei Suchmaschinen. Sie seien noch weit vom Ziel "einer ballastarmen" Suche im Netz entfernt. ([7]fro/c't) ==================================================================== Kontroverse um Verschlüsselung in Holland Die holländischen Geheimdienste und Strafverfolgungsbehörden möchten gerne Klartext-Zugriff auf verschlüsselte Dateien im Netz haben. Das enthüllte die niederländische Datenschutz-Organisation [10]Bits of Freedom mit der Veröffentlichung bislang geheimer Dokumente. Die holländischen Strafverfolgungsbehörden wollen Verschlüsselungs-Treuhandorganisationen, in der Fachsprache auch Trusted Third Parties (TTPs) genannt, zur Verwendung von Verschlüsselungssystemen zwingen, die über einen Generalschlüssel den Strafverfolgungsbehörden Zugang zu verschlüsselten Botschaften gewähren - in Echtzeit und ohne Wissen der Überwachten. Sollte die Selbstregulation der Industrie nicht zu dem gewünschten Ergebniss führen, dass die Systeme eine Hintertür für "rechtmäßigen Zugang" der Behörden aufweisen, will die Regierung dafür sorgen, "dass man die TTP-Systeme dergestalt organisiert, dass die ermächtigten Behörden auf die entschlüsselten Kommunikationsströme zugreifen können", heißt es in einem der veröffentlichten Protokolle. Einen Zwang zur Entschlüsselung oder die Übergabe des jeweiligen Krypto-Schlüssels einzelner User sehen die Regierungspläne nicht vor, sondern eine Lösung, die euphemistisch "obligatorische Selbstregulierung" genannt wird. Von Seiten der Wirtschaft ist man über die Pläne wenig erfreut und verweist darauf, dass in den Niederlanden keine gute Treuhänder-Infrastruktur entstehen könne, wenn nur die niederländischen TTPs zur Zusammenarbeit mit den Behörden verpflichtet seien. Die Kunden würden dann auf ausländische Treuhänder zurückgreifen. Mehr in Telepolis: [11]Holländische Regierung setzt Verschlüsselungs-Treuhänder unter Druck (Jelle van Buuren)/ ([12]ame/tp) ==================================================================== Wem gehört das Wissen? Das Paradox könnte größer kaum sein: Just in der so genannten Informations- oder Wissensgesellschaft sieht es nicht gut aus mit dem Grundrecht der Menschen auf Information und mit dem freien Zugang zum Wissen. Angesichts dieser unausgeglichenen Lage machte sich eine Expertenrunde auf dem Kongress [62]Gut zu wissen. Links zur Wissensgesellschaft der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin am letzten Wochenende Gedanken über Gegenstrategien. Noch nie hat es einen Ökonomen von Belang gegeben, der für den Patentschutz eintrat und ihn als innovationsfördernd beschrieb. Dass das Patentregime trotzdem ins Leben gerufen und rechtlich sanktioniert wurde, wertete Bernd Lutterbeck, Professor für Informationsrecht an der TU Berlin als "Sieg der Juristen und Protektionisten". Politiker lassen sich nach Ansicht Lutterbecks aber nach wie vor zu schnell von Firmen wie Microsoft einlullen, die auf die traditionellen Eigentumsregime aufsetzen, um ihre Interessen zu verfechten. Die "sind aber nicht die Interessen der Allgemeinheit", so Lutterbeck, und nicht einmal die der europäischen Softwareindustrie. Der Leiter der Patentabteilung von SAP habe ihm jedenfalls erst kürzlich versichert, dass seine Firma eigentlich keine Softwarepatente brauche. Eine Patentstrategie hätten die Walldorfer nur aufgebaut, um den Wettbewerbern im amerikanischen Markt etwas entgegensetzen zu können. Ganz ein Kind seiner Zeit ist für Rainer Kuhlen, Professor für Informationswissenschaft an der Universität Konstanz, auch das Urheberrecht. Kuhlen sieht das auf europäischem und US-amerikanischem Boden entstandene Urheberrecht angesichts der fortschreitenden Globalisierung als "obsolet" an. Andere Völker und Kulturräume hätten ein ganz anderes Verständnis von "intellektuellem Eigentum". "Wir erdreisten uns", kritisiert der am Forum Information Ethics der Unesco beteiligte Forscher, "unser historisch begrenztes Weltbild der ganzen Welt überzustülpen." Der kleinste gemeinsame Nenner lautet für Kuhlen daher: Radikal die sich aus dem Urheberrecht ableitenden Verwertungsrechte "aufgeben und alles frei ins Netz stellen". Angesichts der "fortschreitenden und unaufhaltsamen Kommerzialisierung weiter Wissensbereiche", forderte der Wissenschaftler die Politik auf, "neue öffentliche Foren des freien Informationsaustausches zu ermöglichen", statt der Informationswirtschaft weitere Zugeständnisse zu machen. Konkret wünscht sich Kuhlen die "Einrichtung und den Betrieb öffentlicher Wissenschafts-, Kultur- oder Ausbildungs-Server" mit offen zugänglichen Ressourcen. Als wegweisend betrachtet er die jüngst bekannt gegebene Entscheidung des Massachusetts Institute of Technology, mittelfristig fast die kompletten Lehrinhalte zur freien Nutzung für jedermann im Netz anzubieten. "Wir beschäftigen in Zukunft keine Bibliothekare mehr, sondern Hacker", kündigte Gabriele Beger, Direktorin der Berliner Stadtbibliothek, auf dem Panel in Berlin daher halb ernst, halb ironisch gemeint an. Die Rolle der Bibliotheken als "Garanten des Wissens" ist für sie gefährdet. Ihre Hoffnung ist, dass immer mehr Autoren an den Verlegern vorbei das Netz als Vertriebsweg für ihre Arbeiten entdecken. Ein wenig rosiges Bild der Zukunft der Wissensgesellschaft zeichnete Andy Müller-Maguhn, ICANN-Direktor und Sprecher des Chaos Computer Clubs. Seiner Ansicht nach sind die Politiker gerade dabei, soziale Bedingungen zu schaffen, in denen alle Möglichkeiten der Nutzer zum freien Informationsaustausch kriminalisiert werden. Denn gleichzeitig mit dem Vordringen von Lösungen rund ums Digital Rights Management "wird der Überwachungsstaat installiert". (Stefan Krempl) Mehr in Telepolis: [63]Die Nutzer brauchen eine Lobby. ([64]fr/tp) ==================================================================== Meldungen vom 07.05.2001: Forscher entwickeln Mobiltelefon für Gehörlose Mobilfunknetze der dritten Generation UMTS sollen Gehörlosen ganz neue Möglichkeiten der Kommunikation eröffnen. Europäische Wissenschaftler entwickeln dazu ein UMTS-taugliches Mobiltelefon, mit dem Gehörlose nicht nur in Gebärdensprache telefonieren sondern auch Informationen abfragen können, teilte der Lehrstuhl für Technische Informatik an der RWTH Aachen heute mit. Das dreijährige Vorhaben mit zehn Partnern aus Spanien, England, Schweden und Deutschland werde mit rund zwölf Millionen Mark von der Europäischen Kommission gefördert. Für das Projekt wurde ein Laptop-ähnliches Videotelefon mit einer kleinen Kamera ausgestattet. Durch die Übertragung von Bildern könnten zwei Gehörlose "ganz natürlich in Gebärdensprache" miteinander telefonieren. Zum Gespräch mit Hörenden werde eine Dolmetscherzentrale eingerichtet, teilte Jörg Zieren vom Aachener Lehrstuhl mit. Der Dolmetscher übersetze die Gebärdensprache für die Hörenden. Die Steuerung solle über Text- und Grafikmenüs, aber auch über die Gebärdensprache möglich sein. Dazu entwickeln die Aachener Wissenschaftler ein System, das die Gebärdensprache übersetzt und etwa bei der Menüwahl zum Einsatz kommt. Das Projekt WISDOM (Wireless Information Services for Deaf people on Move), das von Gehörlosen begleitet werde, soll Ende 2003 abgeschlossen sein. Die Gehörlosen dürfte die zu erwartende technische Unterstützung für ihre eigene Kommunikationsform besonders freuen, nachdem ihnen hierzulande Fachleute lange Zeit zwingend die akustische Kommunikation vorschreiben wollten, obwohl Gehörlosen der wichtigste Teil der erforderlichen Sensorik fehlt. Und auch die UMTS-Hersteller und -Netzbetreiber dürften die Initiative gern sehen, da sich mit ihr die Möglichkeiten der künftigen Highspeed-Mobilnetze eindrücklich demonstrieren lassen. ([65]dz/c't) References 6. http://www.dgd.de/ 7. mailto:fro@ct.heise.de 11. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/7572/1.html 12. mailto:ame@tp.heise.de 62. http://www.bildung2010.de/gutzuwissen 63. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/konf/7570/1.html 64. mailto:fr@tp.heise.de 65. mailto:dz@ct.heise.de
Meldungen vom 07.05.2001: IIS-Sicherheitsloch: Hacks haben sich verdreifacht Eine Woche nach Veröffentlichung des [7]Sicherheitslochs in Microsofts Webserver IIS machen sich die Auswirkungen drastisch bemerkbar: [8]Jüngste Statistiken des Sicherheits-Portals [9]attrition.org zeigen die sprunghafte Zunahme der Website-Hacks unter NT, worunter auch Windows 2000 mit IIS fällt: Während in den vergangen zwei Jahren NT-Systeme mit 15 bis 20 Hacks pro Tag zwar schon an der Spitze lagen, werden seit dem Bekanntwerden der IIS-Sicherheitslücke weit über 40 Hacks pro Tag registriert. Nach Schätzungen verschiedener Sicherheitsexperten liegt die Zahl der betroffenen Systeme weltweit zwischen einer und zwei Millionen. Zudem befürchtet man, dass viele Administratoren den von Microsoft bereitgestellten [10]Patch nur sehr schleppend einspielen. Das könnte sich rächen. Bereits einen Tag nach Bekanntwerden der Lücke tauchten passende Exploits auf. Somit brauchen potenzielle Angreifer nicht einmal besonderes Know-how, um ein System zu kompromittieren. ([11]pab/c't) ==================================================================== Kommunizieren von einem Nervensystem zum anderen 1998 hatte Kevin Warwick, ein britischer und sehr publicitybewusster Professor der Kybernetik, sich für ein paar Tage einen [22]Chip implantieren lassen. Für diesen September kündigt er mit Cyborg 2.0 eine Fortsetzung an. Dann sollen ihm und seiner Frau Chips in den linken Arm eingepflanzt werden, die mit Nerven verbunden werden und angeblich in der Lage sein sollen, neben Bewegungsimpulsen auch Empfindungen wie Schmerzen abzunehmen und zu versenden: "Ich habe das langfristige Ziel, Mitteilungen zwischen Menschen allein durch Gedanken zu senden", kommentierte der Forscher sein Vorhaben, der von sich sagt, dass er auf keine Weise nur ein Mensch bleiben wolle. Die etwa bei ihm während der Bewegung eines Fingers abgenommenen Nervenimpulse werden an einen Computer gesendet und dort weiter in den Arm seiner Frau, wo sie über Elektroden wieder die Nerven stimulieren sollen. Warwick hofft, dass die relevanten Signale für eine Bewegung nicht nur abgenommen, sondern auch an den jeweils Anderen gesendet und dort reproduziert werden können. Ob die neuronalen Erregungsmuster des einen Menschen genau die Impulse beim Anderen auslösen, die notwendig sind, um die Bewegung zu reproduzieren, ist natürlich prinzipiell eine interessante Frage. Würde das gelingen, dann wäre dies in der Tat eine Gedankenübertragung - oder auch eine Fernsteuerung. Ähnlich wie Bewegungsimpulse könne man womöglich, wie Warwick meint, auch eine Empfindung wie Schmerz, der ein "sehr klar abgehobenes elektronisches Signal im Nervensystem" sei, aufzeichnen und in einem anderen Menschen wieder abspielen. Daher nennt er den Chip auch telepathisch. Ankündigen lässt sich vieles. Für die Öffentlichkeit jedenfalls kokettiert Irena Warwick damit, dass das Anzapfen der neuronalen Impulse im Arm irgendwie eine sehr intime Sache sei. Sie wolle nicht, dass ihr Ehemann "mit einer anderen Frau vernetzt" ist. Warwick selbst hat dazu auch eine praktische Idee: die neuronalen Aufzeichnungen ließen sich natürlich speichern und zu späterer Gelegenheit wieder abspielen, um dieselben Wirkungen zu erzeugen. Das wäre vielleicht im Fall von Schmerz für Folterer verlockend, andererseits, so Warwick, könne man so ja auch möglicherweise Schmerzen blockieren. Mehr in Telepolis: [23]Der telepathische Chip des britischen Professors. ([24]fr/tp) ==================================================================== Quantenteleportation und Kryptographie 1997 hatten Prof. Dr. Anton Zeilinger und sein Team die erste Quanten-Teleportation über immerhin etwa einen Meter Entfernung realisiert. In ihrem Experiment zerstörten sie Photonen und schafften es, deren Polarisation, d. h. die Richtung des Spins, als Information an andere Photone weiterzuleiten, die diese Information aufgriffen und dadurch die Eigenschaften der zerstörten Photonen replizierten. Prinzipiell könne das Photon, das die Eigenschaften des ersten Photons repliziert, beliebig weit entfernt sein. In der Zeitschrift Nature berichtete Anton Zeilinger kürzlich über die weitere Forschung, die über die "Entanglement purification for quantum communication" (Verschränkungs-Reinigung für Quanten-Kommunikation) zu Quantencomputer und Quantenkryptographie führen soll. Teleportation nennt man die Herstellung einer exakten Kopie eines Quantensystems an einem anderen Ort durch Ausnutzung verschränkter Zustände, dabei wird das Original eigenschaftslos (informationslos), d. h. es überträgt alle seine Eigenschaften und ist dann selbst "ausgewaschen", sozusagen seiner Information beraubt. Es ist also kein echter Kopierprozess, sondern eine vollständige Informationsübertragung. Verschränkung bedeutet, dass ein Paar Photonen durch die Messung die gleichen Eigenschaften hat, auch über große Entfernungen. Albert Einstein hatte diesen Effekt bereits 1935 entdeckt und ihn als "spukhafte Fernwirkung" bezeichnet. Wird nun ein Photon eines solchen verschränkten Paares in seinen Eigenschaften verändert, dann ändert sich das zweite, entfernte Photon parallel und gleichzeitig. Die Eigenschaften werden in Nullzeit über eine große Entfernung übertragen. Lässt man ein drittes Photon (das Photon, das teleportiert werden soll) mit einem Photon dieses verschränkten Paares interagieren, dann ändert sich das zweite Photon des verschränkten Paares am anderen Ort. Quantenkryptographie verwendet ebenfalls solche verschränkten Photonenpaare und erzeugt damit an zwei verschiedenen Orten dieselbe Folge von Zufallszahlen. Prof. Zeilinger dazu: "Dieser Schlüssel kann dann zur Verschlüsselung verwendet werden. Ein möglicher Lauscher würde sofort entdeckt, da er Korrelationen stört, was zu verschiedenen Zufallsfolgen auf beiden Seiten führt. Dies kann durch einen öffentlichen Vergleich von einem Teil der Bits des Schlüssels festgestellt werden. Sind die Schlüssel korrumpiert, werden sie einfach nicht verwendet." Zeilingers in Nature vorgestellte Verschränkungsreinigung (entaglement purification) erlaube es, durch einen quantenmechanischen Vergleich aus zwei Paaren, die beide schlechter sind, ein besseres zu erzeugen. Der wesentliche Vorteil der neuen Entdeckung sei, dass Quantenkommunikation über größere Entfernungen durchgeführt werden könne: "Mit der neuen Methode kann man sicherlich bis zu Entfernungen von etwa 50 bis 100 Kilometern gehen. Die neue Methode ist auch dafür verwendbar, Quantenteleportation über größere Entfernungen zu etablieren und Quantenteleportation als eine der wichtigsten Methoden mit der künftigen Quantencomputerinformation austauschen zu können." Zeilinger, der sich als Anhänger der "Kopenhagener Interpretation" sieht, der zufolge der quantenmechanische Zustand die Information ist, die wir über die Welt haben: "Es stellt sich letztlich heraus, dass Information ein wesentlicher Grundbaustein der Welt ist. Wir müssen uns wohl von dem naiven Realismus, nach dem die Welt an sich existiert, ohne unser Zutun und unabhängig von unserer Beobachtung, irgendwann verabschieden." Das gesamte Gespräch mit Anton Zeilinger finden Sie in Telepolis: [38]"Es stellt sich letztlich heraus, dass Information ein wesentlicher Grundbaustein der Welt ist." ([39]fr/tp) References 7. http://www.heise.de/newsticker/data/pab-02.05.01-000/ 8. http://www.attrition.org/mirror/attrition/os-graphs.html#SPECIAL 9. http://www.attrition.org/ 10. http://www.microsoft.com/Downloads/Release.asp?ReleaseID=29321 11. mailto:pab@ct.heise.de 22. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/2448/1.html 23. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/lis/7562/1.html 24. mailto:fr@tp.heise.de 38. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/lis/7550/1.html 39. mailto:fr@tp.heise.de
Meldungen vom 04.05.2001: XML Schema: DTD-Nachfolger freigegeben Am 2. Mai hat das World Wide Web Consortium nach zwei Jahren Arbeit die Spezifikation für XML Schema freigegeben. Drei Teile - [67]Einführung, [68]Strukturen, [69]Datentypen - beschreiben, wie Entwickler künftig die Art und Struktur von XML-Dokumenten definieren können. XML-Schemata sollen die bislang benutzten Dokumenttyp-Definitionen (DTDs) mittelfristig ablösen. Im Vergleich zu DTDs bieten XML-Schemata mehr Möglichkeiten, indem sie beispielsweise die Zuordnung von Elementen zu bestimmten Datentypen erlauben. Außerdem lassen sich vorhandene Schemata in eigene einbinden und überschreiben. Mit [70]XSV, dem XML Schema Validator, haben das W3C und die Universität Edinburgh ein Werkzeug entwickelt, dass die syntaktische und strukturelle Korrektheit von Schemata prüft. ([71]hb/iX) References 67. http://www.w3.org/TR/xmlschema-0/ 68. http://www.w3.org/TR/xmlschema-1/ 69. http://www.w3.org/TR/xmlschema-2/ 70. http://www.w3.org/2001/03/webdata/xsv
Meldungen vom 03.05.2001: Experte: "Das Internet ist ein großer Misthaufen" Für das Internet in seiner heutigen Form hat einer der Väter des weltweiten Datennetzes nur wenige lobende Worte übrig. "Das Internet ist ein großer Misthaufen, in dem man allerdings auch kleine Schätze und Perlen finden kann", sagte [70]Joseph Weizenbaum, Wissenschaftler am renommierten US-Forschungsinstitut Massachusetts Institute of Technology (MIT) bei einem Fachseminar am Mittwoch in Hamburg. Das Internet sei dem Fernsehen sehr ähnlich geworden. Die Proportionen von sinnvollen, interessanten Sendungen und der riesigen Menge blanken Unsinns seien in beiden Medien vergleichbar. Weizenbaum arbeitete Ende der 60er Jahre an der Entwicklung des Arpanet mit, dem militärischen Vorläufer des heutigen Internet.(dpa) / ([71]wst/c't)
Meldungen vom 27.04.2001: Das Internet, ein "Tummelplatz übelster Krimineller" Das Internet wird nach Darstellung des Mainzer Innenministers Walter Zuber (SPD) "zum Tummelplatz von Kriminellen der übelsten Sorte". Das gelte etwa für Verletzungen des Urheberrechts, Betrugsdelikte, Rechtsextremismus, Kinderpornografie und Wirtschaftsspionage, sagte der Politiker heute in der Landespolizeischule auf dem Hunsrück-Flughafen Hahn. Die scheinbare Anonymität des weltweiten Datennetzes sei für Kriminelle verlockend. Nach Zubers Worten ist die rheinland-pfälzische Polizei "gut gerüstet", um diese Formen der Kriminalität zu bekämpfen. Mehr als 4500 Arbeitsplätze an Computern stünden den Polizeibeamten des Landes zur Verfügung. Alle ihre Dienststellen seien miteinander vernetzt. ([3]em/c't) ==================================================================== Faltlautsprecher für die Hosentasche Lautsprecherfolie Forscher am Thin Film Research Center des regierungsanhängigen koreanischen Institute of Science and Technology (KIST, www.kist.re.kr/Teams/kist/english/home.html) haben einen folienartigen Lautsprecher entwickelt, der so dünn ist, dass man ihn zusammenrollen und in der Hosentasche mitnehmen kann. Der Lautsprecher selbst besteht lediglich aus einem piezoelektrischen Material, das nicht dicker als Papier ist. Piezoelektrische Filme und Keramiken, die elektrische Energie in mikroskopisch kleine Vibrationen an der Materialoberfläche umwandeln, sind im Prinzip nicht neu und kommen schon seit zehn Jahren zum Einsatz, etwa in Lautsprecherkomponenten, unter Wasser in Sonarsystemen oder Polizeisirenen. "Auch zusammenrollbare Lautsprecher haben japanische Firmen bereits aus piezoelektrischer Keramik hergestellt und vermarktet", weiß der piezoelektrische Experte Kenji Uchino von der [10]Universität Birmingham. "Hört man solche Lautsprecher alleine, dann klingt das immer etwas blechern, aber zusammen mit einem unterstützenden Bass hört sich das Ganze dann recht nett an." Um diesen Nachteil noch in den Griff zu bekommen, haben die koreanischen Forscher das Projekt an ein Team von Sound-Designern übergeben, die nun den Klang der niedrigeren Frequenzen optimieren sollen. Zusammen mit einem etablierten Hersteller für Lautsprecher rechnet Koh damit, dass ein gut klingender, falt- und zusammenrollbarer Lautsprecher schon in einem Jahr in den Läden erhältlich sein könnte. Da die Lautsprecher nur aus Elektroden und dem piezoelektrischen Film bestehen, dürfte ihr Preis geringer sein als herkömmliche Lautsprecher mit ihren zum Teil recht aufwendigen Komponenten. Bei einer ersten Demonstration mit einem 100 Quadratzentimeter großen Lautsprecher waren Kohs Forscherkollegen sichtlich beeindruckt, erwarteten sie doch noch eine Blackbox oder etwas ähnliches Klobiges. Zwar hat Kollege Uchino die koreanische Entwicklung noch nicht selbst gesehen, sieht aber in der piezoelektrischen Lautsprechertechnologie in Zukunft jede Menge an Anwendungsmöglichkeiten. "Besonders Notebooks und Desktop-Computer eignen sich hierfür hervorragend", meint Uchino, denn die Lautsprecher-Folien sind durchsichtig. "Das gesamte Display könnte einmal als Lautsprecher benutzt werden." Andreas Grote ([11]em/c't) ==================================================================== Durchbruch bei Herstellung von Nanotube-Transistoren IBM-Wissenschaftler haben einen Prozess entwickelt, um mit so genannten Carbon-Nanotubes Feldeffekttransistoren von der Größe von nur rund 10 Atomen herzustellen - gut 500-mal kleiner als bisherige Transistoren. In der neuesten Ausgabe von [19]Science (Vpl 292, Ussue 5517) vom 27. April 2001 berichten Wissenschaftler aus dem IBM Watson Research Laboratoy in Yorktown von ihren Erfolgen mit einem Verfahren, das sie "konstruktive Destruktion" getauft haben. Nanotubes sind langgezogene Röhrchen von nur rund einem Nanometer Durchmesser, die aus zahlreichen miteinander verknüpften Ringen von jeweils sechs Kohlenstoff-Atomen bestehen. Je nach interner Struktur können sie leitend "metallisch" oder halbleitend sein. Das man mit den halbleitenden Röhrchen kleinste Schalter realisieren kann, hatten Wissenschaftler der Harvard University schon vor rund einem Jahr bewiesen (siehe auch "Rechnen mit Nanostäbchen", c´t 15/00, S. 40). Die IBM-Wissenschafter können mit ihrer konstruktiven Destruktion nun ganze Arrays solcher Schalter auf der Oberfläche eines oxidierten Silizium-Wafers herstellen, indem sie von den bei der Herstellung gemeinsam entstehenden metallischen und halbleitenden Nanotubes gezielt die metallischen zerstören. Mit diesem Verfahren könnte der Grundstein für eine völlig neue, auf Kohlenstoff beruhende Halbleitertechnologie gelegt sein, mit der sich in einigen Jahren Speicher in Terabit-Regionen und sehr schnelle Prozessoren realisieren lassen. ([20]as/c't) ==================================================================== Bug in der Restore-Funktion von Windows Me Microsoft hat jetzt einen Fehler der Systemwiederherstellungsfunktion von Windows Millennium Edition (Me) [53]bestätigt und einen Patch zum [54]Download bereitgestellt. Der Bug steckt in dem Algorithmus, der die Dateinamen der so genannten Wiederherstellungspunkte ermittelt. Diese Momentaufnahmen des Betriebssystems sollen nach einer fehlerhaften Installation etwa von Treibern oder Programmen die Rückkehr zu einem funktionierenden Stand des Systems ermöglichen. Sie werden im Ordner _restore im Stammverzeichnis gespeichert. Der Fehler würde laut Microsoft dazu führen, dass mit den Momentaufnahmen, die nach dem 8. September 2001 Jahres erstellt werden, keine Wiederherstellung mehr möglich ist. ([55]axv/c't)
Meldungen vom 20.04.2001: EU-Erkenntnisse über globales Lauschsystem Echelon Im Interview mit [44]Telepolis verdeutlicht Gerhard Schmid, Berichterstatter des nichtständigen Echelon-Untersuchungsausschusses des Europaparlaments, die Vorgehensweise und die bisherigen Erkenntnisse des Ausschusses. Grundsätzlich bestehe kein Zweifel für ihn, dass es ein unter dem so genannten UKUSA-Vertrag betriebenes, [45]globales Abhörsystem gebe, sagte Schmid, wobei die Bezeichnung dafür nicht unbedingt ECHELON lauten müsse. Schmid sagte, er habe "nie die Erwartung gehegt, dass die Dienste von sich aus freiwillig Details erzählen". Trotzdem sei der Ausschuss für ihn keine Alibiveranstaltung, denn "das systematische Sammeln, Auswerten und Bewerten von öffentlich zugänglichen Informationen bringt schon was". In dem ausführlichen Interview erklärt Schmid im Detail die Abhörmöglichkeiten eines solchen Systems. Intelsat, die Satelliten für transkontinentale Telefonkommunikation, seien grundsätzlich abhörbar, sagt Schmid, ebenso wie nichtverschlüsselte Videokonferenzen über Satellit. Die Wahrscheinlichkeit, dass Internet-Traffic via Echelon abgehört werde, habe sich laut Schmid reduziert, seitdem weniger Datenverkehr über US-Knoten gehe. Etwa 95 Prozent des innerdeutschen E-Mail-Austauschs werde heute über DE-CIX in Frankfurt am Main abgewickelt. Kabelgebundene Kommunikation lässt sich laut Schmid "nur dann abhören, wenn man physischen Zugang zum Kabel hat. Beim Echelon-Staat USA reduziert sich dies auf die Verbindungen, die in die USA hinein- und wieder herauskommen." Dasselbe gelte auch für Großbitannien. Auf der Basis von Gesprächen mit Vertretern der britischen Regierung in London erklärte Schmid, diese leugne, dass Abhörmöglichkeiten zur so genannten Konkurrenzspionage eingesetzt würden. Wirtschaftlich motiviertes Abhören, das in Großbritannien mit der Formulierung "economic well-being" gesetzlich legitimiert ist, beziehe sich vor allem auf Verletzungen von Sanktionen, sagte Schmid. Das vollständige Interview mit Gerhard Schmid bringt Telepolis: [46]Das globale Abhör-Puzzle (Christiane Schulzki-Haddouti) / ([47]ame/tp) References 44. http://www.telepolis.de/ 45. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ech/default.html 46. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/ech/7428/1.html 47. mailto:ame@tp.heise.de
Meldungen vom 19.04.2001: Citrix macht Server-Farmen zur Goldgrube [7]Citrix, Produzent von Application-Server-Software, konnte seinen Umsatz im ersten Quartal 2001 auf 133 Millionen US-Dollar steigern. Noch bedeutender als dieser Zuwachs um 7,7 Prozent gegenüber dem vorherigen Quartal mutet allerdings der Reingewinn von 28,9 Millionen US-Dollar an, der im gleichen Zeitraum um 49 Prozent zugelegt hat. Vergleicht man die Werte mit dem ersten Quartal 2000, beziffert sich das Umsatzwachstum auf 4,2 Prozent, der Reingewinn hat jedoch um 27 Prozent abgenommen. Trotz der schwankenden Werte kann der Hersteller der Server-Softwarepakete Metaframe und NFuse Gewinne aus jeder Umsatz-Million erwirtschaften, wie man sie sonst allenfalls vom Mitbewerber Microsoft, der ja mit dem Windows-2000-Terminal-Server ein ähnliches Produkt vermarktet, gewöhnt ist. Beim zweiten Citrix-Konkurrenten, der [8]Tarantella-Division von SCO, sieht die Wirtschaftslage mit 6,5 Millionen US-Dollar Verlust aus 3,2 Millionen US-Dollar Einnahmen, wie im Januar verlautbart, dagegen geradezu desolat aus. ([9]hps/c't) ==================================================================== Weitere Landessprachen fürs DNS Wer eine ganz bestimmte arabische Domain unter .com auf jeden Fall haben muss, sollte sich heute darum kümmern. Ab heute Abend nimmt [27]VeriSign/NSI, der Adressprovider für .com-, .net und .org-Domains, Vorregistrierungen für Domains in Arabisch und rund zwei Dutzend weiteren Sprachen beziehungsweise Schriften entgegen. Die dritte Runde in der Testphase für die Registrierung nicht-englischsprachiger Domains war mehrfach verschoben worden. Ziel von VeriSign ist es, in Zukunft Domains in allen in Unicode verfügbaren Schriftsystemen zu registrieren. Der Run auf die ASCII-kompatiblen und mit der Vorsilbe bq-- gekennzeichneten Adressen hat seit dem [28]Start im November deutlich nachgelassen. Damals wurden innerhalb des ersten Monats nach VeriSigns Angaben rund 700.000 asiatische Adressen registriert, nach knapp einem halben Jahr spricht VeriSign nun von 850.000. Die europäischen Sprachen, die [29]seit Februar registriert werden können, sind demnach wohl deutlich weniger gefragt. Gerade mal ein paar Hundert europäisch-sprachige Adressen hat die am Test beteiligte Domainregistrar Key-Systems registrieren können. Mit einer Registrierung der arabischen Domains wird es bei der Firma wohl nichts werden, weil man nicht über das passende Eingabesystem für die arabischen Domains verfüge, so ein Vertreter des Unternehmens. Das ebenfalls am Test beteiligte US-Unternehmen Register.com warnt auf seiner Webseite potenzielle Kunden vor der Verwendung eines falschen Zeichensatzes bei der Arabisch-Eingabe - ISO-8859-6 muss es sein, sonst erhält man bei der Kodierung nicht den korrekten ASCII-String. Unter den 35 am Test beteiligten Registrierunternehmen ist im Moment keines aus einem arabischen Land. Nach wie vor ist unklar, ob und wann die als ASCII-Adressen - genauer gesagt als Row-based Ascii Compatible Encoding ([30]RACE) - registrierten Domains tatsächlich zu den landessprachlichen Webseiten führen. Der Versand von E-Mail über diese Adressen ist nicht möglich. Eine [31]Arbeitsgruppe der Internet Engineering Task Force (IETF) soll sich bis zum Sommer auf eine der vielen vorgeschlagenen Lösungen einigen. DNS-Experte und IAB-Chef John Klensin warnte inzwischen davor, einfach auf eine schnelle Lösung auf der Ebene der Applikationen beim User zu setzen. Klensin plädiert vielmehr für eine grundsätzliche Nachrüstung von DNS-Servern und Routern. Zu allem Überfluss haben inzwischen rund ein halbes Dutzend Unternehmen Patente für ihre Lösungen angemeldet, unter anderem VeriSigns Partner i-dns und Walid. Um den Kunden wenigstens einen Hoffnungsschimmer zu geben, will VeriSign in den kommenden Wochen erstmals die Auflösung der Domains unter der Second-Level-Domain .mltb.com (für multilingual testbed) ermöglichen. VeriSign-Vertreter wie Roger Cochetti versprechen zudem, man werde sich für die Kunden auch um die Migration der jetzt registrierten Adressen zum letztlich ausgehandelten Standard kümmern. [32]Ob dies technisch möglich ist, kann aber noch niemand mit Bestimmtheit sagen. Trotzdem sind auch hierzulande bereits Interessenten auf die Idee gekommen, RACE-kodierte "bq--"-Adressen [33]unter .de anzubieten. Mit Konvertierungstools lassen sich die Strings aus den entsprechenden Schriftsystemen übersetzen. Wer weiß, so die Devise, ob VeriSign sich am Ende nicht doch durchsetzt. (Monika Ermert) / ([34]jk/c't) ==================================================================== Brennstoffzelle versorgt erstmals Camcorder Für Benutzer von Handys, Organizer, Notebooks, portablen Musikgeräten oder Camcordern arbeiten Forscher an vier deutschen und einem amerikanischen Fraunhofer-Institut unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ([41]ISE) an einem serienreifen und zuverlässigen [42]Brennstoffzellen-System für den Massenmarkt. Die Leistungsfähigkeit ihres Systems wollen die Forscher auf der Hannover Messe Industrie (Halle 18, 1. OG, Wasserstoffstand J04 und Halle 7, Forum Microtechnology, Stand E30, Vitrine) am Beispiel eines handelsüblichen Camcorders demonstrieren, dessen Akku durch eine Brennstoffzelle ersetzt wurde. Sie soll mit einer Leistung von 10 Watt bei einer Spannung von 8 Volt ausreichend Strom für das Gerät liefern. "Unser Exponat ist eine Premiere, denn zum ersten Mal zeigen wir ein voll funktionstüchtiges und gehäuseintegriertes Brennstoffzellensystem", meint Christopher Hebling vom ISE. Bei gleichem Volumen und Gewicht wie ein herkömmlicher Camcorder-Akku lässt sich mit der vorgestellten Brennstoffzelle genauso lange arbeiten. "Das ist die eigentliche Neuheit", erklärt Ulf Groos vom ISE nicht ohne Stolz, "und in Zukunft werden wir bei gleichem Volumen doppelt solange arbeiten können wie heute." Grundlage für das System ist eine streichholzschachtelgroße Miniatur-Brennstoffzelle. Sie besteht aus 16 Bipolarplatten, die in der klassichen Stackbauweise aufeinander gestapelt und verklebt werden und die einen durchschnittlichen Wirkungsgrad von 50 Prozent aufweisen. Als Tank für den Wasserstoff dient ein Metallhydridspeicher, der schnell und einfach ausgetauscht werden kann. Die Mini-Brennstoffzelle soll weitaus mehr Ladezyklen als bisherige Akkus unbeschadet überstehen. Ihr Betrieb ist geräuschlos, erzeugt keine schädlichen Abgase und verlangt nur einen geringen Wartungsaufwand. Eine Selbstentladung wie bei herkömmlichen Akkus gibt es systembedingt nicht. Selbst nach einem Jahr Lagerung ist der Speicher noch voller Energie. Die [43]Brennstoffzelle kehrt das Prinzip der Elektrolyse um und erzeugt aus Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie. Im Gegensatz zu Batterien und Akkus besitzt sie jedoch keinen gespeicherten Energievorrat, sondern liefert erst just in dem Moment Energie, in dem ihr von außen die benötigten Gase bereitgestellt werden. Den benötigten gasförmigen Wasserstoff erhält die Brennstoffzelle aus dem separaten kleinen Tank. Ist der Tank leer, könnte sich der Nutzer später einmal per Internet-Versand neue Tanks bestellen oder an der Tankstelle oder im Kiosk nachkaufen, während er den leeren Speicher zum Wiederbefüllen zurückgibt: "Das könnte einmal ganz ähnlich funktionieren wie heute mit der Kohlendioxid-Patrone für die Wasserbereitung zu Hause - sie holen sich gegen Pfand eine neue im Kaufhaus und geben die alte ab", erklärt Groos. Ein solches Pilotprojekt läuft bereits erfolgreich in Island, wo Wasserstofftanks für eine universelle 12-Watt-Brennstoffzelle an Tankstellen verkauft werden. Auch bei dem Elektronikversandhaus [44]Conrad sind Wasserstoffspeicher heute schon erhältlich. Für Camcorder rechnen die Forscher mit einem vergleichbaren Preis, den man auch für einen Akku bezahlen müsste, für kleinere Geräte wird die Brennstoffzellenlösung noch etwas teurer. "Allerdings erhalten Sie dann mit der Brennstoffzelle auch ein leistungsfähigeres und flexibleres System." Besonders dort, wo kleine Leistungen über eine lange Laufzeit benötigt werden, ist die Brennstoffzelle günstiger. Trotzdem rechnen die Forscher damit, dass die Brennstoffzelle in der jetzigen Form bei einer Markteinführung zunächst eher für hochpreisige Geräte interessant ist. Durch eine extrem flache Anordnung von serienverschalteten Zellen lässt sich die Energieversorgung aber beispielsweise auch auf der Rückseite eines MP3-Players realisieren. Damit ließen sich dann "mittelfristig bestimmt auch Handys und Organizer betreiben", prophezeit Groos, "und sollte sich Bluetooth durchsetzen, dann ist das besonders für diese netzunabhängigen kleinen Einheiten interessant." Momentan hat ein Camcorder jedoch die optimale Größe, da die Brennstoffzelle für den Einlass des Wasserstoffs ein Ventil benötigt; darüber hinaus ist ein Lüfter notwendig. Beides benötigt einen gewissen Raum in der Zelle. Für kleinere Geräte wie Organizer oder Handy könnte später als Brennstoff auf Methanol umgestiegen werden, weil dafür kein Ventil benötigt wird. Allerdings ist die Forschung auf dem Gebiet des Methanols noch nicht so weit. Kritiker der Technik jedoch betonen, dass die Herstellung von Wasserstoff zu viel Energie verbraucht und dadurch die Kohlendioxid-Bilanz negativ ausfällt. "Derzeit gibt es zumindest im Bereich für kleinere Brennstoffzellensysteme noch keine umfassende Öko-Bilanz", gibt Groos zu. "Das Umweltbundesamt hat jedoch in einer Studie nachgewiesen, dass bei der Herstellung herkömmlicher Akkus mehrere hundert Male mehr Energie reingesteckt werden muss als später rauszuholen ist, hinzu kommt noch die Schwermetallbelastung." Bei der Brennstoffzelle dagegen werden keine toxischen Materialien verwendet, das eingesetzte Platin ist wieder verwendbar. "Die Brennstoffzelle besitzt nachweislich eine sehr hohe Lebenserwartung, alle eingesetzten Materialien sind recycelbar, die Zelle ist unendlich oft ladbar - ich meine, dass die Öko-Bilanz im Vergleich zu einem herkömmlichen Akku deutlich günstiger ausfällt." Zwar arbeitet der jetzt vorgestellte Brennstoffzellen-Prototyp in einem Sony-Camcorder, aber Kooperationen gibt es derzeit mit noch keiner Firma. Anders sieht das bei Notebooks aus, hier soll in 3 Jahren ein System marktreif sein. Die Forscher denken aber schon weiter. In einer Designstudie haben sie einen LCD-Projektor entwickelt, der mit einer 200-Watt-Lampe und zwei Wasserstofftanks 2 Stunden lang betrieben werden kann. Geplant ist auch ein Powerpack in Buchgröße, das die Arbeit einer portablen Steckdose verrichten soll. Daran lassen sich das Notebook anschließen, das Handy aufladen oder eine normale Lampe betreiben. Zusätzlich sind zwei Solarpanels integriert, die Energie aus Sonnenlicht erzeugen und einen internen Akku aufladen sollen. (Andreas Grote) / ([45]jk/c't) ==================================================================== IBM trotzt der Hightech-Krise Krise? Welche Krise? Der Computer-Konzern IBM zeigt sich recht unbeeindruckt von der bisherigen Krisenstimmung in der Hightech-Branche, die am gestrigen Mittwoch durch ein Ergebnis von Intel, das [86]nicht ganz so schlecht wie befürchtet ausfiel, erst einmal ins Positive drehte. Big Blue war eine der wenigen Firmen, die in den letzten Wochen keine Gewinnwarnung ausgab - nun legte der Konzern Geschäftszahlen für das erste Quartal vor, nach denen er im zweiten Quartal hintereinander ein starkes [87]Umsatz- und Gewinnwachstum verbuchen konnte. Der Gewinn stieg im Vergleich zur Vorjahresperiode um 15 Prozent auf 1,75 Milliarden US-Dollar. Lag IBM damit noch innerhalb der Erwartungen der Wall Street, konnte die Firma diese beim Umsatz sogar noch übertreffen: Um 8,8 Prozent stieg der Umsatz auf 21,04 Milliarden US-Dollar; die Analysten hatten einen Zuwachs von 7 Prozent erwartet. IBM steigerte den Umsatz in Nord- und Südamerika um 6 Prozent auf 9 Milliarden US-Dollar und den Umsatz in der Region Europa/Naher Osten/Afrika um 3 Prozent auf 5,6 Milliarden US-Dollar. Bei unveränderten Wechselkursen wäre dort der Umsatz sogar um 11 Prozent gestiegen. In Asien legte das Unternehmen um 8 Prozent auf 4,3 Milliarden US-Dollar zu. Im OEM-Geschäft setzte IBM 2,1 Milliarden US-Dollar um. Die Hardwareumsätze stiegen um 11 Prozent auf 8,5 Milliarden US-Dollar. Im Dienstleistungsbereich gab es einen Anstieg um 12 Prozent auf 8,5 Milliarden US-Dollar. IBM verbuchte in dem Dreimonatsabschnitt neue Dienstleistungsabkommen mit einem Wert von 10,2 Milliarden US-Dollar und hatte am Ende des Quartals einen Dienstleistungsauftragsbestand von 87 Milliarden US-Dollar. Der Softwareumsatz stagnierte dagegen mit 2,9 Milliarden US-Dollar. Im Finanzbereich gab es einen Umsatzanstieg um 2 Prozent auf 832 Millionen US-Dollar, während IBM mit seinen Unternehmensinvestments einen Umsatzrückgang von 19 Prozent auf 276 Millionen US-Dollar hatte. IBM-Chef Louis Gerstner verwies auf die breit gestreute Produktpalette, innovative Produkte und den starken Dienstleistungsbereich. "In Zeiten wie diesen hilft uns unsere Stärke als diversifiziertes und von Dienstleistungen getriebenes Unternehmen", betonte er. Das Desktop-Computer-Geschäft litt jedoch nach seinen Angaben wie bei anderen Anbietern auch. Dies sei nicht nur eine zyklische Frage. Es handele sich um ein reifes Geschäft, das die IT-Branche nicht mehr antreibe. IBM sei sicherlich nicht gegen breite Abstriche bei Kundenausgaben immun. Angesichts der jüngsten Resultate rechnet Gerstner jedoch damit, dass IBM besser abschneiden wird als die meisten seiner Konkurrenten, gleich wie sich der Markt sich in diesem Jahr entwickelt. Der Finanzchef von IBM zeigte sich jedenfalls zuversichtlich, die Prognosen für das Gesamtjahre einhalten zu können. Danach will der Konzern einen Gewinn von 4,87 US-Dollar pro Aktie erzielen, eine Steigerung um fast 10 Prozent gegenüber 2000. Die Inverstoren freuen die Zahlen und der optimistische Blick in die Zukunft jedenfalls: Der Kurs der Aktie konnte [88]im Rahmen des Kursfeuerwerks am gestrigen Mittwoch in New York schon während des regulären Handels um 6,82 Prozent auf 106,50 US-Dollar zulegen. Im nachbörslichen Handel stieg das Papier noch einmal auf 112,81 US-Dollar. ([89]jk/c't) ==================================================================== Windows: Gefahr durch scheinbare Textdateien Infolge einer Sicherheitslücke in Windows 98, NT und 2000 können harmlos aussehende Dateitypen wie *.txt beliebigen Code ausführen. Der Trick, den der bulgarische Sicherheitsexperte Georgi Guninski auf seiner [114]Homepage veröffentlicht hat, ist verblüffend einfach: Durch das Anhängen einer Class-ID (CLSID) an einen Dateinamen wird die Dateierweiterung umgangen und das der Class-ID zugeordnete Programm gestartet. Nachvollziehen kann man das ganz einfach, indem man eine neue Textdatei erstellt und diese in "neu.txt.{3050F4D8-98B5-11CF-BB82-00AA00BDCE0B}" umbenennt. Windows zeigt die angehängte Class-ID nicht an, aber ein Doppelklick auf die vermeintliche txt-Datei öffnet den HTML Application Host (mshta.exe), welcher dann in der Lage wäre, potentiell schädliche Programmroutinen in der entsprechenden Datei auszuführen. Solche "gefälschten" Dateien erkennt der Benutzer an ihrem Symbol; nach dem Umbenennen der Textdatei verändert Windows das Symbol im Beispiel auf den Standard für *.hta-Dateien. Weiterhin offenbaren die Datei-Eigenschaften (Rechtsklick auf die Datei, dann "Eigenschaften") den wahren Programmnamen und Dateitypen. Microsoft ist nach Angaben von Guninski über das Problem informiert; ob und wann es einen Patch dafür geben wird, ist bislang nicht bekannt. ([115]pab/c't) ==================================================================== Internetnutzung: Frauenanteil wächst stetig Seit Ende März gibt es [135]neue Ergebnisse der Gesellschaft für Konsumforschung ([136]GfK) in Nürnberg zur Internetnutzung in Deutschland. Nach einem Zuwachs von 34 Prozent in den letzten sechs Monaten liegt die Zahl der Internet-Nutzer danach jetzt bei 46 Prozent aller Befragten. Damit wären 24,2 Millionen Bundesbürger zwischen 14 und 69 Jahren online. Der Frauenanteil liegt der Studie zufolge jetzt bei 42 Prozent. Bereits zum siebten Mal hat die GfK Medienforschung Daten zur Internetnutzung erhoben. Seit 1997 findet diese Struktur-Analyse zur Internetnutzung in halbjährlichem Abstand statt, und zwar im Namen der Auftraggeber-Gemeinschaft GfK Online Monitor. Zu den Auftraggebern gehören unter anderem AOL Deutschland, die Bertelsmann eCommerce Group, die Deutsche Telekom AG und die G+J Electronic Media Service GmbH. Vergleicht man die aktuellen Daten mit bisherigen Ergebnissen, fällt der kontinuierliche Anstieg des Frauenanteils auf. Ende 1997 betrug er nur 29 Prozent, ein Jahr später 31 Prozent und lag Ende 1999 dann bereits bei 39 Prozent. Im Februar diesen Jahres wurde in einer Studie von [137]Jupiter MMXI einem Frauenanteil von 36 Prozent aller deutschen Surfern berichtet. Aber wenn die absoluten Zahlen sich auch unterscheiden, so ist der Trend zu mehr weiblicher Internetnutzung doch eindeutig. Rein zahlenmäßig haben die Frauen also beinahe mit den Männern gleichgezogen - aber gibt es qualitative Unterschiede in den Surfgewohnheiten? Eine ganze Reihe von Studien und Projekten haben sich mit dieser Fragestellung befasst. Die Ergebnisse dieser Studien sollten Webseiten-Betreiber aufhorchen lassen. Birgit Kampmann, Leiterin des Projekts "Frauen ans Netz" in Bielefeld, sagt, Frauen seien seltener und kürzer im Internet, gingen dafür aber zielgerichteter auf Informationssuche. Von besonderem Interesse seien Informationen zum Arbeitsmarkt und Serviceangebote, die Zeit sparen helfen. meinte sie in einem Gespräch mit gms/dpa. Auch die Jupiter MMXI-Studie ergab, dass Frauen gezielt nach Informationen zu Reisen, Einkaufen und Karriereplanung suchen. Überdurchschnittlich oft besuchten Surferinnen dieser Studie zufolge die Site des Arbeitsamts. "Frauen sind eben kommunikativer", so fasst Birgit Kampmann einen weiteren Aspekt spezifisch weiblicher Internetnutzung zusammen. Dies deckt sich mit Ergebnissen des [138]Zukunftsinstituts in Frankfurt. Unter dem Titel "[139]Die Zukunft des Internet" hat Matthias Horx, der Leiter des Instituts, Ergebnisse zu diesem Thema vorgelegt. Demnach beteiligt sich ein Fünftel der deutschen Surferinnen regelmäßig an Chats im Netz. Um Web-Inhalte auch auf die Bedürfnisse der weiblichen Nutzer besser abzustimmen, sollten mehr Frauen an der Gestaltung von Websites beteiligt sein. Diese Forderung wurde im März auf der internationalen Konferenz "[140]WOW - Woman on the Web" in Hamburg mit Nachdruck vertreten. Dieses Ziel verfolgt auch das Projekt "[141]idee-it" in Bielefeld. In Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin sowie Unternehmen, Verbänden und Städten sollen Mädchen und junge Frauen für IT-Jobs gewonnen werden. ([142]dwi/c't) References 7. http://www.citrix.de/ 8. http://www.tarantella.com/ 9. mailto:hps@ct.heise.de 27. http://www.nsi.com/ 28. http://www.heise.de/newsticker/data/jk-10.11.00-004/ 29. http://www.heise.de/newsticker/data/jk-27.02.01-008/ 30. http://www.ietf.org/internet-drafts/draft-ietf-idn-race-03.txt 31. http://www.ietf.org/html.charters/idn-charter.html 32. http://www.heise.de/newsticker/data/jk-14.11.00-004/ 33. http://www.heise.de/newsticker/data/jk-27.02.01-008/ 34. mailto:jk@ct.heise.de 41. http://www.ise.fhg.de/ 42. http://www.ise.fhg.de/german/fields/field3/mb3/index.html 43. http://www.heise.de/newsticker/data/klp-18.04.01-000/ 44. http://www.conrad.de/ 45. mailto:jk@ct.heise.de 86. http://www.heise.de/newsticker/data/jk-18.04.01-000/ 87. http://www.heise.de/newsticker/data/jk-17.01.01-011/ 88. http://www.heise.de/newsticker/data/ku-18.04.01-000/ 89. mailto:jk@ct.heise.de 114. http://www.guninski.com/ 115. mailto:pab@ct.heise.de 135. http://www.heise.de/newsticker/data/hag-20.03.01-002/ 136. http://www.gfk.de/ 137. http://www.jupitermmxi.com/ 138. http://www.zukunftsinstitut.de/ 139. http://www.zukunftsinstitut.de/Internet.html 140. http://www.heise.de/newsticker/data/atr-13.03.01-000/ 141. http://www.Idee-it.de/ 142. mailto:dwi@ct.heise.de
Meldungen vom 18.04.2001: Brennstoffzelle: Begeisterte Forscher, zögerliche Industrie In einem Hamburger Kindergarten hat sich die Technik schon bewährt, dennoch sind Verbraucher und Industrie noch immer skeptisch. "Sie wissen einfach zu wenig über das Prinzip der Brennstoffzelle", sagte [39]Arno Evers. Mit dem von ihm organisierten Auftritt von Unternehmen und Forschungsinstituten auf der Hannover Messe macht er seit 1995 Werbung für die "saubere Energiequelle". "Vor sechs Jahren haben wir mit zehn Ausstellern angefangen, in diesem Jahr werden es knapp 70 sein." Ob im Handy, im Auto oder im Großkraftwerk - überall funktioniert die Brennstoffzelle nach dem gleichen Prinzip. Sie erzeugt Strom und Wärme aus Wasserstoff und Sauerstoff, indem sie chemische in elektrische Energie umwandelt. Dabei entstehen Wasser und Wärme - sozusagen als Abfallprodukte. "Dieser Abfall kann genutzt werden, ohne schädliche Emissionen auszustoßen und ohne mechanische Vorgänge, die laut sind und Verschleiß mit sich bringen", sagt Evers. Zudem zeichneten sich Brennstoffzellen durch hohe Speicherkapazität und Effizienz aus. Unternehmen und Forschungsinstitute arbeiten seit Jahren an der Weiterentwicklung der "zukunftsträchtigen Technologie". So gelang es Wissenschaftlern des [40]Forschungszentrum Jülich Anfang des Jahres mit einer Brennstoffzelle die "1000-Watt-Schallmauer" zu überwinden. "Der von uns entwickelte Brennstoffzellen-Stapel liefert 1600 Watt und reicht damit für den Durchschnittsverbrauch eines Einfamilienhauses", sagte Bert de Haart vom Jülicher Forschungsteam. "Wir entwickeln die Technologien, die Industrie muss die serientauglichen Systeme entwickeln." Noch sei der Einsatz von Brennstoffzellen teurer als der von konventionellen Energieträgern. "Wir arbeiten daran, dass ein Brennstoffzellenantrieb in Zukunft genauso viel kostet wie ein Dieselmotor", sagt de Haart. Auch die Automobilindustrie hat die Brennstoffzelle längst für sich entdeckt. Opel präsentierte im letztjährigen Genfer Automobilsalon den Kompakt-Van Zafira mit Brennstoffzellen, BMW arbeitet an einem Bord-Energiesystem, das von Brennstoffzellen betrieben wird und DaimlerChrysler wird sein neuestes Brennstoffzellen-Modell, NECAR5, auf der Hannover Messe vorstellen. Der Stuttgarter Autobauer will zudem im nächsten Jahr mit Brennstoffzellen angetriebene Stadtbusse ausliefern. Im Jahr 2004 sollen dann die ersten serienmäßigen Pkw folgen - allerdings nicht in großer Stückzahl. Der Frankfurter Verband der Automobilindustrie (VDA) misst dem System zwar ein hohes Zukunftspotenzial zu, erwartet die serienmäßige Herstellung aber erst in einigen Jahren: "Wir rechnen damit, dass ein verbreiterter Einsatz dieser anspruchsvollen emissionsfreien Antriebe in Serienfahrzeugen gegen 2010 möglich sein wird", sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk. Und Brennstoffzellen-Promoter Evers weiß auch, warum: "Im Jahr 2004 wird in Kalifornien ein Gesetz in Kraft treten, nach dem 10 Prozent der Flotte eines jeden Herstellers emissionsfrei fahren müssen." So seien die Hersteller, die auf dem kalifornischen Markt bestehen wollen, gezwungen, solche Fahrzeuge anzubieten. "Über kurz oder lang wird dann auch Europa folgen." Ein weiteres Einsatzfeld der Brennstoffzellen sind Geräte wie Handys, Laptops oder Discman. Das [41]Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) wird auf der Hannover Messe Industrie Produktneuheiten für die gesamte "Mobile-Office-Branche" und die Kommunikationstechnologie vorstellen. "Erstmals können wir ein funktionstüchtiges und gehäuseintegriertes Brennstoffzellensystem zeigen", erläutert Ulf Groos vom Fraunhofer ISE. Noch ein Jahr veranschlagt er für die weitere Entwicklung, danach läge es an den Industriepartnern serienmäßige Produkte auf den Markt zu bringen. (Britta Schmeis, dpa) / ([42]klp/c't) ==================================================================== Neue Batterie ist umweltfreundlicher und leistungsfähiger Wissenschaftler am Anorganisch-Chemischen-Institut der [58]Universität Heidelberg haben einen neuartigen Hochleistungsakku entwickelt, der flexibler, leichter, umweltfreundlicher und leistungsfähiger ist als herkömmliche Akkus. Die beiden Forscher Volker Seifried und Professor Roland Krämer benutzten dafür ein neuartiges "organisches" Material für die Speicherung der elektrischen Energie, das aus der Chinon-Stoffgruppe stammt. Das Prinzip haben die Heidelberger Chemiker der Natur abgeschaut, denn Chinone sind auch in den menschlichen Zellen für die Speicherung und Übertragung von elektrischer Ladung zuständig. Für den chemischen Einsatz wird Chinon synthetisch aus Erdölkomponenten gewonnen. Im jetzt vorliegenden Modell des Chinon-Hochleistungsakkus mit einer Spannung von 1 Volt beziehungsweise 2,4 Volt und einer Leistung von etwa 300 Ah/kg ist die Energie mehr als doppelt so dicht gepackt wie in einem herkömmlichen Nickel-Cadmium- oder Nickel-Metallhydrid-Akku. "Damit erreichen wir die gleiche Leistung bei halbem Gewicht beziehungsweise die doppelte Betriebsdauer bei gleichem Gewicht", verkündet Krämer nicht ohne Stolz. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Akkus, die mit giftigem Schwermetalloxiden arbeiten, ist der Chinon-Anteil, je nach verwendeter chemischer Struktur, biologisch abbaubar, kompostierbar oder verbrennt zu ungiftigen Metallsalzen. Ein weiterer Vorteil des organischen Energieträgers gegenüber herkömmlichen Akkus liegt in seiner Anpassungsfähigkeit an bestimmte Anwendungsgebiete. Durch eine gezielte Veränderung der chemischen Struktur kann beispielsweise der Schwerpunkt mehr auf die Leistung, auf das Gewicht oder die Flexibilität des Akkus verschoben werden. So arbeiten die Forscher derzeit an der Herstellung von polymeren Chinonen mit kunststoffähnlichen Eigenschaften, die sich dann beispielsweise zu formflexiblen Folienakkus formen lassen und kleine, portable Geräte noch leichter machen. Typisches Anwendungsgebiet ist daher neben verschiedenen tragbaren elektronischen Geräten auch das Mobile Computing. "Überall dort, wo hohe Leistung bei geringem Gewicht gefragt ist, also beispielsweise beim Mobile Computing oder Handys, aber später vielleicht auch einmal in Elektro-Fahrzeugen, wo heute noch schwere, teure und giftige Blei-Batterien eingesetzt werden, bringt unsere Technik Vorteile", erklärt Krämer. Doch auch als ganz normaler Akku für den Walkman oder die Taschenlampe soll die Chinon-Variante einmal in die Warenhäuser kommen. Doch die Markteinführung dürfte noch auf sich warten lassen, "denn die momentane Akkuproduktion ist in erster Linie auf die Verwendung der herkömmlichen Schwermetalloxide ausgerichtet". Trotzdem rechnen die Forscher fest damit, dass ihr Akku, für den sie das deutsche Patent eingereicht haben, in den nächsten Jahren als konkurrenzfähiges Produkt auf den Markt kommen wird. Auf der Hannover Messe Industrie (Halle 18, G 06) ist der Chinon-Hochleistungsakkumulator erstmals zu sehen. Auch das Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie ([59]ISIT) arbeitet gemeinsam mit der Christian-Albrechts-Universität Kiel an formflexiblen Folienakkus für portable Geräte. Der Folienakku besteht dabei aus beschichteten Folien und einer Elektrolytpaste. Er ist nahezu beliebig formbar und speichert mehr Energie als ein Lithium-Ionen-Akku. Die weniger als 1 mm dünnen Akkufolien sollen auch einmal SmartCards mit Energie für Displays und Ähnliches versorgen. (Andreas Grote) / ([60]jk/c't) References 39. http://www.h2fair.de/wir/indexd.html 40. http://www.kfa-juelich.de/ 41. http://www.fraunhofer.de/german/profile/ise.html 42. mailto:klp@ct.heise.de 58. http://www.uni-heidelberg.de/ 59. http://www.isit.fhg.de/
Meldungen vom 17.04.2001: Haftung für Links Der Oberste Gerichtshof in Österreich hat sich erstmals mit der Frage beschäftigt, ob der Betreiber einer Website für einen Link auf eine andere Website haftet. Unter Anlehnung auf die deutsche Rechtsprechung hat der OGH bei einem Antrag auf einstweilige Verfügung entschieden, dass sich derjenige, der ein Angebot auf einer anderen Webseite verlinkt, sich diesen Inhalt zu Eigen macht und daher auch wettbewerbsrechtlich dafür verantwortlich ist. Bei dem Prozess geht es darum, dass eine Zeitung gegen den Betreiber einer Website geklagt hatte, von der unter der Überschrift "Stellenangebote/Joboffers" auf eine andere Website ein Link gelegt wurde. Dort wurden wettbewerbswidrig Stellenanzeigen aus der Zeitung ohne Erlaubnis veröffentlicht. Die Entscheidung des OGH betrifft erst einmal nur den Antrag auf einstweilige Verfügung. Während ein "bloßer Service-Provider" nur "distanziert fremde Inhalte bereithält", könne der Betreiber einer Website durchaus für den fremden Inhalt auf einer anderen verlinkten Website haften, wenn er sich diese zu Eigen macht. Dafür spricht nach Ansicht des Gerichts, wenn "der auf seiner Website einen Link setzende Anbieter den Inhalt der über den Link erreichbaren fremden Website so räumlich und sachlich in seine eigene Website ein(bindet), dass sie zu deren Bestandteil wird". Das aber heißt, dass die eigene Website durch die Links erweitert und vervollständigt wird. Grundsätzlich wollte das OGH aber den Tatbestand nicht klären, da im vorliegenden Fall die Sachlage eindeutig wäre: "Ob diese Haftungsgrundsätze auch dann gelten, wenn der Link bloß ein Fundstellennachweis ist (so etwa bei reinen Link-Sammlungen, die erkennbar als Serviceleistung auf Websites angeboten werden), muss hier nicht entschieden werden." Mehr in Telepolis: [44]Haftbar für Inhalte auf einer verlinkten fremden Website. ([45]fr/tp)
Meldungen vom 11.04.2001: TÜV entdeckt Sicherheitsloch in Firewall Bei einer routinemäßigen Sicherheitsüberprüfung mehrerer Kunden aus dem Bereich Internet-Providing (ISP) entdeckten die Spezialisten der [24]TÜV data protect gravierende Sicherheitsmängel in der Firewall-Software "IP Filter". Diese kommt insbesondere auf BSD-Systemen wie OpenBSD, FreeBSD und NetBSD zum Einsatz. Betroffen sind Version 3.4.16 sowie die älteren Releases. Die Behandlung von fragmentierten Paketen kann dazu führen, dass der Firewall Pakete, die er nach den Regeln eigentlich verwerfen müsste, trotzdem an das System weiterleitet. Konkret muss ein Angreifer dazu zunächst ein Paket an einen offenen TCP-Port senden. Der Firewall merkt sich dann in einem speziellen Cache diese reguläre Verbindung und wendet diese Cache-Regel auch auf folgende Pakete an, die sich zwar an einen anderen TCP-Port richten, aber dieselben IP-Informationen tragen. Die Lücke lässt sich auch ausnutzen, wenn der Firewall fragmentierte Pakete verwerfen soll. Auf diesem Weg lassen sich beliebige Dienste auf dem Firewall-Rechner erreichen. Nachdem einer der Entdecker die Sicherheitsklücke und die notwendigen Tools, um die "getarnten" Pakete zu erzeugen, auf der Mailingliste Bugtraq veröffentlicht hat, ist dringend anzuraten, auf die bereits korrigierte Version 3.4.17 von [25]IP Filter umzustellen. ([26]ju/c't) ==================================================================== Macromedia und Intel bringen Shockwave in die dritte Dimension [49]Macromedia kündigte eine neue Version ihres Entwicklungstools Director Shockwave Studio an. Die Version 8.5 werde vor allem um 3D-Authoring-Funktionen erweitert, die eine Einbindung dreidimensionaler Animationen in die eigene Webseite ermöglicht. Dabei bedient sich das Unternehmen der von Intel entwickelten [50]Internet 3D-Technologie. "Mit der kombinierten Power von Macromedia Director 8.5 und Intels 3D-Technologie gibt es endlich eine standardisierte Plattform zur Entwicklung und Verbreitung von 3D-Inhalten an die breite Basis der Shockwave-Nutzer", zeigte sich Kevin Lynch, Präsident der Macromedia, recht euphorisiert. Director 8.5 enthält ferner eine schnellere Version des Shockwave Multiuser Servers, der jetzt mit bis zu 2.000 Anwendern die doppelte Anzahl an Verbindungen verwalten kann wie bisher. Außerdem unterstützt die Software jetzt auch Flash 5 und RealMedia-Streaming-Dateien. Abgespielt werden die Inhalte von dem kostenlos erhältlichen Shockwave-Player. Eine englischsprachige Version des Director 8.5 Shockwave Studio soll vorausichtlich im Mai zum Preis von 1199 US-Dollar in den Handel kommen. Ein Upgrade von Version 8.0 wird 199 US-Dollar kosten. Die deutschsprachige Version soll ab Juni erhältlich sein. Eine Beta-Version des neuen Browser-Plugins für Shockwave 3D steht [51]bereits zum Download bereit. Macromedias Hauptkonkurrent Adobe hat auf der CeBIT 2001 eine eigene Lösung für 3D-Welten namens "[52]Atmosphere" vorgestellt. Im Unterschied zu Macromedia bietet Adobe neben einer Beta-Version des Browser-Plugins auch eine öffentliche Beta seines Entwicklungstools "Atmosphere Builder" [53]zum Download an. ([54]sha/c't) ==================================================================== IDE für Perl und Python läuft im Browser Innerhalb des Browsers Mozilla läuft die Perl- und Python-Entwicklungsumgebung "Komodo" von ActiveState. Aus XUL(XML-based User Interface Language)- und JavaScript-Dateien erzeugt der Browser zur Laufzeit die Benutzeroberfläche, die unter anderem über einen interaktiven Debugger verfügt. Er kann auch zur Fehlersuche in Programmen benutzt werden, die auf anderen Rechnern laufen. Laut ActiveState enthält die IDE ein Regular Expression Toolkit, das die Erstellung und Entwanzung regulärer Ausdrücke erleichtern soll. Online-Hilfe, automatische Vervollständigung von Funktionsaufrufen sowie ein- und ausklappbare Codeteile sollen die Arbeit mit dem Werkzeug erleichtern. Obwohl der Hersteller [107]Komodo als plattformübergreifend bezeichnet, ist die Version 1.0 bisher nur für Windows erhältlich; die Linux-Variante gibt es nur als Prerelease. Für den Einsatz in der Ausbildung ist Komodo [108]frei, andere Anwender müssen 295 US-Dollar Jahresgebühr für ein Abonnement von "ASPN Komodo" bezahlen, das Updates und Online-Zugang zu technischer Dokumentation beinhaltet. ([109]ck/iX) ==================================================================== Meldungen vom 10.04.2001: Sicherheitsloch in FTP-Servern unter Unix [123]PGP Security hat eine Sicherheitslücke in mehreren FTP-Servern gefunden, die es Angreifern unter gewissen Umständen gestattet, vollen Zugriff auf betroffene Rechner zu erlangen. Möglich ist das durch einen Fehler in der glob()-Funktion. Betroffen sind nach augenblicklichem Kenntnisstand FreeBSD 4.2, OpenBSD 2.8, NetBSD 1.5, Irix 6.5.x, HPUX 11 und Solaris 8. Die glob()-Funktion dient dazu, Wildcards (zum Beispiel "*.txt") für Datei- und Directory-Namen auch im FTP-Protokoll zu verwenden. Ein Fehler in der Implementierung ermöglicht es Angreifern, einen so genannten Buffer Overflow zu erzeugen; im schlimmsten Fall kann ein Angreifer damit beliebigen Programmcode auf dem betroffenen Rechner ausführen. Das Computer Emergency Response Team (CERT) stellt in einem [124]Advisory weitere Einzelheiten zu dieser Sicherheitslücke sowie Informationen zu Patches bereit. ([125]pab/c't) References 24. http://www.tuev-dataprotect.com/ 25. http://coombs.anu.edu.au/~avalon/ 26. mailto:ju@ct.heise.de 49. http://www.macromedia.com/ 50. http://developer.intel.com/ial/3Dsoftware/index.htm 51. http://www.macromedia.com/software/shockwaveplayer/public_beta/ 52. http://www.heise.de/newsticker/data/ghi-26.03.01-000/ 53. http://www.adobe.com/products/atmosphere/ 107. http://www.ActiveState.com/ASPN/About/Komodo 108. http://www.ActiveState.com/ASPN/About/Open 109. mailto:ck@ix.heise.de 123. http://www.pgp.com/ 124. http://www.cert.org/advisories/CA-2001-07.html 125. mailto:pab@ct.heise.de
Meldungen vom 10.04.2001: Fälschungssichere Tickets aus dem Internet Am Anfang stand der Ärger über die Schlange vor der Kinokasse. Eine halbe Stunde warten, und dann ist am Ende die letzte Karte weg. "Das darf doch in Zeiten von Internet gar nicht mehr sein." Christoph Busch vom Fraunhofer-Institut für graphische Datenverarbeitung ([30]Fraunhofer IGD) in Darmstadt kann sich bei diesem Thema immer wieder aufregen. Und er ist nicht der einzige. Deshalb ist er überzeugt, dass sein Patent für eine fälschungssichere Eintrittskarte per Internet ein Renner wird. Das System könnte für Eintrittskarten die Bedeutung erlangen, die das Datenkompressionsprogramm MP3 für die Musiküberspielung hat. Die zündende Idee kam dem Abteilungsleiter für Sicherheitstechnologie beim Feierabendbier, als wieder einmal die Rede auf die Kinoschlangen kam. Die Wissenschaftler ließen ihre Gedanken fliegen und wurden fündig: Eine elektronische Verschlüsselung gepaart mit einem Barcode, jener Strichfolge, mit der auch Lebensmittel an der Kasse abgerechnet werden. Allerdings hat Busch auf den so genannten zweidimensionalen Code zurückgegriffen, bei dem die Striche in rechtem Winkel übereinander liegen. Auf diese Weise können dort viel mehr Informationen untergebracht werden. Dieses quadratische Webmuster soll nun die Eintrittskarten der Zukunft prägen. Am Einlass kann der Scanner sofort erkennen, wann das Ticket gekauft und ob es schon einmal vorgezeigt wurde. Die Karten können mit jedem Drucker ausgedruckt werden, "selbst auf meinem Exemplar aus Studententagen, das hellgrau auf weiß druckt", bestätigt Busch. Sie können gefaxt werden und sind selbst in zerknittertem Zustand noch eindeutig zu identifizieren. Im Kulturzentrum "[31]Centralstation" in Darmstadt hat diese Zukunft bereits begonnen. "Dort kann ich noch eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn eine Karte aus dem Internet ausdrucken lassen", begeistert sich Busch. Als er seinem Freund Alexander Marschall, einem der Geschäftsführer der "Centralstation", die Erfindung ans Herz legte, war dieser wenig begeistert. "Ich wollte nicht schon wieder ein neues Ticketsystem einführen." Inzwischen gehört er zu den glühendsten Verfechtern. "Natürlich versuchen immer wieder Besucher, mit einer kopierten Karte hereinzukommen, vor allem bei ausverkauften Veranstaltungen", erzählt Marschall. Sie werden dann freundlich an die Kasse geschickt und müssen sich dort unangenehmen Fragen stellen. "Von 50 Betroffen kommt nur einer unten an, die anderen geben ihr Vorhaben auf", sagt Marschall. Den Code zu knacken, hält er für fast unmöglich. "Dafür müssten alle Rechner der Welt drei Jahre lang rechnen, und dieser Aufwand ist für eine Eintrittskarte wohl nicht angemessen." Bei der "Centralstation" nutzen auch die Vorverkaufsstellen den Internet-Verkauf. "Jeder kann auf 100 Prozent des Kontingents zurückgreifen", erklärt Marschall. Damit sind die Zeiten vorbei, in denen einige Vorverkaufsstellen auf Karten sitzen blieben, die in anderen händeringend gesucht wurden. Hat jemand seine Karte verloren, so kann ihm die "Centralstation" mit Hilfe seiner Daten eine neue ausstellen. Gesichert hat sich das Patent die Münchner Firma "[32]Net-Up", der Marschall als Berater zur Seite steht. Einige kleine Kulturträger wie das E-Werk in Erlangen oder die München-Pasinger Fabrik vertrauen auf die Innovation. Mit der "Körperwelten-Ausstellung" in Berlin hat sich bereits auch ein prominenter Kunde gefunden. "Wir stehen im Moment außerdem mit einem der beiden großen Ticketverkäufer in Deutschland in Verhandlungen", sagt Marschall. Finanziert wird das System weitgehend durch den Kartenverkauf. Rund 1,50 Mark pro Ticket gehen an "Net-Up" und einige Pfennige an das Fraunhofer-Institut, erklärt Marschall: "Die Kunden merken davon nichts, die Karten werden weder billiger noch teurer." Ob die neue Technik ein Erfolg wird, hängt nicht zuletzt von den Kunden ab. In der "Centralstation" nutzen etwa 15 Prozent das Online-Angebot. Das größte Hindernis ist für Marschall die menschliche Psyche: Viele Kulturliebhaber steuern ihre festen Vorverkaufsstellen wegen der Ansprache an. Andere lehnen das Internet ab, eine Einstellung, die der Geschäftsführer nur allzu gut kennt: "Meine Freundin würde sich nie so eine Karte holen." (Ingo Senft-Werner, dpa) / ([33]wst/c't) ==================================================================== Erster Schweizer Open-Source-Preis verliehen Im gut gefüllten Auditorium maximum der ETH Zürich wurde am gestrigen Montag der erste Preis für die beste Schweizer Software verliehen, die als Open Source entwickelt wurde. Veranstaltet wurde der Wettbewerb von [52]/ch/open, der Swiss Open Systems User Group und der IT-Gruppe der Abteilung Elektrotechnik der Universität. Qualifizieren konnte sich nur GPL-Software, die von einem Schweizer oder einem in der Schweiz lebenden Mitbürger entwickelt wurde. Acht eingereichte Projekte wurden auf Originalität, Qualität des Source-Codes und der Dokumentation und auf Portabilität überprüft und gewertet. Den ersten Preis gewann der professionelle Softwareentwickler Andreas Müller mit seinem High-Availablity-Projekt [53]Failover. Der zweite Preis ging an den Studenten Kay Römer, der eine CORBA-Implementierung unter dem Namen [54]Mico ins Rennen schickte. Der dritte Preis ging an den in Zürich forschenden Andrew Muston und sein CAD-Projekt QCad (http://www.qcad.org). Ursprünglich sollte ein Preisgeld gezahlt werden, doch wurde die Jury vom Einbruch in das Büro der /ch/open/ kalt erwischt. Sun Microsystems Schweiz spendete in letzter Minute Hardwarepreise und eine Reise in die US-Labors. Alle Teilnehmer des Wettbewerbs werden auf der [55]Wettbewerbssite beschrieben. Zum Festvortrag nach der Preisverleihung kam Richard Stallman zu Wort, der sich in einem zweistündigen Monolog kräftig bemühte, die sprengende Wirkung freier Software im Sinne der Free Software Foundation gegen allzu lasche Interpretationen der Open Source hervorzuheben. Stallmann setzte mit seiner Kritik an der bevorstehenden Volkszählung im Kanton Genf an, die komplett mit proprietärer Software abgewickelt wird. So wüssten die Bürger im Musterland der Bürgerbeteiligung am Ende nicht, was über sie wie gesammelt und verarbeitet wird. Die nächste Konferenz, die sich mit dem Konzept freier Software und ihren politischen Konsequenzen befasst, ist die [56]Oekonux, die vom 28.4. bis 30.4. an der Fachhochschule Dortmund abgehalten wird. (Detlef Borchers) / ([57]wst/c't) References 30. http://www.igd.fhg.de/ 31. http://www.centralticket.de/ 32. http://www.net-up.de/ 33. mailto:wst@ct.heise.de 52. http://www.ch-open.ch/ 53. http://failover.othello.ch/index.html 54. http://www.mico.org/ 55. http://opensource.ee.ethz.ch/ 56. http://www.oekonux.de/ 57. mailto:wst@ct.heise.de
Meldungen vom 06.04.2001: Krypto-Plug-in der Post verschickt Klartext Nach Erkenntnissen der Fachzeitschrift [10]KES verschickt das Mail-Client-Plug-in "eTrust Mail für Microsoft Outlook" im Zusammenspiel mit Microsoft Exchange 2000 verschlüsselte Nachrichten zusätzlich auch im Klartext. Das Sicherheitsloch fiel bei Interoperabilitätstests auf und wurde von der [11]Deutschen Post eBusiness GmbH Geschäftsfeld Signtrust bestätigt. Betroffen sind sowohl die Version 1.01 als auch die neue Version 1.11. Innerhalb einer Exchange-2000-Umgebung, etwa im Intranet, tritt der Fehler normalerweise ständig auf, beim Versand an einen externen SMTP-Server nur dann, wenn der Absender oder sein Mail-Administrator als Übertragungsformat RTF (Rich Text Format) gewählt hat. Mit einem Exchange Server 5.5 oder einer direkten Anbindung an einen SMTP/POP3-Server tritt der Fehler nach Angaben der Tester hingegen nicht auf. Beim Versand der aktuellen Version weist die Deutsche Post Signtrust zwar bereits darauf hin, dass eTrust Mail in Kombination mit einem Microsoft Exchange Server 2000 "zurzeit nicht einsetzbar" sei, gibt aber keinen Hinweis auf ein Sicherheitsproblem. Beim Betrieb mit Exchange 2000 zeigen sich jedoch zunächst keine Auffälligkeiten. Normalerweise bemerkt auch der Empfänger den Fehler nicht, da ein dort installiertes Plug-in nur die verschlüsselten Mail-Anteile auswertet und den Klartext im Standard-Mail-Body in der Regel nicht darstellt. Ein Sprecher der Deutschen Post Signtrust erklärte gegenüber KES, dass in eng umgrenzten Anwendungsumgebungen "derartige Probleme gelegentlich zutage treten". Üblicherweise handele es sich dabei um Firmeninstallationen, die durch die Professional Services der Deutschen Post betreut werden, sodass die Fehler bereits bei der Einrichtung der Systeme auffielen, bevor sie im realen Einsatz zum Tragen kommen können. Bei der Markteinführung neuer Plattformen komme es immer wieder zu Kompatibilitätsproblemen. Nach Angaben der Deutschen Post Signtrust gab es "zum Zeitpunkt der Entwicklung und Evaluierung der betroffenen Version von eTrust Mail noch keine marktfähige Version von Microsoft Exchange Server 2000." Die Zertifizierung der gemäß Signaturgesetz (SigG) evaluierten "Signtrust Anwenderkomponente" eTrust Mail bezieht sich übrigens nicht auf die Verschlüsselungsfunktion, sondern ausschließlich auf die digitale Signatur. Der jetzt gefundene Fehler dürfte also keine Auswirkung auf die Verbindlichkeit von digitalen Signaturen mit dem Tool der Deutschen Post Signtrust haben. (Norbert Luckhardt) / ([12]ju/c't) References 10. http://www.kes.de/ 11. http://www.signtrust.de/start.htm 12. mailto:ju@ct.heise.de
Meldungen vom 05.04.2001: MIT stellt Vorlesungsmaterialien ins Internet Die US-Eliteuniversität Massachusetts Institute of Technology [137](MIT) will nahezu alle Kursmaterialien wie Vorlesungsskripte, Übungen, und Literaturlisten kostenlos im Internet publizieren. Mit dem Projekt OpenCourseWare wendet sich die Universität gegen die zunehmende "Privatisierung des Wissens". In einem auf zwei Jahre angelegten Pilotprojekt will das MIT zunächst die Software und die nötige Infrastruktur entwickeln - zum Ende des Pilotprojektes sollen bis zu 500 Kurse über die Projekt-Website zugänglich gemacht werden. Insgesamt will das MIT in den nächsten zehn Jahren die Materialien für über 2000 verschiedene Vorlesungen aus Architektur, Kunst, Sozialwissenschaften, Ingenieurswissenschaften, Management und Naturwissenschaften veröffentlichen. Das Projekt wird voraussichtlich 100 Millionen US-Dollar verschlingen; die Universität sucht deshalb zurzeit noch nach Sponsoren. ([138]wst/c't) References 137. http://www.mit.edu/ 138. mailto:wst@ct.heise.de
Meldungen vom 04.04.2001: Kostenlose Chat-Software könnte ISDN-Netze verstopfen Unter dem Namen Linefire will der Programmierer Aron Spohr am morgigen Donnerstag eine Windows-Software unter [20]www.linefire.de zum Download bereitstellen, die Textnachrichten zwischen ISDN-Anschlüssen kostenlos befördert. Aron Spohr machte bereits 1998 auf sich [21]aufmerksam, als er die Zugangscodes der Online-Dienste AOL und T-Online geknackt hatte. Auf die Idee für die Linefire-Software kam er noch vor dem Wirbel um die Zugangscodes, als ihm klar wurde, dass Informationspakete, die bei jedem ISDN-Anruf übermittelt werden, als Transportmittel für einige wenige Bytes in Frage kommen. Üblicherweise werden mit den Paketen, die ISDN-Anrufe einleiten, Informationen wie Rufnummern oder Service-IDs übertragen. Spohr erkannte jedoch, dass man zusätzlich zu den essenziellen Daten pro Anrufversuch noch "sechs bis sieben beliebige" Bytes an die angerufene Gegenstelle mitschicken kann - das soll nun das Windows-Programm Linefire bewerkstelligen, das einen PC mit handelsüblicher ISDN-Karte nutzt. Die Software birgt einiges an Zündstoff: Sie ist wie zum Beispiel der Online-Messenger von AOL zum Chatten ausgelegt, doch ein mit Linefire ausgestatteter Empfänger-PC bekommt die Daten, ohne dass dabei eine kostenpflichtige Verbindung aufgebaut wird. Selbst grenzübergreifend soll das Verfahren funktionieren, sofern auf der Gegenseite ein Euro-ISDN-Anschluss vorhanden ist. Spohr zufolge seien schon einige der Texttelegramme erfolgreich zwischen ISDN-Anschlüssen in Deutschland und den Niederlanden übertragen worden. Die Telekom - und wohl auch andere ISDN-Netzbetreiber - müssen nun fürchten, dass die Software ihre Vermittlungen zumindest vorübergehend lahm legen wird. Linefire setzt zwar eine Datenkompression ein, um die niedrige Transportkapazität der ISDN-Pakete besser auszuschöpfen und eine 100 Zeichen lange Nachricht ist laut Spohr in nur fünf Sekunden übertragen, doch sind dafür rund ein Dutzend "Anrufversuche" notwendig. Wenn sich wie befürchtet zahlreiche Anwender dieser Software bedienen, ist wegen der "hochfrequenten" Nutzung der Vermittlungsrechner, die ja für solche "Anwendungen" nicht gedacht sind, mit Behinderungen im Sprach- und Datenverkehr zu rechnen. Nach Lage der Dinge lassen sich Linefire-Meldungen bisher technisch nicht unterbinden. Spohr erklärte jedoch in einem Gespräch mit heise online, dass die Telekom über Linefire schon im Vorfeld informiert gewesen sei: "Ich habe Ron Sommer persönlich angeschrieben und eine Kooperation vorgeschlagen". Doch ein mit der Anwort betrauter T-Online-Mitarbeiter schrieb zurück, dass man an keiner Zusammenarbeit interessiert sei. Spohr rechnet nun damit, dass der Kommunikationsriese eine Störung seiner Vermittlungen nicht hinnehmen werde, es sei bereits ein Anwalt hinzugezogen. Nach Meinung von Fachleuten dürfte eine einstweilige Verfügung seitens der Telekom nicht lange auf sich warten lassen. Eine lange Lebensdauer dürfte Programmen wie Linefire ohnehin nicht beschieden sein: Die Netzbetreiber werden wohl in wenigen Wochen Updates für ihre Vermittlungen einspielen können, die die Linefire-Inhalte filtern. ([22]dz/c't)
Meldungen vom 31.03.2001: Verfassungschutz: Zahl rechtsextremistischer Websites steigt weiter Die Propaganda deutschsprachiger Rechtsextremisten über das Internet nimmt nach einem Bericht der [2]Stuttgarter Nachrichten vom heutigen Samstag weiter zu: Die Zahl der identifizierten Internet-Seiten sei innerhalb der vergangenen fünf Monate von 800 auf 1.000 gewachsen. Die Zahlen gehen aus dem neuen Zwischenbericht des baden-württembergischen [3]Landesamtes für Verfassungsschutz in Stuttgart hervor, der dem Blatt vorliegt. Noch am Donnerstag hatte Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) bei der Vorlage des Verfassungsschutzberichts 2000 in Berlin davor gewarnt, dass die Rechtsextremisten immer gewaltbereiter und vor allem jünger werden. Die Szene benutze dabei das weltweite Netz zunehmend als Kommunikationsmittel. Im November 2000 hatte sich eine neue Bund-Länder-Arbeitsgruppe erstmals mit Mitarbeitern aus Verfassungsschutzbehörden des Bundes und einiger Bundesländer gezielt auf die Suche nach Web-Seiten mit rechtsextremistischen Inhalten gemacht. Dabei wurden insgesamt 800 Seiten mit volksverhetzender und verfassungsfeindlicher Propaganda entdeckt. Im Jahr zuvor seien es noch 330 Seiten gewesen. Die Initiative zur bundesweiten Zusammenarbeit war vom Landesamt für Verfassungsschutz in Stuttgart ausgegangen, berichtet dpa. Dort gibt es seit 1997 das Referat Neue Medien, das sich schwerpunktmäßig um das Thema kümmert. Beim Verfassungsschutz in Stuttgart wurde die neue Zahl bestätigt. "Diese Entwicklung bereitet uns Sorgen", sagte der stellvertretende Behördenleiter Hans-Jürgen Doll der Zeitung. Die jetzt gefundenen, 200 neuen deutschsprachigen Seiten kämen in der Mehrzahl aus den USA; sie würden auch über US-Provider ins Internet gestellt. Obwohl die ermittelten Seiten rund um die Uhr überwacht würden, blieben die Absender meist anonym, könnten also strafrechtlich nicht verfolgt werden. Doll forderte gegenüber den Stuttgarter Nachrichten deshalb eine bessere internationale Zusammenarbeit der Fahnder. Zwei Gerichtsurteile aus jüngster Zeit gäben Anlass zur Hoffnung, erklärte Doll allerdings. Er bezog sich dabei zum einen auf das [4]Urteil gegen Yahoo Frankreich, nach dem das Internet-Portal den Zugang zu Auktionsseiten, auf denen mit Nazi-Memorabilien gehandelt wird, für französische Bürger sperren muss. Zum anderen bezeichnete Doll auch das Urteil des Bundesgerichtshofs gegen den Australier Frederick Toben als "Anzeichen eines Umdenkungsprozesses über die Meinungsfreiheit im Internet". Der Bundesgerichtshof [5]hatte entschieden, dass volksverhetzende Inhalte, die auf einem ausländischen Server ins Internet eingestellt werden, aber Internet-Nutzern in Deutschland zugänglich sind, "den Frieden in Deutschland stören''. Der öffentliche Druck, solche Web-Seiten zu sperren, müsse aufrechterhalten werden, meinte Doll laut der Stuttgarter Zeitung. Gerade das Urteil des Bundesgerichtshofs war allerdings auch [6]auf heftige Kritik gestoßen. ([7]jk/c't) ==================================================================== Strafbare Links Der Deutsche Bundesrat will in das neue E-Commerce-Gesetz verschärfte Regelungen zur Verantwortlichkeit im Internet einbringen. Das sieht die Stellungnahme zum [11]Regierungsentwurf über die Umsetzung der [12]E-Commerce-Richtlinie der EU in nationales Recht vor, die die Länderkammer gestern abgegeben hat. Bislang gebe es "erhebliche rechtliche Unsicherheit" bei der Verantwortlichkeit von Hyperlinks, heißt es in einer Mitteilung des Bundesrates. Künftig sollen beispielsweise auch diejenigen strafrechtlich verfolgt werden können, die einen Link auf einen "volksverhetzenden Inhalt" setzen - und zwar selbst dann, wenn der Betreffende sich den Inhalt nicht zu Eigen macht. Aus der Mitteilung geht nicht hervor, ob es dazu Einschränkungen geben und ob das Verbot etwa auch die Nennung einer URL betreffen soll, die keinen aktiven Link darstellt. Unklar bleibt überdies, ob davon beispielsweise auch Suchmaschinen betroffen sein sollten. Die Länderkammer fordert ferner, das Herkunftslandprinzip nicht "unnötig" einzuschränken. Die im Gesetzentwurf vorgesehene Ausnahme, den Verbraucherschutz abhängig vom Wohnort des Verbrauchers zu machen, wird vom Bundesrat allerdings uneingeschränkt begrüßt. Die E-Commerce-Richtlinie der EU, die die rechtlichen Rahmenbedingungen für den elektronischen Geschäftsverkehr legt, sieht unter anderem vor, dass elektronisch abgeschlossene Verträge rechtsgültig sind und dass die Provider für Inhalte beim Caching und Hosting nicht zur Verantwortung gezogen werden können. Das "Herkunftslandprinzip" regelt, dass Anbieter sich an die Gesetze des Staates halten müssen, in dem sie niedergelassen sind. Beim Verbraucherschutz soll hingegen das Recht des Landes gelten, in dem der Kunde wohnt. Mehr in Telepolis: [13]Strafrechtliche Haftung für Links auf rechtswidrige Seiten. ([14]fr/tp) ==================================================================== Kritische Sicherheitslücke in Internet Explorer 5.x Microsoft hat ein Sicherheitswarnung [57]herausgegeben, nach der falsch definierte MIME-Typen (Multi Purpose Mail Extensions) den Internet Explorer 5.01 und 5.5 (Service Pack 2 für IE 5.01 ist nicht betroffen) dazu veranlassen können, etwaige MIME-kodierte Dateianhänge von HTML-Mails ohne Berücksichtigung der Sicherheitseinstellungen automatisch auszuführen. Dadurch wird eine kritische Sicherheitslücke geöffnet. Konkret betrifft die Schwachstelle EML-Dateien, so genanntes "MIME Multipart". Diese entstehen, wenn Binärcode als Anhang per E-Mail verschickt wird. Internet Explorer 5.01 und 5.5 führen diese Dateianhänge ohne Nachfrage aus und eröffnen somit etwaigen Angreifern die Möglichkeit, beliebigen Code auf dem lokalen Rechner auszuführen. Um die Sicherheitslücke zu veranschaulichen, hat ihr Entdecker, Juan Carlos García Cuartango, auf der spanischen Security-Site [58]Kriptopolis.com einige [59]Demos bereitgestellt. Da sowohl Microsoft Outlook als auch Outlook Express den Internet Explorer zur Darstellung von HTML-Mails verwenden, sind auch diese Mail-Programme von der Sicherheitslücke betroffen, falls eine der beiden IE-Versionen installiert ist. Microsoft hat bereits [60]einen Patch bereitgestellt, der inzwischen alle Sprachversionen des Internet Explorer abdeckt. ([61]vza/c't) References 1. http://www.heise.de/ 2. http://www.stuttgarter-nachrichten.de/ 3. http://www.baden-wuerttemberg.de/verfassungsschutz/ 4. http://www.heise.de/newsticker/data/fr-20.11.00-000/ 5. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/4467/1.html 6. http://www.heise.de/newsticker/data/fr-21.12.00-001/ 7. mailto:jk@ct.heise.de 11. http://www.heise.de/newsticker/data/hod-14.02.01-000/default.shtml 12. http://www.heise.de/newsticker/data/ad-04.05.00-000 13. http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/7264/1.html 14. mailto:fr@tp.heise.de 57. http://www.microsoft.com/technet/security/bulletin/MS01-020.asp 58. http://www.kriptopolis.com/ 59. http://www.kriptopolis.com/cua/eml.html 60. http://www.microsoft.com/windows/ie/download/critical/Q290108/default.asp 61. mailto:vza@ct.heise.de
Meldungen vom 29.03.2001: Internet-Betrug meist durch Insider Laut einer Umfrage des Schweizer Wirtschaftsprüfungsunternehmens [8]KPMG findet Betrug von Firmen im Internet meist durch eigene Mitarbeiter und nicht durch externe Angreifer statt. Die KPMG, nach eigenen Angaben eines der fünf größten Wirtschaftsprüfungsunternehmen der Welt, hatte insgesamt 1.250 Führungskräfte großer Unternehmen aus zwölf Ländern befragt. Die Gefahr von Innen werde von den Führungskräften allgemein unterschätzt, sodass oft angemessene Sicherheitsvorkehrungen fehlten. 79 Prozent der Firmenchefs seien der Meinung, dass in ihr E-Commerce-System sehr wahrscheinlich von außen über das Internet oder andere Zugangsmöglichkeiten eingebrochen werde, schreibt die KPMG. Dagegen zeige sich, dass drei Mal mehr Sicherheitsverletzungen von Personen mit internen Systemkenntnissen begangen würden. Die Angriffe kämen von unzufriedenen oder ehemaligen Mitarbeitern sowie Anbietern externer Dienste, auf die ein Unternehmen zurückgreife. ([9]hag/c't) ==================================================================== EU-Parlamentarier drängeln auf .eu-Domain Mehr Unabhängigkeit für die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers ([26]ICANN), eine Harmonisierung der Verwaltungen der Länderadressbereiche ([27]ccTLDs) und die möglichst schnelle Schaffung eines [28]Adressbereichs für die Union unter .eu fordern die Abgeordneten des Europaparlaments. Der EU-Adressbereich soll sogar "Modell" für die Länderadressbereiche und das Registriergeschäft insgesamt werden, wünschen die Parlamentarier. Überhaupt soll die Internetgesetzgebung in den Mitgliedsstaaten harmonisert und deren Beachtung auch auf die Liste der Anforderungen für Neumitglieder gesetzt werden. Die Mitte März gefaßte [29]Entschließung ist die Antwort des Parlaments auf das von der Kommission vorgelegte [30]Grundsatzpapier zu "Organisation und Verwaltung des Internet" und beschäftigt sich deshalb mit einer ganzen Liste von Fragen. Deutlich ist die Kritik an der Sonderstellung, die die USA bei der Aufsicht über die ICANN besitzt. "Das Europäische Parlament betrachtet es als notwendig, die Unabhängigkeit ICANNs von der US-Regierung zu garantieren und einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen, in dem sich (ICANN) in Zukunft bewegt [...]." Auch auf die internationale Repräsentativität in der Organisation pochen die EU-Parlamentarier und fordern offensichtlich mit Blick auf die Diskussionen um die Mitgliedschaft der Internet-Nutzer bei der ICANN (At-large-Mitglieder) weiter die "Einführung eines transparenten Prozesses für die Mitgliedschaft". Die Demokratisierung und Internationalisierung der Organisation, so die Grundsatzposition, müssten abgeschlossen werden. Leise Mahnungen gehen auch an die Adresse der ICANN, die an ihre Verpflichtung zu transparenten Entscheidungen erinnert wird. So sei es wichtig, "möglichst rasch den Rückstand aufzuholen, der bei der [31]Einführung der sieben neuen Bereichsnamen entstanden ist, und generell transparenter und demokratischer vorzugehen, wenn es künftig darum geht, weitere neue Bereichsnamen einzuführen." "Ich glaube nicht, dass der Bericht Kritik an den USA übt", teilte der für die Vorbereitung der Entscheidung verantwortliche [32]Berichterstatter Massimo Carraro gegenüber heise online mit. Er sei persönlich von der wichtigen Rolle überzeugt, die die USA bei der Entwicklung des Internet habe. "Heute ist die Situation aber eine andere: Das Internet hat inzwischen eine beträchtliche Zahl von Nutzern, und aus diesem Grund halte ich es für notwendig, Unabhängigkeit für die ICANN nicht nur von der Regierung der USA, sondern auch von der Bürokratie der Gemeinschaft zu erreichen." ICANN müsse, so italienische Abgeordnete, internationale Neutralität wahren und auf das Prinzip der Selbstregulierung aufgebaut sein. Ganz eindeutig ist allerdings die Haltung des Parlamentes in der Frage Selbstregulierung versus gesetzlicher Regulierung nicht, wird doch die Rolle des Regierungsbeirates der ICANN noch einmal grundsätzlich betont. Vor allem aber stehen die Überlegungen von einer Harmonisierung der Registrierpolitik für die Länderadressbereiche der Mitgliedsstaaten im Widerspruch zur Selbstregulierungsidee. Die Regierungen der Mitgliedsstaaten werden aufgefordert, die Registierung von Domains in ihrem Land EU-einheitlich zu regulieren. Die Registrierpolitik wird bislang in den Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich - und normalerweise eben nicht gesetzlich, sondern von den Registrierstellen selbst - geregelt. "Ich denke, man kann angesichts der gewachsenen Verfahren aus einer .de nicht eine .fr machen", sagt die Geschäftsführerin des [33]DeNIC, Sabine Dolderer. .de-Adressen werden nach wesentlich liberaleren Grundsätzen vergeben als die Adressen in Frankreich. Strenge Regeln für die Namensvergabe führten aber vor allem dazu, dass weniger Adressen registriert werden und die Nutzer in den .com-Bereich ausweichen. Immer mehr Länderadressbereiche in Europa entscheiden sich daher für liberalere Registrierrichtlinien. "Das Binnenmarktsprinzip ist so etwas wie ein Mantra in der Union", erklärt die EU-Abgeordnete Erika Mann (SPD). "Allerdings halte ich nichts von einer Harmonisierung, die bereits fortgeschrittenere Vorstellungen in den Mitgliedsstaaten einschränkt." Im vorliegenden Fall macht dies ihrer Meinung nach keinen Sinn. Der Widerspruch in der Entschließung sei allenfalls dadurch erklärbar, dass man unterschiedliche Interessen habe bedienen wollen. Interessen, die mit bedient wurden, sind deutlich die Markenschutzinteressen. Denn die Harmonisierung von Marken- und Namensrechtsstreitigkeiten ist ein zentrales Anliegen des Dokumentes. Die Kommission, der das Parlament generell eine zentrale Rolle in der euroäischen "Internetpolitik" - etwa auch bei der Aufsicht des ICANN-Prozesses - zusprach, soll daher ein "effektives alternatives Schlichtungsverfahren fördern". Als Modell dafür sollen nach der Vorstellung des Parlamentes die außergerichtlichen Schlichterverfahren dienen, die die World Intellectual Property Organisation (WIPO) in Genf [34]kürzlich vorgestellt hat. "Wir führen das ein, wenn wir müssen", betonte Dolderer. "Aber in Deutschland glaube ich einfach nicht an einen großen Bedarf." Als strahlendes Beispiel für die Domain-Registrierung in Europa und international ist die .eu-Registry geplant, das Parlament sieht sie schon als das best-practice-Modell. Noch allerdings sind die [35]Regeln für Europas Adressbereich nicht geschrieben, ja noch nicht einmal festgelegt, wer die Regeln aufsetzen und wieviel Selbstregulierung es dann auf euroäischer Ebene sein darf. (Monika Ermert) / ([36]jk/c't) ==================================================================== US-Kongress will gegen Spam-Flut vorgehen Der [67]US-Kongress will Verbraucher gegen die Flut unerwünschter Werbe-E-Mails schützen. Der Handelsausschuss billigte einen [68]Entwurf, der Junk-Mail verbietet, wenn der Absender nicht erkennbar ist und der Empfänger damit künftige Post nicht selbst abblocken kann. Nach Angaben der Abgeordneten [69]Heather Wilson, die den Entwurf einbrachte, werden viele Verbraucher mit unerwünschter Werbe-Mail förmlich überflutet. Nach neuen Berechnungen koste dies die Verbraucher fast zehn Milliarden US-Dollar an zusätzlichen Verbindungskosten mit dem Internet. Der Entwurf sieht unter anderem vor, dass Verstöße mit bis zu 500 US-Dollar pro verschickter E-Mail bestraft werden können. Da viele Werber teilweise hunderttausende E-Mails versenden, gilt dies als harte Strafe. ([70]jk/c't) References 8. http://www.kpmg.ch/ 26. http://www.icann.org/ 27. http://www.iana.org/cctld/cctld-whois.htm 28. http://www.heise.de/newsticker/data/jk-18.12.00-006/ 29. http://www3.europarl.eu.int/omk/omnsapir.so/pv2?PRG=DOCPV&APP=PV2&LANGUE=DE&SDOCTA=10&TXTLST=1&POS=1&Type_Doc=RESOL&TPV=PROV&DATE=150301&PrgPrev=PRG@TITRE|APP@PV2|TYPEF@TITRE|YEAR@01|Find@%49%6e%74%65%72%6e%65%74|FILE@BIBLIO01|PLAGE@1&TYPEF=TITRE&NUMB=1&DATEF=010315 30. http://europa.eu.int/eur-lex/de/com/cnc/2000/com2000_0202de01.pdf 31. http://www.heise.de/ct/00/25/066/ 32. http://www2.europarl.eu.int/omk/OM-Europarl?PROG=REPORT&L=DE&PUBREF=-//EP//NONSGML+REPORT+A5-2001-0063+0+DOC+PDF+V0//DE&LEVEL=2 33. http://www.denic.de/ 34. http://www.heise.de/newsticker/data/jk-04.03.01-005/ 35. http://europa.eu.int/comm/information_society/policy/internet/registry_en.htm 36. mailto:jk@ct.heise.de 67. http://www.congress.gov/ 68. http://thomas.loc.gov/cgi-bin/query/z?c107:H.R.718: 69. http://hillsource.house.gov/wilson/ 70. mailto:jk@ct.heise.de
Meldungen vom 28.03.2001: Virus befällt Linux und Windows Erstmals ist mit [47]"Win32.Winux" oder "Linux.Winux" ein Virus aufgetaucht, der laut [48]Central Command nicht nur EXE-Dateien unter Windows, sondern auch ausführbare (ELF-)Programme unter Linux befällt. Andere Hersteller von Antiviren-Software nennen den Schädling auch [49]"W32/Lindose" oder [50]"W32.PEElf.2132". Auf der Windows-Seite scheinen von dem Virus nur kleinere Programmdateien betroffen: Dort überschreibt er einen Teil der Informationen, den die Laderoutine des Betriebssystems benutzt, um Code und Daten in den Speicher zu holen und dort zu verschieben (Relocation). Befallene Dateien sind deshalb nicht wieder herstellbar. Unter Linux arbeitet der Virus anders: Er hängt die Schadroutine an die Datei an; nach ihrer Ausführung übergibt er die Kontrolle an den eigentlichen Code. Die Verbreitungsroutine des Virus scheint recht simpel gestrickt zu sein. Sie durchsucht das Verzeichnis, in der eine befallene Datei aufgerufen wird, sowie alle Unterverzeichnisse. Dort vorhandene Windows-EXE- und Linux-ELF-Dateien werden befallen. Der Virus stammt offenbar aus der Feder einer bekannten Gruppe (namens "29A") von Viren-Autoren. Als eher schlechter Scherz ist wohl anzusehen, dass der Autor "Benny" sein Werk unter die GPL gestellt hat; das jedenfalls legt ein im Virus abgelegter Text nahe. Der Virus ist derzeit angeblich nicht in freier Wildbahn anzutreffen; es dürfte sich nach Meinung der Antiviren-Hersteller um ein proof of concept handeln. Die [51]wichtigsten Hersteller von Antivirus-Software bieten bereits Updates für ihre Produkte an. ([52]ps/c't) ==================================================================== Forschungsarbeiten zu photonischen Kristallen ausgezeichnet Für seine grundlegenden Forschungsarbeiten auf dem Gebiet photonischer Kristalle wird der Physiker Manfred Bayer mit dem Walter-Schottky-Preis der [71]Deutschen Physikalischen Gesellschaft ausgezeichnet. Die Auszeichnung ist mit 15.000 Mark dotiert. "Es geht bei meiner Arbeit darum, Licht zu bändigen, also eine möglichst weit gehende Kontrolle darüber zu erlangen und ihm die Eigenschaften aufzuprägen, die man sich wünscht", erklärt der Würzburger Physiker. Dazu wird das Licht in winzig kleine Schachteln, so genannte Resonatoren, mit Abmessungen von wenigen Millionstel Metern eingesperrt. Den Schottky-Preis bekommt Dr. Bayer für seine Entdeckung, dass sich durch die Kopplung solcher Resonatoren [72]photonische Kristalle realisieren lassen. Ein Material, dessen Brechungsindex sich periodisch ändert, weist analog zur elektronischen Bandstruktur von Halbleitern eine "photonische Bandstruktur" auf. Nur Licht mit spezifischen Eigenschaften - einer durch die Kristalleigenschaften definierten Relation zwischen Frequenz, Wellenlänge und Ausbreitungsrichtung - kann sich in solchen "photonischen Kristallen" ausbreiten. Opale erfüllen diese Bedingungen: Im chemischen Sinne ist ein Opal nicht kristallin, allerdings sind in regelmäßigen Abständen ausgehärtete, wasserarme Silikatkügelchen in einer Matrix aus weicherem wasserreichen Silikat eingebettet. Die farbig schimmernde, irisierende Oberfläche verdankt der Opal seiner photonischen Struktur. Auch hohle poröse Strukturen können diese Eigenschaften aufweisen - der Brechungsindexunterschied zwischen dem Trägermaterial und den Luftlöchern reicht bereits aus. Damit der photonische Kristall auf Licht im sichtbaren Spektralbereich wirkt, muss der Gitterabstand seiner Kristallstruktur etwa der Wellenlänge des Lichtes entsprechen, also einige hundert Nanometer betragen. Photonische Kristalle sind technologisch für die Optoelektronik interessant, denn mit ihnen lassen sich beispielsweise hoch effiziente Lichtquellen wie Leuchtdioden herstellen: "Konventionelle Lichtquellen weisen Verluste auf, da sie neben dem Licht, dessen Farbe für die Anwendung benötigt wird, auch Licht von sich geben, dessen Farben nicht erwünscht sind. Durch photonische Kristalle kann die Emission unerwünschten Lichts verhindert werden", erklärt Dr. Bayer. Damit komme man dem Ziel, elektrischen Strom vollständig in Licht umzuwandeln, sehr nahe. ([73]wst/c't) References 47. http://support.avx.com/cgi-bin/command/solution?11=010327-0017&130=0985731825 48. http://www.avx.com/ 49. http://vil.mcafee.com/dispVirus.asp?virus_k=99060& 50. http://www.symantec.com/avcenter/venc/data/w32.peelf.2132.html 51. http://www.heise.de/ct/antivirus 71. http://www.dpg-physik.de/ 72. http://www.heise.de/newsticker/data/wst-26.09.00-002/ 73. mailto:wst@ct.heise.de
Meldungen vom 27.03.2001: Schweiz probt Online-Krieg Nach den [70]USA und [71]Deutschland will sich jetzt auch die Schweiz auf [72]Computer-Attacken besser vorbereiten. Im Juni dieses Jahres will das Informationsstrategie-Organ des Bundes eine Übung unter dem Codenamen "Informo 2001" durchführen, meldet die Schweizer Wochenzeitung [73]InfoWeek.ch. Dabei soll ein virtueller Angriff auf die Informationsinfrastruktur (KASII) erfolgen, bei dem die Computersysteme der Energieversorgung, des öffentlichen Verkehrs und anderer Logistiksysteme lahmgelegt werden. Projektleiter Professor Laurent F. Carrel vom Historischen Institut der [74]Universität Bern will mit der Übung die Zusammenarbeit von Verwaltung und Wirtschaft im Krisenfall trainieren. Die Regierung soll durch den Scheinangriff schnelle und gezielte Handlungen erproben, die in einem eventuellen Ernstfall nötig sind, wenn ein Angriff auf die Computersysteme weite Teile der Wirtschaft und der Informationssysteme außer Gefecht setzt. ([75]hag/c't) References 70. http://www.heise.de/tp/deutsch/special/info/7055/1.html 71. http://www.heise.de/newsticker/data/wst-10.03.01-003/ 72. http://www.heise.de/newsticker/data/fr-13.03.01-000/ 73. http://www.infoweek.ch/ 74. http://www.unibe.ch/ 75. mailto:hag@ct.heise.de
Meldungen vom 24.03.2001: Microsoft warnt vor Cracker-Zertifikat [49]Peinliche Panne für das Sicherheitsunternehmen [50]Verisign: Microsoft warnt vor Sicherheitszertifikaten, die angeblich von dem Software-Konzern kommen, die sich aber ein Unbekannter bei Verisign erschlichen hat. Nach Informationen von Microsoft hat Verisign dem Unbekannten, der sich als Microsoft-Mitarbeiter ausgegeben hat, bereits Ende Januar zwei Klasse-3-Zertifikate auf den Namen "Microsoft Corporation" ausgehändigt. Diese Bescheinigungen dienen dazu, Nutzern beim Herunterladen von Dateien oder bei vertraulichen E-Mails zu garantieren, dass sich niemand dazwischen geschaltet hat. Der Inhaber der falschen Zertifikate kann diese beispielsweise dazu nutzen, um Viren oder trojanische Pferde bei Anwendern von Microsoft-Programmen einzuschleusen - und zwar generell bei allen Microsoft-Produkten, da sich alle über Add-Ons aus dem Internet erweitern lassen. Microsoft hat das amerikanische Bundeskriminalamt FBI über den Fall informiert und arbeitet an Updates seiner Programme, die die falschen Zertifikate selbstständig erkennen. Bis auf weiteres informiert Microsoft in einem [51]Security Bulletin über Sicherheitsmaßnahmen gegen die falschen Zertifikate. ([52]jo/c't) ==================================================================== PGP-Schlüssel lassen sich prüfen Wie der Kryptologe Dr. Rüdiger Weis c't mitteilte, führen nach seinen Analysen die von Vlastimil Klima und Thomas Rosa beschriebenen [59]Modifikationen an geheimen PGP-Keys zu ungültigen Signaturen. Wer also befürchtet, dass sein Schlüssel manipuliert worden sei, kann das relativ einfach überprüfen. Er erstellt dazu eine digital signierte Nachricht und überprüft die Echtheit seiner eigenen Unterschrift. Dazu kommt der Public Key zum Einsatz, dessen Integrität er anhand seiner Signaturen - zum Beispiel durch die c't Kryptokampagne - verifizieren kann. Ist der Public Key intakt und die digitale Unterschrift korrekt, darf man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass der Schlüssel nicht kompromittiert ist. Um einem Angriff vorzubeugen, sollte man dafür sorgen, dass niemand Zugang zum geheimen Schlüssel erlangen kann. Dazu kann man diesen zum Beispiel auf eine Diskette kopieren, die man anschließend schreibschützt und sicher aufbewahrt. ([60]ju/c't) References 49. http://www.verisign.com/developer/notice/authenticode/index.html 50. http://www.verisign.com/ 51. http://www.microsoft.com/technet/security/bulletin/ms01-017.asp 52. mailto:jo@ct.heise.de 59. http://www.heise.de/newsticker/data/ju-22.03.01-001/ 60. mailto:ju@ct.heise.de
Meldungen vom 21.03.2001: Biometrie steckt noch in den Kinderschuhen Der weltweite Markt für Biometrie ist noch klein: Nach Auskunft von [22]Teletrust wurden 1999 etwa 100 Millionen US-Dollar umgesetzt, davon fast 60 Prozent in den USA. Dabei spielten vor allem Zutrittssicherungen beziehungsweise Grenzkontrollen eine entscheidende Rolle. Am häufigsten wurden Fingerprintverfahren und die Handgeometrie eingesetzt. Die US-Organisation der Biometrieanbieter [23]IBIA rechnet für 2010 erst mit einem US-Markt von 1 bis 2,5 Milliarden US-Dollar. Auf der Wissenschaftspressekonferenz in Bonn diskutierten Vertreter von Verbrauchern sowie aus Wissenschaft und Industrie die Perspektiven von Biometrie. Für den Teletrust-Geschäftsführer Helmut Reimer ist klar: "In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden die Investitionsentscheidungen vorbereitet." Einen breiten Einsatz erwartet Reimer vor allem bei den Banken. Doch die bisherige Infrastruktur der EC-Karten mit Magnetstreifen, die weltweit verbreitet ist, ist "zäh", weiß Reimer. Gerade auf innovative Firmen, die jetzt mit neuen biometrischen Produkten auf den Markt gehen, kommt eine harte Wartezeit zu. Sie müssen deshalb, so Reimer, weitere Einsatzfelder erschließen. Komfort ist hier das Zauberwort. Professor Michael Behrens von der Fachhochschule Gießen-Friedberg sieht die Biometrie nicht nur im Sicherheitsbereich, sondern vor allem als Schlüssel für mehr Komfort. Vor allem im Automobilbereich erkennt er große Einsatzmöglichkeiten. Aber auch das intelligente Haus, dessen Räume bei Eintritt individuell je nach Tätigkeit beheizt und belichtet werden, bietet ebenfalls Perspektiven. Reimer sieht zudem bei der Integration von biometrischen Verfahren in Handys einen "konkreten Nutzen". Mobile Endgeräte wie der Personal Digital Assistent oder ein Laptop können mit Hilfe von Biometrie geschützt werden. Biometrisch ausgewertet werden kann vieles: Das Tippverhalten an einer Tastatur, die Fingergeometrie, die Stimme, das Gesicht, die Unterschriftendynamik, das Netzhaut- und das Irismuster, der genetische Code - oder der Fingerabdruck. Seit Jahren ist die biometrische Maus von Siemens, die ID-Maus, auf dem Markt. Der Nutzer kann sich mit einem kurzen Fingertip auf den Sensor der Maus identifizieren. Die Daten des Fingerabdrucks werden mit den gespeicherten Referenzdaten des berechtigten Nutzers abgeglichen. Sind die Werte identisch, kann der Nutzer ans Werk gehen. Bislang verkaufte sich die biometrische Maus jedoch nicht gut. Es fehlten die richtigen Anwendungen. Nun hat Siemens die schlaue Maus mit einem virtuellen Marktplatz verkuppelt: Kunden des [24]Webtrade-Center der DCI AG, eines Markplatzes für Informationstechnologie und Telekommunikation, können sich demnächst per Fingerabdruck anmelden. Damit müssen sie nicht mehr ihren Benutzernamen und ihr Passwort bei der Anmeldung angeben. Die biometrischen Daten des Anwenders bleiben sicher verschlüsselt auf seinem PC, wo auch der Abgleich mit den Referenzdaten erfolgt. Zum Webserver werden nur dieselben Daten übertragen wie bei einem herkömmlichen Anmeldevorgang. Damit bleiben die biometrischen Informationen stets beim Nutzer. Für den Siemens-Manager Stefan Kuhn zeigt diese Anwendung, dass "biometrische Verfahren nicht nur über die lokale Anwendung an einen PC geeignet sind, sondern ganz praktisch im E-Commerce eingesetzt werden können". Das die ID-Maus bislang nicht nur an fehlenden Anwendungen krankte, sondern auch an ihrer Technologie, kommentiert Helmut Reimer. Gegenüber heise online sagte Reimer, dass der bei der Maus eingesetzte Sensor-Chip von Infineon im Alltagsgebrauch zu empfindlich sei. Tatsächlich gibt es bis jetzt keine robusten biometrischen Systeme für offene Nutzergruppen. Zwar experimentiert auch die Dresdner Bank bei Geldautomaten mit einem Iris-Scanner, der immerhin eine Ersterkennungsrate von 99 Prozent aufweist. Doch für Kunden sind die Geldautomaten noch nicht in Gebrauch, sondern nur für interne Mitarbeiter. Kein Wunder also, dass der Toleranzwert von 99 Prozent so hoch sein kann - die wenigen Nutzer sind dem Gerät bekannt. Astrid Albrecht von der Arbeitsgemeinschaft Verbraucherverbände meint: "Biometrische Verfahren versprechen viele Vorteile, bringen jedoch mehr Risiken mit sich." Mehr Vertrauenswürdigkeit im Gegensatz zu PINs und Passwörtern bringen die personengebundenen Daten wohl: So entfallen beim Geldautomaten die Sorgfaltspflichten. Aber der Nutzer kann die vom Automaten erhobenen Daten nicht selbst kontrollieren. Der Missbrauch ist deshalb nicht ausgeschlossen. Biometrische Daten können nicht wie PINs jederzeit ausgetauscht und erneuert bleiben - sie bleiben konstant. Eine verbraucherfreundliche Lösung ist deshalb die Speicherung und der Abgleich von Daten auf einer Smartcard. Die Aachener Sicherheitsfirma Utimaco stellt auf der CeBIT eine solche Lösung vor. Utimaco arbeitete nicht mit Siemens, sondern mit der schwedischen Firma Precise Biometrics zusammen: Sie stellte den [25]kombinierten Smartcard-Fingerprint-Leser her. Er benötigt keine eigene Stromversorgung und wird über die parallele Schnittstelle oder den USB-Port mit dem PC verbunden. Die finnische Firma Miotec entwickelte das neue Betriebssystem für die Smartcards. Es ermöglicht es, den PIN-Code durch den Fingerprint zu ersetzen. Die Smartcard kann mehrere Fingerabdrücke speichern, der integrierte RSA-Co-Prozessor ermöglicht die Verbindung der Smartcards für digitale Signaturen. Anders als beim Siemens-Modell werden die biometrischen Daten nicht auf dem PC, sondern direkt auf der Smartcard gespeichert. Mit der elektronischen Signatur auf der Smartcard könnten E-Mails unterzeichnet werden, Nutzer können sich in Virtual Private Networks authentifizieren oder Dateien verschlüsseln. (Christiane Schulzki-Haddouti) / ([26]jk/c't) ==================================================================== Heidelberger Druck will zum Software-Spezialisten werden Nach dem erfolgreichen Start in den Digitaldruck will die erfolgsverwöhnte [82]Heidelberger Druckmaschinen AG sich nun auch als Softwarespezialist für die grafische Industrie positionieren. Auf der CeBIT wolle der Konzern mit seiner Software neue Kundenkreise außerhalb des "klassischen Druckereibetriebs" gewinnen, sagte Vorstandsvorsitzender Bernhard Schreier in einem dpa-Gespräch. Weltweit werde in der grafischen Industrie jährlich etwa eine Milliarde Mark in Software und Informationstechnologie investiert. "Bis zum Jahr 2005 wird ein Drucker nur noch 10 bis 20 Prozent seiner Wertschöpfung mit dem reinen Drucken erzielen", schätzte der Chef des weltgrößten Druckmaschinenherstellers. Der Rest werde von zusätzlichen Dienstleistungen kommen, von Bindung über Verpackung bis zu Datenmanagement für die Kunden. Für die Druckbranche würden deshalb die so genannten PPS-Systeme (Produktion, Planung, Steuerung) immer wichtiger. Auf der CeBIT könnte Heidelberger Druckmaschinen die IT-Spezialisten der grafischen Industrie ansprechen, die nicht zu den reinen Druckmessen wie der alle vier Jahre stattfindenden drupa in Düsseldorf anreisten, meinte Schreier. Die Digitaltechnik ist einer der Investitionsschwerpunkte des Traditionsunternehmens. Glänzend angelaufen ist das Geschäft mit Maschinen für den digitalen Schwarzweiß-Druck. Die Sparte konnte ihren Umsatz in den ersten neun Monaten um 25 Prozent auf 569 Millionen Euro steigern. Zusätzliches Wachstum sollen ab kommendem Jahr die mit dem US-Konzern Kodak im Gemeinschaftsunternehmen Nexpress produzierten Maschinen für den farbigen Digitaldruck bringen. "Der Farbmarkt wird voraussichtlich jährlich um 18 bis 20 Prozent zulegen", sagte Schreier. Heidelberger Druck wolle Marktführer in dieser Sparte werden und diese Wachstumsraten noch übertreffen. Die Abkühlung der US-Konjunktur werde voraussichtlich keine negativen Folgen für das Unternehmen haben, sagte Schreier. "Nach dem starken Wachstum der Vergangenheit schwächt sich derzeit das US-Geschäft ab,wir können das aber durch starkes Wachstum in China mehr als ausgleichen." Er sei sicher, dass die für das am 31. März endende Geschäftsjahr 2000/01 gesteckten Ziele von mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz und einem zehnprozentigen Gewinnplus erreicht werden. Schreier deutete eine Erhöhung des Aktien-Streubesitzes von derzeit 16 auf über 20 Prozent in den Sommermonaten an. Das wäre Voraussetzung für den Verbleib im Frankfurter M-DAX für die Mittelwerte. "Ich bin optimistisch, dass wir diese Hürde bis zur Jahresmitte mit Hilfe unserer Aktionäre überwinden können", sagte Schreier. Über die angestrebte Verdopplung des Streubesitzes sei noch keine abschließende Entscheidung gefallen. Großaktionär bei Heidelberger Druck ist der Essener RWE-Konzern, der gut 56 Prozent der Anteile hält. (dpa) / ([83]jk/c't) ==================================================================== Der US-Kongress erstickt an E-Mails Der [88]US-Kongress kann sich der Flut an E-Mails nicht mehr erwehren. Einer [89]Studie des [90]Congress Online Project zufolge stieg die Zahl der eingehenden E-Mails von 20 Millionen im Jahr 1998 auf 48 Millionen im letzten Jahr, mit besonderen Volumenspitzen in Zeiten kontrovers diskutierter politischer Vorgänge. Das hohe E-Mail-Aufkommen führt gelegentlich sogar zu der Überlastung des gesamten internen Netzes der Kongressbüros, das dann nur noch "im Schneckentempo" arbeitet. Zuletzt sei dies bei der [91]Nominierung von John Ashcroft zum US-Justizminister der Fall gewesen. Auf der Empfängerseite sehen sich die einzelnen Kongressbüros jeweils mit der E-Mail-Flut alleingelassen, da es weder einen zentralen Mailserver für alle Offices gibt, noch die Büros nennenswerte technische Vorkehrungen für das automatisierte Mail-Handling getroffen hätten. Für diesen Missstand, der dazu führe, dass Tausende und Abertausende von Mails unbeantwortet blieben, macht das Congress Online Project in seiner Untersuchung die schlechte finanzielle Ausstattung der Offices und deren unkluge Budget- und Personalplanung verantwortlich. In alter Tradition habe man bisher darauf gesetzt, möglichst billiges und damit unqualifiziertes Personal einzukaufen und als Kommunikatoren mit externen EDV-Dienstleistern einzusetzen. Im Zuge des überbordenden Mailverkehrs mit seinen drastisch erhöhten Anforderungen an die technische Infrastruktur räche sich nun diese Dumping-Praxis mit den aufgetretenen Problemen eines nicht mehr beherrschbaren Datenverkehrs. Bis zu 12 Prozent des Jahresbudgets müsse in einzelnen Offices aufgewendet werden, um die nötige Daten-Infrastruktur zu schaffen und zu unterhalten, lautet eine Kernaussage der Online-Studie. Der Großteil des Mailansturms könne bei klügerem Handling allerdings schon heute bewältigt werden, wenn die Büros nur die in der Hälfte der Fälle bereits vorhandene Software zur automatisierten Mailbehandlung nutzen würden. Vielen Offices ist allerdings überhaupt nicht bewusst, dass sie bereits über die nötigen Einrichtungen verfügen; anderen fehlt einfach die Zeit, die Mitarbeiter in der Nutzung dieser Techniken zu unterweisen. So nutzen letztlich nur 10 Prozent der Büros die Software zum Mailhandling wenigstens in Ansätzen. ([92]klp/c't) References 22. http://212.185.192.36/ 23. http://www.ibia.org/ 24. http://www.webtradecenter.de/ 25. http://www.heise.de/newsticker/data/pab-07.02.01-002/ 26. mailto:jk@ct.heise.de 82. http://www.heidelberg.com/frm_prepage.asp 83. mailto:jk@ct.heise.de 88. http://thomas.loc.gov/ 89. http://www.congressonlineproject.org/email.html 90. http://www.congressonlineproject.org/index.html 91. http://www.heise.de/newsticker/data/pmo-05.01.01-000/ 92. mailto:klp@ct.heise.de
Meldungen vom 19.03.2001: Primzahl entschlüsselt DVDs Dass Primzahlen in der Kryptologie eine besondere Bedeutung haben, ist altbekannt. Doch mit der Zahl 4856507896573978293098418946942861377074420873513579240196520736 6869851340104723744696879743992611751097377770102744752804905883 1384037549709987909653955227011712157025974666993240226834596619 6060348517424977358468518855674570257125474999648219418465571008 4119086259716947970799152004866709975923596061320725973797993618 8606316914473588300245336972781813914797955513399949394882899846 9178361001825978901031601961835034344895687053845208538045842415 6548248893338047475871128339598968522325446084089711197712769412 0795862440547161321005006459820176961771809478113622002723448272 2493232595472346880029277764979061481298404283457201463489685471 6908235473783566197218622496943162271666393905543024156473292485 5248991225739466548627140482117138124388217717602984125524464744 5055834628144883356319027253195904392838737640739168912579240550 1562088978716337599910788708490815909754801928576845198859630532 3823490558092032999603234471140776019847163531161713078576084862 2363702835701049612595681846785965333100770179916146744725492728 3348691600064758591746278121269007351830924153010630289329566584 3662000800476778967984382090797619859493646309380586336721469695 9750279687712057249966669805614533820741203159337703099491527469 1835659376210222006812679827344576093802030447912277498091795593 8387121000588766689258448700470772552497060444652127130404321182 610103591186476662963858495087448497373476861420880529443 von [31]Prime Curious hat es eine besondere Bewandtnis. Schreibt man sie in hexadezimaler Form (also zur Basis 16) und schickt diese Zeichenkette durch den Entpacker gunzip, erscheint der C-Code der DVD-Entschlüsselungsroutinen DeCSS (oder man lässt ein [32]Perl-Programm diese Aufgabe erledigen). Da ein amerikanisches Gericht die Verbreitung von DeCSS für illegal erklärt hat, werfen die Entdecker des Zahlenspiels die Frage auf: Handelt es sich hier um die erste [33]illegale Primzahl? Die mathematischen Grundlagen der Zahlenspielerei sind nicht ganz trivial. Der grundlegende Gedanke ist folgender: Man komprimiert den DeCSS-Code mit gzip und interpretiert den so entstanden Datenstrom als eine einzige Zahl aus 563 Bytes. Dann sucht man eine Primzahl, deren erste 563 Bytes mit dieser Zahl übereinstimmen (nach Dirichlets Theorem gibt es unendlich viele solcher Primzahlen). Schickt man die Primzahl durch das Dekompressionsprogramm gunzip, interpretiert es die ersten 563 Bytes als korrekten Datenstrom und ignoriert den Rest ("trailing garbage ignored"). Als Resultat erscheint der ursprüngliche C-Code. ([34]ju/c't) References 31. http://www.utm.edu/research/primes/curios/48565...29443.html 32. http://www.cs.cmu.edu/~dst/DeCSS/Gallery/Stego/mccarthy-prime-decoder.txt 33. http://www.utm.edu/research/primes/glossary/Illegal.html 34. mailto:ju@ct.heise.de